Nachrichten Ginsheim-Gustavsburg | Aktuell kommt es in den sozialen Medien immer wieder zu Falschinformationen. Es wird berichtet, dass zehn Rehe in Ginsheim-Gustavsburg wegen dem Hochwasser ums Leben gekommen sind. Boost your City hat daraufhin mit Manfred Schrepfer, dem Jagdpächter vor Ort darüber gesprochen, der dieses so nicht bestätigen konnte.


Bislang drei verstorbene Rehe

Im Gespräch erklärt Manfred Schrepfer gegenüber Boost your City, dass seit dem Hochwasser insgesamt drei Rehe bekannt sind, die ums Leben kamen. Diese wurden beim Überqueren der Ginsheimer Straße von Fahrzeugen erfasst und verstarben. Solche Wildunfälle passieren grundsätzlich auch, wenn kein Hochwasser ist. Doch dieses verschärft die Situation noch. Denn die Tiere halten sich wegen dem Hochwasser häufiger in der Nähe der Straße auf, weil das Wasser dort nicht hin kommt und sie auf den dortigen Feldern der Bauern noch Nahrung finden. Durch die Nähe zur Straße kommt es natürlich auch häufiger zu Unfällen. Der Jagdpächter erklärt, dass die Rehe im Normalfall eher selten die Straße queren. Öfter kann dies vorkommen, wenn sie von Hunden oder Menschen aufgeschreckt werden und in ihrer Panik einfach losrennen. Solche Unfälle sind nicht nur für das Wild gefährlich, auch für die Menschen in den Autos können sie Lebensgefährlich werden.

Das Hochwasser selbst kann zur Gefahr werden

Wenn die Tiere wegen ihrer Panik vor Menschen oder Hunden in das Hochwasser oder auf vereiste Wasseroberflächen rennen, können sie natürlich einbrechen und ertrinken oder erfrieren. Zudem können sie sich dabei auch so stark am Eis verletzen oder sich die Beine brechen, sodass der Jagdpächter sie schließlich erschießen muss. Bei dem aktuellen Hochwasser kam es allerdings noch nicht zu einem solchen Vorfall. „Mit abschließender Sicherheit kann man das aber erst sagen, wenn das Hochwasser komplett zurückgegangen ist. Oft findet man dann noch tote Rehe in den Büschen, die man vorher wegen dem Hochwasser nicht gesehen hat“, erklärt der Jagdpächter.



Freilaufende Hunde werden oft zum Verhängnis

Grundsätzlich, so erklärt Manfred Schrepfer, stellen freilaufende Hunde ein großes Problem für Rehe dar. Im aktuellen Jagdjahr, das immer vom 1. April bis zum 31. März dauert, verstarben bislang insgesamt zehn Rehe. Davon einige bei Unfällen aber auch einige wegen freilaufender Hunde. Diese wurden nach Einschätzung des Jagdpächters wahrscheinlich von den Hunden gerissen. Ein anderes Reh verhedderte sich auf der Flucht, vermutlich vor einem Hund, in einem Netz und kam dort nicht mehr heraus.

Zuletzt wurde an diesem Sonntag (14. Februar 2021) erneut ein totes Reh in der Nähe des Hochwassers bei Ginsheim gefunden. Wegen dem Zustand, in dem das Tier aufgefunden wurde, geht Manfred Schrepfer zur Zeit davon aus, dass das Reh von einem Hund gerissen wurde.

Der Jagdpächter appelliert deshalb an die Hundebesitzer, ihre Hunde immer im Blick zu haben und diese, auch wenn keinen Leinenpflicht herrscht, gegebenenfalls anzuleinen. „Wenn da jeder ein bisschen drauf achten würde, dann würde da auch viel weniger passieren“, erklärt Schrepfer.

Zahlreiche Menschen am Damm unterwegs

Gemeinsam mit Manfred Schrepfer waren wir gegen 13:00 Uhr auch in Ginsheim am Damm vor Ort, um uns selbst ein Bild von der Situation zu machen. Rehe waren zu diesem Zeitpunkt keine dort zu sehen. Am gesamten Damm waren allerdings viele Spaziergänger, Radfahrer oder auch Hundebesitzer unterwegs. Ein Großteil der Hundebesitzer hielt sich an die Leinenpflicht. Eine Frau, die mit ihrem Hund ebenfalls auf dem Damm unterwegs war, ließ diesen allerdings frei und weit von sich entfernt laufen. Als der Jagdpächter die Frau darauf ansprach und sie bat, ihren Hund an die Leine zu nehmen, erklärte sie, dass die nichts von der Leinenpflicht wegen dem Hochwasser wisse. Nach kurzer Erklärung durch Manfred Schrepfer, äußerte die Frau Verständnis. Ihren Hund anleinen wollte sie allerdings nicht, da sie “jetzt sowieso gleich den Bereich verlässt”.

Appell der Stadtverwaltung

Die Stadtverwaltung Ginsheim-Gustavsburg weist ebenfalls erneut darauf hin, dass sich Wildtiere trotz des seit einigen Tagen deutlich zurückgehenden Hochwassers nach wie vor nicht in ihrer gewohnten Umgebung aufhalten. Bürgermeister Thies Puttnins-von Trotha appelliert deshalb an alle Spaziergänger, auf den Wegen zu bleiben und an die Hundehalter, ihre Hunde an der Leine zu halten und auf das Wild zu achten.

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