Ein Bild aus besseren Tagen. Doch Fitness endet nicht mit Corona. Foto: Chiara Forg

Der Rückschlag kommt an einem Samstag. Bisher hat der Fuß gejuckt. Doch als Gicht-Veteran wusste ich, was das bedeutet: Ein Anfall droht. Und tatsächlich. Der hier wird am Ende zu den drei schlimmsten gehören, die ich bisher durchstehen musste. Doch das ist erst der Anfang der Komplikationen.

Ich habe auf Turnieren gerungen, ab und an sogar gewonnen. Fußball habe ich gespielt und Handball, Basketball, Hockey und Rugby. Was es heißt, wenn mir einer die Beine wegtritt, weiß ich. Doch es ist ein angenehmes Gefühl im Vergleich zu einem Gichtanfall.

Wenn ich die Schuhe anziehe, schreie ich vor Schmerzen auf. Mein Hund zieht sich dann erst einmal zurück, weil er denkt, er habe etwas angestellt. Bei meinem schwersten Gichtanfall ging aber nicht mal mehr das. In Pantoffeln musste ich mit Don raus – im Januar, als Schnee lag. Doch eine Hundeblase kennt keine Gicht.

Training geht jetzt erst einmal gar nicht. Fast gar nicht. Denn ein bisschen was geht – frei nach Monaco Franze – immer. So liege ich denn abends vorm Fernseher und stemme mich seitlich hoch. Mein Personaltrainer Torben würde mir das vermutlich nicht durchgehen lassen. Er predigt: Den Körper nicht einseitig zu belasten.

Andere Regeln gelten

Doch das ist jetzt ausgesetzt. Auf der linken Seite kann ich mich hoch stemmen und wenigstens diese Übung machen. Rechts sagt mir die Gicht: Lass den Scheiß! Und wenn ich es doch versuche, wird sie rabiat. Dann stelle ich es von ganz alleine ein. Denn ein Gichtanfall ist alles andere als lustig.

Fit zu bleiben, ist jetzt schwer bis unmöglich. Für die Runde um den Block brauche ich abends zehn Minuten. Jetzt sind es 40 Minuten. Dabei ständig Dons fragender Blick, ob das Tempo denn mein Ernst sei. Leider ja. Das ist mein Ernst.

Mit der Zeit entwickelst du für alles Routinen. Der erste Gichtanfall hat mich überwältigt, auch weil ich ihn anfangs für einen gestauchten Zeh gehalten habe. Er eskalierte und ich war nicht vorbereitet. Schon als das Jucken anfängt, erhöhe ich jetzt meinen Wasserkonsum auf über fünf Liter täglich. Zudem versuche ich rechtzeitig an Tabletten gegen Schmerzen und für die bessere Auflösung von Harn zu kommen. Letzteres scheitert leider. Das verlängert den dritten Anfall.

Fünf Tage dauert der eigentliche Gichtanfall. Vier weitere Tage fehlt mir das Vertrauen in den eigenen Körper. Denn zu hohe Belastungen können dafür sorgen, dass ein scheinbar überstandener Anfall zurückkehrt. Deswegen setze ich mit dem Training insgesamt neun Tage aus.



Rückkehr ins Gym7

Dann kommt endlich die Rückkehr ins Gym7. Statt wie sonst mit einem mulmigen Gefühl sitze ich mit Vorfreude im Herzen in der Umkleidekabine. Die Geräte erwarten mich. Und ich bin nicht soweit zurückgeworfen, wie ich es befürchtet hatte. Zwar konnte ich wenig zuhause machen. Aber geholfen hat es trotzdem.

Vielleicht nur im Kopf. Weil ich nicht wieder unfit werden wollte, sondern trotz der Einschränkung dran bleiben wollte. „Es hat zwar nur in Deinem Kopf stattgefunden. Aber bedeutet das denn, dass es nicht real war“, fragt Albus Dumbledore Harry Potter im siebten Band. Da ist was dran.

Dann schlägt die Außenwelt in mein Privatinteresse. Dem individuellen Wunsch fit bleiben – oder werden – zu wollen, schlägt ein ganz anderes Allgemein-Interesse entgegen: Fitnessstudios müssen wie viele andere Einrichtungen geschlossen bleiben, um so die Ausbreitung des Corona-Virus zu verhindern.

Das ist natürlich erst einmal saudoof. Aber halt auch notwendig. Doch die Gicht-Tage haben mich gelehrt: Dran bleiben geht. Und daran arbeiten wir jetzt. Bald mit Ergebnissen.