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Nachrichten Rhein-Main | Die Initiative Zukunft Rhein-Main (ZRM) sieht in der Corona-bedingten Zwangspause des Flugverkehrs die Chance, grundlegend über Strukturänderungen in der Luftverkehrswirtschaft nachzudenken. Der Initiative Zukunft Rhein-Main gehören zahlreiche Kreise, Städte, Gemeinden und Verbände im Rhein-Main Gebiet an.


Fluglärm- und Gesundheitsschutz muss weiterhin Priorität haben

„Die Anstrengungen für mehr Fluglärmschutz und für höheren Gesundheitsschutz der Menschen im Umfeld des Frankfurter Flughafens müssen weiterhin hohe Priorität haben“, erklärte ZRM-Sprecher und Groß-Gerauer Landrat Thomas Will. Die aktuelle schwere Situation dürfe nicht dafür missbraucht werden, ein anderes wichtiges Thema auf die lange Bank zu schieben, betont Thomas Will. „Dass aktuell jedem von uns und der Wirtschaft insgesamt viel abverlangt wird, steht außer Frage. Viele Beschäftigte befinden sich in Kurzarbeit, andere haben sogar ihren Arbeitsplatz verloren. Kleine und mittlere Betriebe kämpfen mit Liquiditätsproblemen. Viele benötigen Unterstützung durch öffentliche Gelder.“

Kaum noch Fluglärm wegen Corona

„Die Forderung nach einer strukturellen Änderung hin zu mehr klimagerechter Mobilität ist nicht neu“, erklärte Katrin Eder, Umweltdezernentin der Stadt Mainz und ebenfalls Sprecherin der ZRM. Wie sinnvoll diese Änderung sei, zeige sich gerade jetzt während der Corona-Krise, denn diese bedinge einen enorm reduzierten Flugbetrieb. Das habe zur Folge, dass in der Rhein-Main-Region kaum noch Fluglärm vernehmbar sei, wodurch sich die Lebensqualität der Menschen trotz Corona auch verbessert habe. Aktuelle Zahlen vom Hessischen Landesamt für Naturschutz, Umwelt und Geologie belegten deutlich, dass sich der stark zurückgefahrene Flugverkehr auch beim Ultrafeinstaub bemerkbar mache, denn dort werde ein Rückgang um 40 Prozent registriert.

Kürzer Verkehrswege durch Produktionsstätten im näheren Umfeld

Wie Krisenanfällig eine globalisierte Welt ist, zeigt die derzeitige Situation mehr als deutlich, denn globale Lieferketten seien sehr leicht durchtrennbar und verursachten gleichzeitig auch noch ein enorm hohes Verkehrsaufkommen, das mit anderen Strukturen teilweise vermeidbar wäre. Wenn die Produktionsstätten im näheren Umfeld liegen, führt das beispielsweise zwangsläufig zu verkürzten Verkehrswegen.

„Reisetickets zu Schleuderpreisen, die unnötigen Verkehr erst hervorrufen, darf es daher ab jetzt nicht mehr geben“, betont der ZRM-Sprecher und Bürgermeister der Stadt Neu-Isenburg Herbert Hunkel.



Die Fehler der Finanzkrise dürfen nicht wiederholt werden

„Daher sollte diese in der Tat ungeplante Ruhepause auch dazu genutzt werden, noch kritischer darüber nachzudenken, wie nachhaltige und sinnvolle Mobilität künftig aussehen kann“, sagte Katrin Eder. Wenn darüber diskutiert werde, dass der Bund wieder bei den Fluggesellschaften einsteigt, um eine mögliche Insolvenz der Unternehmen zu verhindern, sei dies in der derzeitigen Situation zwar möglicherweise angebracht, doch „solch ein Schritt darf aber nicht erfolgen, ohne dass gravierende strukturelle Veränderungen am Gesamtsystem vorgenommen werden“, so Thomas Will. Man dürfe die Fehler der Finanzkrise nicht wiederholen.

Öffentliche Unterstützung muss direkt an Kriterien einer klimagerechten Mobilität gekoppelt sein

Die ZRM nennt als Beispiel die Befreiung von der Kerosinsteuer. „Im Sinne einer aktiven Steuerung durch die Politik ist diese zu überdenken und über diesen Vorteil für die Luftverkehrsindustrie – und dessen mögliche Abschaffung – weiter zu sprechen.“, so die Sprecher. Denn bereits im letzten Sommer fand eine internationale Tagung zum Thema Kerosinsteuer in den Niederlanden statt. Belgien hatte seinen europäischen Partnern die Besteuerung des Luftverkehrs vorgeschlagen und erhielt dabei Unterstützung für seinen Vorschlag von den Niederlanden, Frankreich, Schweden und Luxemburg.

Die Frage nach der Besteuerung des Luftverkehrs wird auf EU-Ebene nach wie vor stark diskutiert. „Und grundsätzlich müsste eine öffentliche Unterstützung direkt an Kriterien einer klimagerechten Mobilität gekoppelt sein“, heißt es abschließend der Mitteilung der ZRM.