So heiß und trocken wie in diesem Jahr war es selten – Dennoch sehen Landwirte keinen Grund zu klagen. Während Landwirte in weiten Teilen Deutschlands über die große Dürre des diesjährigen Sommers klagen, ist die Lage auf Frankfurts Äckern deutlich entspannter. Kreislandwirt Matthias Mehl baut auf rund 50 Hektar Zuckerrüben und weiteren 100 Hektar Getreide an. „Wir spüren die Klimaveränderung und merken, dass es keine ausgeprägten Winter mehr gibt und es im Sommer oft sehr trocken ist“, sagt Mehl, der seit seiner Kindheit im seit 1850 existierenden Nieder-Erlenbacher Familienbetrieb arbeitet und sich auf die Produktion von Saatgut spezialisiert hat.

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Wegen der großen Hitze rechnet Mehl damit, etwa 15 Prozent weniger Rüben zu ernten als üblich. Auch das Getreide sei in diesem Jahr so früh reif gewesen wie nie zuvor. „Es gibt immer Ausschläge nach oben und unten“, sagt Mehl. Der Kreislandwirt betont allerdings, dass Frankfurts Äcker geologisch extrem günstig lägen. „Die hiesigen Lehmböden speichern bis zu 200 Liter Wasser pro Quadratmeter“, erläutert der Experte. Demnach reiche ein regnerischer Winter und Frühling aus, um Getreide und Rüben fast das gesamte Jahr verlustfrei und auf natürliche Weise mit dem nötigen Wasser zu versorgen. Nicht nur in Frankfurt, auch hessenweit sei die Lage weitgehend entspannt. Mehl geht davon aus, dass nur sehr wenige Landwirte aus der Region so große Ernteausfälle zu beklagen haben, dass der Bund finanzielle Soforthilfe leisten müsse.

2017 Ernteausfälle wegen Blütenfrost, 2018 kaum Niederschlag

Am anderen Ende Nieder-Erlenbachs liegt der 16 Hektar große Obsthof am Steinberg, auf dem der Bio-Landwirt Andreas Schneider seit 25 Jahren Äpfel, Birnen und Erdbeeren anbaut. „Wir sind bei Äpfeln und Birnen sechs Wochen vor der Zeit. Schon jetzt sind unsere Äpfel notreif. Aber wir haben nicht die Kapazitäten zum Abfüllen“, sagt Schneider. Denn sowohl der Einsatz der Erntehelfer als auch die Abfüllungen in den Keltereien seien schon vor Monaten terminiert worden. „Wir fangen jetzt schon an zu keltern. Normalerweise würden wir damit erst Ende September, Anfang Oktober, beginnen“, erläutert Schneider. Doch damit nicht genug: Ist das Stöffche erst gekeltert, werde es ins Gärlager gebracht. Dort ist es allerdings derzeit noch zu heiß für eine optimale Gärung. „Uns fehlen zwei Monate im gesamten Prozess. Bereits jetzt liegen 20 Prozent unserer Äpfel auf dem Boden. Wenn wir sie nicht schnell ernten, verderben sie“, sagt Schneider.

Doch trotz aller logistischen Herausforderungen bringt der Hitze-Sommer 2018 für den Bio-Landwirt auch Vorteile mit sich. Zum Vergleich: Der Blütenfrost im Vorjahr führte dazu, dass Schneiders Apfelbäume kaum Früchte trugen und er lediglich 15.000 Liter Apfelwein keltern konnte. In diesem Jahr rechnet er mit 70.000 bis 80.000 Litern. Und: Bereits jetzt haben seine Äpfel über 60 Grad Oechsle – so bezeichnet man das Mostgewicht des unvergorenen Fruchtsaftes. Normalerweise liegt der Oechsle-Grad zu dieser Jahreszeit bei unter 50 Prozent und erreicht erst Ende Oktober die Marke von über 60 Grad. Daraus folgt ein rekordverdächtiger Alkoholgehalt von sieben bis acht Volumenprozent. „In diesem Jahr gibt es Turbo-Stöffche“, sagt Andreas Schneider. Allerdings kann der Obsthof am Steinberg in diesem Jahr kaum Äpfel auf den Frankfurter Märkten verkaufen. Denn wegen des heißen Sommers sind die Äpfel sehr klein geblieben, so dass sie sich nicht zum Verkauf als Tafelobst eignen.

Der Boden ist hart wie Zement – Landwirte hoffen auf Regen

So unterschiedlich die Herangehensweisen von Matthias Mehl, der auf konventionelle Landwirtschaft setzt, und Bio-Bauer Schneider sind, ein Problem haben sie dennoch gemein: Der warme und weitgehend niederschlagsfreie Sommer hat die Äcker in der Region mit einer zementharten Kruste versiegelt. „Ich kann derzeit meine Felder nicht pflügen, weil der Boden zu hart ist“, sagt Schneider. Der harte Boden ist auch für die Rübenernte von Matthias Mehl alles andere als optimal. „Wegen des harten Boden würden die Rüben bei der Ernte brechen. Wir müssen warten bis der Regen den Boden auflockert. Aber irgendwann müssen wir fertig werden“, umreißt Mehl seine derzeit größte Sorge. Denn bei der Rübenkampagne erzielt derjenige die höchsten Preise, der zuerst liefert. Mit Blick auf die nahende Ernte seien Niederschläge zwingend notwendig. Mindestens 50 Liter pro Quadratmeter. „Normalerweise läuft die Verarbeitung bis Mitte Januar und die Ernte bis Mitte November“, sagt Mehl, der auch Verbandsvorsitzender der Wetterauer Zuckerrübenbauern ist.

Trotz aller Debatten um die Folgen des globalen Klimawandels schließen sowohl Matthias Mehl als auch Andreas Schneider große Umwälzungen in ihrer täglichen Arbeit aus. Während der konventionelle Landwirt sich allenfalls vorstellen kann, bei Bedarf andere Getreide- und Rübensorten auszusäen, warnt Andreas Schneider bereits seit 25 Jahren vor den Folgen der globalen Erwärmung. „Wir sind in diesem Jahr noch mal mit einem blauen Auge davongekommen. Aber endlich dringt das Thema zu den Leuten durch“, sagt Schneider.

Pressemitteilung der Stadt Frankfurt am Main

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