Symbolfoto: Mario Thurnes
Symbolfoto: Mario Thurnes

Die meisten deutschen Tageszeitungen haben im vergangenen Jahr mehr als zwei Prozent an Abos und verkauften Exemplaren verloren. Das hat die Informationsgesellschaft zur Feststellung der Verbreitung von Werbeträgern (IVW) mitgeteilt. Besonders betroffen sind Boulevard-Zeitungen und Blätter, die negativ in den Schlagzeilen waren.

Zu einer Qualitätszeitung gehört, dass sie unvoreingenommen berichtet und kein wichtiges Thema unter den Tisch fallen lässt. Etwa weil sie negativ betroffen ist. So gesehen ist die Frage, ob jemand schon mal von der IVW gelesen hat, ein Test, wie genau sich seine Zeitung an diese Regel hält. Denn die Zahlen, die der Verein mit Sitz in Berlin veröffentlicht, sind durchaus beeindruckend – und gleichzeitig negativ für die Zeitungen.

Unter Reichweitenverlust leiden die Zeitungen schon lange. Der Mainzer Kommunikationswissenschaftler Hans Mathias Kepplinger weist in seinen Arbeiten darauf hin, dass dieser schon vor dem Internet-Zeitalter eingesetzt habe. Mit den neuen Medien und dem neuen Verbreitungsweg hat sich aber der Reichweitenverlust verstärkt. Bis vor einigen Jahren galt in Sachen Abos und Einzelverkäufe die Zwei-Prozent-Hürde als die magische Grenze. Blieben die Verluste darunter, waren die Entscheider zufrieden. Diese Grenze kann nun kaum noch ein Medium einhalten. Mittlerweile zittern die Macher vor der Fünf-Prozent-Hürde.

Vom zweiten Quartal 2018 bis zum zweiten Quartal 2019 haben nur sieben der 83 größten deutschen Tageszeitungen weniger als zwei Prozent an Abos und verkauften Exemplaren verloren. Und das obwohl E-Abos mittlerweile eingerechnet werden. So berichtet die IVW.

Demnach sind vor allem die Boulevard-Zeitungen vom Niedergang betroffen. So hat die Hamburger Morgenpost 8,7 Prozent verloren und kommt gerade noch auf 37 000 Exemplare über Abos oder Einzelverkauf. Der Kölner Express hat sogar 12,2 Prozent verloren und kommt noch auf 62 000 Exemplare.

Ein Trend, der auffällt: Kommt eine Zeitung in die Schlagzeilen, sei es weil sie Personal abbaut oder über ihren Verkauf spekuliert wird, dann schadet das der Verbreitung: So gab es mehrere Berichte über den geplanten Verkauf von Blättern, die DuMont angehören. Die Berliner Zeitung verlor nun 11,5 Prozent und kommt noch auf 62 000 Abos und verkaufte Exemplare. Express und Hamburger Morgenpost gehören ebenfalls zu Dumont. Die Saarbrücker Zeitung verlor nach Berichten über Personalabbau 7 Prozent und kommt nur noch auf 102 000 Abos und verkaufte Exemplare.

Die Zeitungshäuser versuchen mit E-Abos gegenzusteuern. Die werden unter Abos und verkaufte Exemplare mit eingerechnet. Doch den wenigsten gelingt es, den Niedergang der gedruckten Zeitung zu bremsen oder gar in Wachstumsbereiche zu kommen. Zu den erfolgreichen Akteuren gehört der Tagesspiegel aus Berlin, der um 1,4 Prozent zugelegt hat und nun auf 94 000 Abos und verkaufte Exemplare kommt.

Die Angaben zu Abos und verkauften Exemplaren wurden in diesem Text gerundet.