Den Rheinkilometer 505 haben sich die acht Künstlerinnen und Künstler als Namen gegeben: „Der Fluss verbindet uns“, sagt Annette Scharner, die die Idee zu diesem Zusammenschluss hatte.

Nachdem sie einer Stadtteilzeitung ein Interview gegeben hatte, in dem sie dem Wunsch nach Vernetzung Ausdruck gab, meldeten sich bald andere bei ihr, die ihre Ateliers ebenfalls an der Rheinfront haben: Kastel, Schierstein, Biebrich. Es fanden sich acht Kunstschaffende zusammen- paritätisch besetzt mit vier Frauen und vier Männern.

„Wir haben teilweise an der gleichen Kunstakademie studiert, uns aber aus den Augen verloren. Mittlerweile sind wir alle an den Rhein zurückgekehrt“, freut sich Annette Scharner, lange als Museumspädagogin am Landesmuseum Wiesbaden tätig. Ihre Mitstreiter sind ebenfalls Kunstprofis, und alle haben eine ganz eigene Handschrift entwickelt.

Von den Unterschieden lebt die Kreativität: Man lässt sich voneinander inspirieren und will die Synergien einer Gruppe nutzen, um künftig auch öffentlich sichtbarer zu werden. Man könne sich zum Beispiel eine Offene-Atelier-Veranstaltung nach dem Muster der „Tatorte Kunst“ in der Wiesbadener Innenstadt vorstellen, so Annette Scharner.

Eine erste gemeinsame Ausstellung gab es im Sommer beim Rheingauer Festival “Schön hier”: In der Sektkellerei Bardong präsentierten die Künstler ihre Werke und stellten dabei auch fest, “dass sich die Gemeinschaft bewährt hat”, so Annette Scharner. Im Oktober organisierten die acht Künstlerinnen und Künstler nun erstmals in Wiesbaden eine kleine Gruppenausstellung im Atelier von Wolfgang Blanke in Schierstein. Zahlreiche Nachbarn, Freunde und auch Ortsvorsteher Urban Egert und der Leiter des Kulturamts, Jörg Uwe Funk, waren zum Debüt erschienen.

Anke Rohde zeigte “urbane Stilleben”: Fotorealistisch gemalte Bilder von Trinkhallen. Wolfgang Blanke malt mit Rohstoffen. Seine Motive sind zum Beispiel Tischrunden aller Art – da laufen aber auch mal die Ratten übers Geschirr. Peter Wolf zitierte zu seiner Kunst Walter Gropius: “Bunt ist meine Lieblingsfarbe”. Elfi Clement konstruiert filigrane Drahtfiguren, die sich im Licht bewegen – “Schattenarbeit” nennt sie ihre Skulpturen.

Nicolaus Werner faltet und rollt zeichnerisch bearbeitete Papiere zu geometrischen Körpern, an denen ihn “die Leichtigkeit” fasziniert. Peter Bernhard nennt seine Kunst “schamanisch”, man sieht fast traumartig komponierte Motive. Berthe Knieriem zeigte ein Triptychon in bretonisch inspirierten Farben und sagte zu ihrer Technik “es malt aus mir”.

Annette Scharner schließlich arbeitet mit einem ungewöhnlichen Material: Industrielles Schleifpapier, das sie knickt, vergoldet, mit Wachs bearbeitet und daraus neue Formwelten entstehen lässt. Die Findungsphase der Gruppe sei nun erfolgreich abgeschlossen, “wir freuen uns, wenn wir Resonanz finden und vielleicht auch neue Ausstellungsorte”, so Annette Scharner.