Fit & Gesund – Ein flaues Gefühl im Magen. Schwitzende Hände und zitternde Knie. So geht es vielen Deutschen kurz vor einem Arztbesuch. Seit der Coronakrise hat sich die Angst vor dem Arzt noch verschärft. Vermeintliche Infektionsrisiken im Wartezimmer sind dafür verantwortlich. Auch unabhängig von der Pandemie ist Arztangst keine Seltenheit. Eines der am weitesten verbreiteten Phänomene ist Bammel vor dem Zahnarzt. Woher kommt die Furcht und was können Patienten dagegen unternehmen?


Ende 2018 arbeiteten in Deutschland mehr als 70.000 Zahnärzte. Experten auf dem Gebiet der Zahnmedizin zu finden, ist dementsprechend unproblematisch. Trotzdem gehen viele Deutsche nur unregelmäßig zum Zahnarzt. Einige vereinbaren sogar bei Beschwerden keinen Termin. Echte Angst vor dem Zahnmediziner entwickelt sich in der Regel langsam und bleibt lange unerkannt. Zum Teil mit schwerwiegenden Folgen. Zahnprobleme können sich nämlich auf den gesamten Körper auswirken und beispielsweise Folgeerkrankungen wie Migräne nach sich ziehen. Wer an Zahnarztangst leidet, sollte schon allein wegen der drohenden Folgeschäden schnellstens etwas dagegen unternehmen.

Woher kommt Zahnarztangst?

Wirklich gerne nimmt kaum jemand Arztbesuche wahr. Mediziner können noch so gut sein: Man fühlt sich ihnen leicht ausgeliefert. Auf den Zahnarzt trifft das besonders zu. Schließlich liegt man statisch auf dem Behandlungsstuhl und sieht kaum, was während der Behandlung geschieht. Dieses Gefühl des Kontrollverlustes erleben viele Menschen als unangenehm. Davon sind tatsächliche Angststörungen zu unterscheiden, bei der die Furcht körperliche Symptome hervorruft. Davon betroffene Patienten können ihre Arztangst nicht in Eigenregie überwinden. Sie ziehen am besten einen Psychotherapeuten hinzu. Der Experte hilft ihnen durch Ansätze wie kognitive Verhaltenstherapie bei der Bewältigung. Insgesamt gibt es viele Faktoren, die für Arztängste wie die weit verbreitete Zahnarztangst eine Rolle spielen. Neben dem beschriebenen Gefühl des Kontrollverlustes zum Beispiel

  • traumatische Arzt-Erfahrungen (oft assoziiert mit Schmerz)
  • Fehlverhalten aufseiten der Ärzte
  • negative Berichte aus dem Umfeld (vor allem bei Kindern)
  • Scham (insbesondere bei lange aufgeschobenen Behandlungen)

Woran die Angst vor dem Zahnarzt auch liegt: Je früher man etwas dagegen tut, desto leichter wird man sie los. Hierbei ist die Suche nach einer vertrauenswürdigen und kompetenten Zahnarztpraxis der erste Schritt.

Das wichtigste gegen Zahnarztangst: Wie findet man gute Zahnarztpraxen?

Gute Zahnmediziner haben viele Kompetenzbereiche. Ob es nun um nächtliches Zähneknirschen oder Zahnimplantate geht. Bei den Qualifikationen achten Patienten idealerweise auf den Ursprung des Titels. Fortbildungen in Implantologie zum Beispiel unterscheiden sich je nach Weiterbildungsstelle qualitativ. Für Angstpatienten sind nicht nur die Kompetenzen der Praxis wichtig. Sie brauchen Zahnärzte, die auf ihre Bedürfnisse eingehen. Mittlerweile gibt es viele Zahnarztpraxen, die sich auf die Behandlung von Angstpatienten spezialisiert haben. Überprüfbare Qualifikationen in dieser Hinsicht gibt es bislang leider trotzdem nicht. Deshalb müssen sich Patienten auf den persönlichen Eindruck verlassen. Idealerweise

  • wird einem bereits am Telefon vermittelt, dass Ängste in der Praxis ernst genommen werden.
  • bekommen Angstpatienten möglichst kurzfristige Termine.
  • beschränkt sich die Wartezeit in der Praxis auf ein Minimum.
  • setzt der Arzt zunächst ein Kennenlernen ohne Behandlung an.
  • arbeitet das Praxisteam mit Entspannungstechniken.
  • erbringt der Arzt einen Nachweis über fundierte Erfahrung mit sedierenden Mitteln und Behandlungen unter Vollnarkose.
  • wendet das Team viel Zeit für die Fragen des Patienten auf.

Schon die Terminvereinbarung selbst kann ein großer Schritt für Betroffene sein. Wer sich nicht ans Telefon traut, kann heutzutage online Termine bei Zahnärzten in der Umgebung vereinbaren. Hierbei kommuniziert man am besten, dass man sich vor dem Arzttermin fürchtet. So kann der Zahnmediziner vorab eine angstfreie Atmosphäre schaffen. Oft hilft es Angstpatienten übrigens, eine Begleitperson mitzunehmen. Auch die Terminvereinbarung selbst lassen einige lieber von einer Vertrauensperson erledigen.

Vor und beim Zahnarzttermin: Was reduziert die Ängste?

Je besser man sich in der Praxis aufgehoben fühlt, desto geringer die Angst vor und beim Termin. Nichtsdestotrotz bereiten sich Angstpatienten am besten mental auf bevorstehende Zahnarztbesuche vor. Das kann beispielsweise mit Entspannungstechniken und beruhigenden Teesorten gelingen. Auch Sport trägt zur Entspannung vor Arztterminen bei. Während der Behandlung können sich Angstpatienten wiederum ablenken, indem sie

  • mit Musik die Geräusche der Zahnarztinstrumente übertönen.
  • auf dem Behandlungsstuhl meditieren oder zu Phantasiereisen aufbrechen.
  • progressive Muskelentspannung betreiben.
  • per Autogenem Training Tiefenentspannung fördern.
  • mit Videobrillen entspannende Bilder ansehen.
  • mit dem Zahnarzt regelmäßige Pausen zur Erläuterung der nächsten Schritte vereinbaren.
  • lokale Betäubungsmöglichkeiten nutzen.

Je öfter Patienten mit Zahnarztangst gute Erfahrungen in der Praxis machen, desto mehr Furcht verlieren sie. Wer zu lange wartet, macht höchstwahrscheinlich unangenehmere Erfahrungen als eigentlich nötig. Der Zustand des Gebisses verschlechtert sich nämlich, je mehr Zeit nach ersten Beschwerden vergeht.