Bild: Screenshot MOMA

Nachrichten Mainz | Ein Artikel vom rechts orientierten Portal Journalistenwatch macht zur Zeit in Mainz die Runde und sorgt für viel Aufsehen in den sozialen Medien wie Facebook. Darin wird ein Beitrag des ARD Morgenmagazins über die Mainzer Leibniz-Grundschule stark kritisiert wegen des T-Shirt Aufdrucks der Direktorin der Schule. Auch die Rektorin selbst wird in dem Artikel stark kritisiert.

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„Hidaya“ laut Jornalistenwatch übersetzt: Führung durch den Koran

An diesem Mittwochmorgen ging es bei dem Morgenmagazin darum, wie sich die Leibniz-Grundschule in Mainz auf den Schulstart vorbereitet. Dabei kam die Rektorin der Mainzer Grundschule, Frau Annette Jutzi zu Wort und erklärte, wie der Schulstart in Zeiten von Corona funktioniert und welche Schwierigkeiten dabei bestehen. Bei dem Interview trägt Frau Jutzi ein weißes Shirt mit der Aufschrift „Hidaya“. Darunter das gleiche in arabischer Schrift.

Dieses T-Shirt nahm das Portal Journalistenwatch zum Anlass, Frau Jutzi zu unterstellen, sie würde für den Koran werben. Denn das Portal schreibt in seinem Bericht: „Für all jene, die nicht wissen, für was die Dame, der Grundschüler zur Obhut anvertraut werden, wirbt: Hidaya ist ein arabisches Wort, das „Führung durch den Koran“ bedeutet.“

Der Artikel verbreitete sich schnell

Schnell hat sich der Artikel in den sozialen Medien verbreitet und sorgte natürlich für viel Aufsehen. Kommentare ließen nicht lange auf sich warten. Diese gingen natürlich in die unterschiedlichsten Richtungen. Viele verurteilten Frau Jutzi ebenso wie das Medium journalistenwatch und forderten eine umgehende Entlassung aus dem Schuldienst. Solche und zahlreiche weitere Kommentare finden sich unter den Beiträgen, in denen der Artikel von Journalistenwatch geteilt wurde:

  • „Jetzt reicht’s aber die möchte in der Schule Islamisierung ergo die kann von mir meine Christliche Faust spüren .Wenn se so verpicht darauf ist soll’se sich ab nach Syrien und ein Haback nehmen, die alte Rohrzange.“, schrieb S. S. unter einem Post bei Facebook.
  • „Ausbürgern und ab nach Syrien. Ohne Gnade“, schrieb H. G unter dem gleichen Beitrag.
  • „Ich frag mich wo lebe ich eigentlich das so ein Subjekt Werbung für eine abartige Ideologie machen kann. Und das auch noch über die öffentlich rechtlichen Sender“, schrieb W. G.

Unter dem Beitrag auf der Homepage von ARD finden sich ähnliche Kommentar wie zum Beispiel:

„Wie kann diese Lehrerin mit einem Ausspruch einer hoch aggressiven Religion in einer Schule und im TV werben? Darf die Frau weiterhin ihren Beruf ausüben? Mein Kind würde ich sofort von der Schule nehmen. Man stelle sich vor, die Frau würde mit einem „Rechten“ Spruch auf ihrem Oberteil werben. Was würde wohl, zu Recht, passieren? Die Frau hätte umgehend ihren Arbeitsplatz verloren. Ich verstehe allerdings auch die Medien nicht. Auch SIE haben die Pflicht zur neutralen Berichterstattung und genau das unterlassen Sie. Im Gegenteil, Sie fördern das sogar noch. Warum muss ich für so eine parteiische Berichterstattung GEZ bezahlen??“



Journalistenwatch ist keine seriöse Quelle

Was sich nicht abstreiten lässt ist, dass Frau Jutzi dieses Shirt tatsächlich getragen hat. Doch was Journalisten daraus machen ist eine andere Sache. Das Portal Jornalistenwatch ist bekannt für die rechte Orientierung und wer sich einmal durch einige Artikel klickt, dem fällt das auch sehr schnell auf. Die Kategorien sind gegliedert unter: AfD, Ausland, Brisant, Genderwahn, Deutschland, Islam, Kriminalität, Linksextremismus, Medienkritik, Meinung, Migration, Politik und Satire. Allein das sollte bereits Aufschluss über die Seriösität der Seite geben, ein Blick in die Artikel tut dann das Übrige.

Bedeutungen des Wortes Hidaya

Das Wort Hidaya kann in vielen unterschiedlichen Zusammenhängen gesehen werden. Hidaya ist beispielsweise unter anderem einfach ein weiblicher Vorname, der in vielen Ländern beispielsweise auf Suaheli oder Arabisch bedeutet: das Geschenk, die Begehrte, die Ersehnte, die Schöne. Auch für die Hunderasse Rhodesian Ridgeback ist Hidaya ein beliebter Name. Hidaya Fashion Istanbul ist zudem eine arabische Modemarke.

Die Erklärung, die auf Wikipedia zu finden ist besagt: Hidaya ist ein arabisches Wort, das „Führung“ bedeutet. Nach islamischem Glauben hat Allah den Menschen Führung gegeben, hauptsächlich in Form des Korans. Nicht nur durch den Koran, sondern auch durch Hidayah oder Führung wird durch Muhammad bereitgestellt, und wie er sein Leben gelebt hat, das als Sunnah des Propheten bekannt ist. Durch seine Lehren und die Richtlinien im Koran hoffen die Muslime auf einen besseren Lebensstil.

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Hidaya ist zudem eine Organisation, die seit 1999 Arme und Bedürftige auf der ganzen Welt durch zahlreiche Projekte unterstützt. Auf der Webseite findet sich übersetzt folgende Erklärung: „Laut Imam Raghib Al-Isphani, dem berühmten Lexikographen des Heiligen Qurans, bedeutet Hidaya „den Weg weisen oder auf sanfte und freundliche Weise zum Ziel führen“. Es bedeutet sowohl Erklärung als auch Richtung; und es bedeutet auch, einer Person zu helfen und sie zu unterstützen, ihr Ziel zu erreichen.“ Diese Erklärung könnte man sogar ohne viel Fantasie auf die Aufgaben einer Grundschule beziehen.

In einem Kommentar bei Facebook erklärt Y. E. außerdem: „Erstens gibt es zahlreiche Vornamen die so lauten. Zweitens wird von Muslimen jemanden, den sie als einen guten Menschen empfinden oftmals „Hidaya“ gewünscht, was soviel bedeutet wie – Möge Gott dir den richtigen Glauben schenken. Es hat nichts mit Unterwerfung zu tun. Es ist eher eine Geste des Respekts.



Kritisch hinterfragen statt vorschnell urteilen

Als Schulrektorin hat man eine Vorbildfunktion, der man sich bewusst sein sollte und natürlich sollte man daher die Aufschrift auf Frau Jutzis T-Shirt kritisch hinterfragen. Doch mindestens genauso kritisch sollte man die Medien hinterfragen, deren Berichte und Artikel man teilt und kommentiert. Denn dadurch verbreitet man solche Artikel weiter und verschafft ihnen eine entsprechende Reichweite.

Die Wahl des T-Shirts war sicherlich unglücklich aufgrund der unterschiedlichen Auslegungsmöglichkeiten. Doch da die Aufschrift auf Frau Jutzis Shirt viele Bedeutungen haben kann, sollte man hier nicht vorschnell urteilen, sondern zunächst nachfragen, ob und was damit vermittelt werden sollte. Aufgrund des Feiertages an diesem Freitag war es unserer Redaktion bislang noch nicht möglich Frau Jutzi zu kontaktieren und nachzufragen.

In einem weiteren Medium, das sich angeblich für politische Korrektheit einsetzt, ist eine unbestätigte E-Mail von Frau Jutzi aufgetaucht. Das Portal gibt die E-Mail wie folgt wieder:

„Guten Tag, vielen Dank für Ihre Vorwarnung. Es erreichen uns hier schon entsprechende Nachrichten. Für Sie gerne zur Eklärung: HIDAYA ist ein Mädchenname mit der Bedeutung das Geschenk, die Ersehnte, die Schöne. Unter diesem Aspekt war das T-Shirt ein Geschenk und ich habe es rein zufällig getragen, es stand keinerlei Absicht dahinter und ich kannte die andere Bedeutung dummerweise nicht. Ganz sicher werde ich das Shirt jetzt nicht mehr tragen. Mit freundlichen Grüßen“ Die Echtheit dieser E-Mail kann jedoch nicht geprüft werden.

Eine Anfrage an das Bildungsministerium wurde von unserer Redaktion gestellt. Diese ist bislang aufgrund des Feiertages und Wochenende unbeantwortet. Wir berichten nach.

Mehr über die Leibnizschule in Mainz

Die Leibnizschule ist eine Grundschule im Herzen der Mainzer Neustadt.
In dem über 100 Jahre alten Schulgebäude lernen über 170 Kinder in neun Klassen, die aus vielen verschiedenen Nationen kommen und ganz unterschiedliche Voraussetzungen haben.
Da es sich bei der Schule um eine Schwerpunktschule handelt, werden beeinträchtigte und nichtbeeinträchtigte Kinder gemeinsam unterrichtet, sodass alle miteinander und voneinander lernen. „Wir möchten, dass unsere Schule ein Ort ist, an dem sich Kinder und Erwachsene wohl fühlen. Dazu gestalten wir unser Schulleben durch ein freundliches Miteinander und eine familiäre Atmosphäre.“, heißt es auf der Homepage der Schule.

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