Flaute in der Gaststätte: Corona hat zu einem Einbruch in der Beherbergungs- und Gastrobranche geführt. Unternehmen sollten die Kurzarbeit jetzt nutzen, um ihre Beschäftigten weiterzubilden, so die Gewerkschaft NGG. Foto: NGG

Nachrichten Mainz-Bingen | Die Corona-Pandemie sorgte in Mainz-Bingen für einen Tourismus-Einbruch. Im ersten Halbjahr haben rund 54.000 Gäste den Landkreis Mainz-Bingen besucht – das sind 54 Prozent weniger als im Vergleichszeitraum des Vorjahres. Die Zahl der Übernachtungen in Beherbergungsbetrieben (ausgenommen Campingplätze) sank um 39 Prozent auf etwa 133.000. Das teilt die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) mit.

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„Eine beispiellosen Krise im heimischen Gastgewerbe“

Die NGG beruft sich dabei auf Zahlen des Statistischen Landesamtes. „Die Pandemie hat zu einer beispiellosen Krise im heimischen Gastgewerbe geführt. Erst mussten Hotels, Pensionen, Kneipen und Restaurants über viele Wochen ganz schließen. Und nach dem Lockdown läuft der Betrieb unter Auflagen nur langsam wieder an“, sagt Guido Noll, Geschäftsführer der NGG-Region Darmstadt und Mainz.

Unter der Situation litten aber nicht nur die Unternehmen. „Die Folgen sind auch für Köche, Kellner und Hotelangestellte dramatisch. Als Kurzarbeiter mussten sie deutliche Lohneinbußen in Kauf nehmen – in einer Branche, die ohnehin nur geringe Löhne zahlt“, betont Noll. Nach dieser „Durststrecke“ schauen zahlreiche Angestellte nun mit Besorgnis auf die Herbst- und Wintersaison. Das Hotel- und Gaststättengewerbe im Landkreis Mainz-Bingen beschäftigt nach Angaben der Arbeitsagentur rund 3.300 Menschen.

„Jeder Kurzarbeiter ist ein möglicher Arbeitsloser weniger“

Laut Noll konnte die Kurzarbeit aber bisher einen starken Anstieg der Arbeitslosigkeit verhindern. Die Pleitewelle im Gastgewerbe sei dank staatlicher Hilfen ausgeblieben. „Die Gewerkschaften haben sich in Berlin seit Beginn der Pandemie für das Kurzarbeitergeld starkgemacht und auch durchgesetzt, dass es bis Ende nächsten Jahres verlängert wird. So kommen Beschäftigte und Betriebe besser durch diese schwere Zeit“, sagt Noll. Entscheidend sei zudem, dass die Leistung nach sieben Monaten auf 80 Prozent des Nettoverdienstes (für Eltern 87 Prozent) ansteige. „Am Ende steht fest: Jeder Kurzarbeiter ist ein möglicher Arbeitsloser weniger.“



Die Gewerkschaft NGG appelliert an Unternehmen

Die Gewerkschaft NGG appelliert nun an die Unternehmen. Sie sollten die Zeit der Kurzarbeit für die Weiterbildung ihrer Angestellten nutzen. „Wer wegen Corona nicht arbeiten kann, sollte die Möglichkeit einer beruflichen Weiterbildung bekommen. Das ist ein Beitrag gegen den Fachkräftemangel, der in Hotels und Restaurants unabhängig von der Pandemie eklatant ist. Und Beschäftigte können einen Schritt auf der Karriereleiter machen – etwa von der Küchenhilfe zur Köchin, vom Restaurantfachmann zum Hotelfachmann“, unterstreicht Noll. Außerdem müsse man auch die Beschäftigten im Gastgewerbe auf die Digitalisierung vorbereiten und schulen. Hier berge die Krise eine große Chance.

Zur bundesweiten Situation

Nach Angaben des Münchner Ifo-Instituts waren im August bundesweit 377.000 Beschäftigte des Hotel- und Gaststättengewerbes in Kurzarbeit. Das entspricht rund 34 Prozent der Arbeitnehmer. Die zahlreichen Minijobber der Branche wurden dabei nicht mitgerechnet, da sie keinen Anspruch auf das Lohnausfallgeld haben.

In der gesamten Wirtschaft lag der Anteil der Kurzarbeitenden zuletzt bei 14 Prozent. Laut der Arbeitsagentur wurden während des Lockdowns zwischen Anfang März und Ende April  für neun von zehn sozialversicherungspflichtige Beschäftige im Gastgewerbe Kurzarbeit beantragt.

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