Symbolfoto: Mario Thurnes
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Die Bundesregierung will Verlegern Geld geben, damit sie Zeitungen zustellen. Die Verleger wiederum fordern, dass dieses Geld „zügig“ fließt. Doch der Markt zeigt: Immer weniger Menschen wollen eine Zeitung in ihrem Briefkasten. Auch der im Frühjahr erhoffte „Corona-Effekt“ blieb aus. Die Pandemie hat sogar das Gegenteil bewirkt.

40 Millionen Euro sollen Verleger dieses Jahr vom Staat erhalten – dafür, dass sie ihr Produkt zum Kunden bringen. „Hintergrund ist die seit vielen Jahren sinkende Auflage von gedruckten Zeitungen“, wie es der Verlegerverband BDZV auf seiner Internetseite selbst darstellt. Doch, so klagen die Verleger in der gleichen Erklärung, fehle es im zuständigen Bundesarbeitsministerium an einem Konzept, wie das Geld verteilt werden soll.

Die Förderung solle „so schnell wie möglich“ starten, fordern die Verleger. Wenn die Logik gilt, dass der Staat ihnen mehr Geld geben soll, desto weniger Zeitungen sie wirklich zustellen, dann ist wirklich Eile geboten: Denn im zweiten Quartal ging die Verbreitung der Zeitungen weiter nach unten. Bei den Tageszeitungen war es ein Einbruch von 7,5 Prozent im Vergleich zum zweiten Quartal 2019.

E-Paper kann Niedergang der Zeitung nur bremsen

Die Zahlen sind öffentlich einsehbar. Die Informationsgemeinschaft zur Feststellung der Verbreitung von Werbeträgern (IVW) veröffentlicht sie regelmäßig. 344 Zeitungen sind bei der IVW angemeldet – darunter 326 Tageszeitungen. Als „Verbreitung“ gilt die Summe aus verkaufter Zeitung und verkauftem E-Paper.

Das noch junge Format E-Paper hat naturgemäß steigende Verbreitungszahlen. Im zweiten Quartal waren diese besonders eindrucksvoll: 1,8 Millionen E-Paper haben die IVW-Tageszeitungen täglich verbreitet. Das sind 9,6 Prozent mehr als im ersten Quartal des Jahres – und 20 Prozent mehr als im zweiten Quartal des vergangenen Jahres.

Und obwohl die Verbreitung der E-Paper so stark zunimmt, geht die Verbreitung der IVW-Zeitungen in der Summe zurück. Schuld daran ist die gedruckte Zeitung: Deren Niedergang ist schneller als der Zuwachs bei den E-Papern.

So zählt die IVW für die Tageszeitungen fürs zweite Quartal eine tägliche Verbreitung von 14,4 Millionen Exemplaren. Das sind rund 1,2 Millionen Exemplare weniger als im zweiten Quartal 2019 – und 480 000 Exemplare weniger als in den ersten drei Monaten diesen Jahres. Damit betragen die Rückgänge 7,5 beziehungsweise 3,2 Prozent.

Bedeutungsverlust droht

Manchen Zeitungen steht ein massiver Bedeutungsverlust ins Haus. Im Jahr 1998 glaubte Bundeskanzler Gerd Schröder (SPD) noch, „mit Bild, BaMS und Glotze“ regieren zu können. Doch die Bild droht im Westen bald unter eine Auflage von einer Million verbreiteter Exemplare zu rutschen. Die BaMS hat diese Latte längst gerissen.

Im März hatten Verantwortliche noch auf einen „Corona-Effekt“ gehofft. Angesichts der harten Nachrichtenlage rund um die Pandemie – so die Hoffnung – würden einstige Leser zu den Zeitungen zurückkehren. Das hat sich nur bedingt erfüllt. Es gab den Zuwachs bei den E-Papern und der Rückgang von 3,2 Prozent innerhalb eines Quartals täuscht ein wenig.

Denn einen Corona-Effekt gab es wirklich: Mit den Reisebeschränkungen brach die Verbreitung der Bord-Exemplare ein. Im ersten Quartal wurden jeden Tag noch 412 000 Exemplare in die Hände gelangweilter Passagiere gedrückt. Im zweiten Quartal waren es nur noch 58 000 Exemplare.

Rechnet man diesen Effekt raus, haben die Tageszeitungen vom ersten aufs zweite Quartal nur 0,85 Prozent an Verbreitung verloren. Doch um vom Comeback der Zeitung zu reden, reicht das nicht. Zwar fällt der Verlust moderater aus als in den Quartalen davor. Aber das lässt sich ohne den rasanten Zuwachs bei den E-Papern eben nicht erklären.