Quelle: Kreis Groß-Gerau

Nachrichten Groß-Gerau | Das Geburtstagsfest ist wegen Corona zwar abgesagt. Das ändert aber nichts an der Tatsache, dass der Pflegestützpunkt Kreis Groß-Gerau seit zehn Jahren besteht und seitdem wichtige Arbeit leistet: für pflegebedürftige Menschen, pflegende Angehörige, Menschen mit Behinderung sowie für Menschen, die von Behinderung und Pflegebedürftigkeit bedroht sind. 2010 wurde im Landratsamt der erste Pflegestützpunkt Hessens in gemeinsamer Trägerschaft des Kreises mit den Kranken- und Pflegekassen eröffnet. Mittlerweile gibt es diese Einrichtungen – insgesamt 30 – in jedem Landkreis und jeder kreisfreien Stadt in Hessen.


„Anfangs erreichten uns vielleicht zwei Telefonanrufe am Tag“

„Das war etwas ganz Neues“, erinnert sich Polina Maierle, Sachgebietsleiterin im Fachbereich Soziale Sicherung der Kreisverwaltung, die von Beginn an dabei war und die fachlichen Standards im Pflegestützpunkt mitgeprägt hat. Kranken- und Pflegekassen beraten gemeinsam mit den sozialpädagogischen Fachkräften der Verwaltung.

„Wir haben Fortbildungen, etwa im Care- und Case-Management und in der Pflegeberatung durchlaufen, erste Muster für die Dokumentation entworfen und ein engmaschiges Netzwerk aufgebaut, um unsere Aufgaben möglichst gut erfüllen zu können“, so Maierle.

Dazu zählen die umfassende und unabhängige Auskunft und Beratung zur Auswahl und Inanspruchnahme von Sozialleistungen und Hilfsangeboten sowie die Koordinierung aller in Betracht kommenden Unterstützungsangebote.

„Anfangs erreichten uns vielleicht zwei Telefonanrufe am Tag. Heute sind es an ruhigen Tagen im Schnitt 30.“ In den aktuellen Corona-Zeiten, in denen es wegen der Beschränkungen keine offenen Sprechstunden und keine Hausbesuche gibt, sind es eher mehr, denn alle Kontakte spielen sich telefonisch und schriftlich ab.

Die gestellten Fragen sind vielfältig

Mal dreht es sich um die Pflegegrade, mal um Leistungen, die jemand beantragen möchte. Als nächstes geht es um Hilfsmittel oder um die Fragen, was nach dem Krankengeldbezug und was nach dem Krankenhausaufenthalt kommt, ob eine gesetzliche Betreuung gebraucht wird und wie gegebenenfalls der Lebensunterhalt gesichert werden kann.

„Ob Angehörige, ob Ärzte, ob Pflegedienste – alle sprechen uns bei Fragen rund um die Pflege an“, sagt Martin Bienefeld von der BKK Linde Betriebskrankenkasse, die im Stützpunkt im Auftrag aller Krankenkassen wirkt. Genau diese Zusammenarbeit sieht das Modell Pflegestützpunkt vor: Kassen und Kommunen informieren trägerneutral, unabhängig, verbraucherorientiert und für die Kundschaft kostenlos. Vier Menschen – je zwei von BKK Linde und Kreis Groß-Gerau – arbeiten auf insgesamt drei Vollzeitstellen für die Pflege- und Sozialberatung. Namentlich sind dies neben Martin Bienefeld Sibille Hütten (für die Kasse) sowie Vicky Gering-van Husen und Sabine Walter von der Kreisverwaltung.

Netzwerk- und Öffentlichkeitsarbeit stand und steht ganz obenan

„Wir arbeiten eng mit den Beratungs- und Koordinierungsstellen in den Städten und Gemeinden des Kreises zusammen und sind im Netzwerk der Behinderten- und Altenhilfe aktiv“, sagt Polina Maierle. „Den jährlichen fachlichen Austausch mit den ambulanten und stationären Dienstleistern nutzen wir, um die Pflege- und Versorgungssituation im Kreis einzuschätzen und Impulse für die Weiterentwicklung zu erarbeiten.“

Außerdem tauscht sich viermal im Jahr die Regionalgruppe Süd der hessischen Pflegestützpunkte aus. Einmal im Jahr gibt es ein Treffen mit allen hessischen Pflegestützpunkten. „Auch auf diese Art können wir immer über den eigenen Tellerrand schauen“, betont Martin Bienefeld. „Das ist das Besondere und der Unterschied zu den Pflegekassen: Wir gucken in alle Richtungen, wie wir einem Menschen, einer Familie rundherum helfen können.“

Der Bedarf ist auf jeden Fall da

Das zeigen die steigenden Fallzahlen, wie Polina Maierle registriert. Im Moment dominiert und beeinflusst auch beim Pflegestützpunkt das Thema Corona alles. Die Fragen drehen sich zum Beispiel um Infektionsschutz und wegbrechende Tagespflegeplätze. Aber auch ohne das Coronavirus „werden wir aufgrund des demografischen Wandels künftig sicherlich noch mehr gebraucht werden als jetzt schon“.

Erreichbarkeit und Öffnungszeiten

Der Pflegestützpunkt Kreis Groß-Gerau ist derzeit montags bis donnerstags von 8 bis 16 Uhr und freitags von 8 bis 12 Uhr telefonisch zu erreichen unter 06152 989463. Fax 06152 989109, E-Mail pflegestuetzpunkt@kreisgg.de.

Offene Sprechzeiten sind – sobald die Corona-Beschränkungen in der Kreisverwaltung wieder aufgehoben sind – Montag, Dienstag, Donnerstag, Freitag von 8 bis 12 Uhr, Mittwoch von 14 bis 18 Uhr im dritten Stockwerk, Büro 310 und 311, des Groß-Gerauer Landratsamts.