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Das erste Gastspiel des Deggendorfer SC am Ratsweg endete Ende November mit einem sensationellen 4:1-Triumph des Neulings aus Niederbayern. Auch diesmal sah es zunächst nach einem Fiasko aus, doch am Ende spiegelte sich nach einem der spannendsten Spiele in der Löwen-Geschichte das spielerische Übergewicht der Löwen Frankfurt in dem 5:4 (0:1, 4:2, 1:1)-Triumph wieder. Durch diesen hart erkämpften Sieg über das DEL2-Schlusslicht gehen die Löwen am Sonntag bei den Eispiraten Crimmitschau in das letzte Hauptrundenspiel der Saison als Spitzenreiter, nunmehr mit einem Vorsprung von zwei Punkten auf Bietigheim und Ravensburg.

Der Tabellen letzte macht noch mal Druck

Die spannende Konstellation im obersten Tabellendrittel erlaubt keinem aus dem führenden Quartett einen Ausrutscher. Was Weißwasser nicht gelang, die Sachsen fielen auf Rang vier zurück. Die Löwen wollten es wissen, gingen entsprechend engagiert ins Spiel. Die Angriffe rollten sofort nur in eine Richtung. Die Aktionen wirkten durchdacht, durch geschickte Kombinationen tauchte immer wieder ein Frankfurter aussichtsreich vorm Tor.  Max Faber, Mike Fischer, der von Mathieu Tousignant glänzend angespielte Adam Mitchell, Maximilian Eisenmenger, Carter Proft und zweimal David Skokan scheiterten jeweils am gut reagierenden Deggendorfer Torwart Cody Brenner.  Es war ansehnlich, es war dynamisch: Aber trotz 16:4 Schüssen im ersten Spielabschnitt nicht vom Erfolg gekrönt. Und es sollte noch schlimmer kommen. Die Bayern, die in der Offensive praktisch nicht existent waren, gingen in die Kabinen mit einer 1:0-Führung. Dani Bindels, neben Christoph Gawlik und Maximilian Gläßl einer der drei Ex-Löwen im Deggendorfer Trikot, fuhr in die Frankfurter Zone, zog aus dem Handgelenk ab und überraschte den bis dahin mehr oder weniger beschäftigungslosen Ilja Andryukhov.

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Die 4745 Zuschauer brauchten sich dennoch keine Sorgen zu machen. Zu gut war die Leistung der Frankfurter, zu harmlos die seltenen Konter der Gäste. Der Ausgleich fiel nur 138 Sekunden nach dem Wiederbeginn, wobei der ansonsten starker Brenner beim Treffer von Kevin Maginot keine gute Figur machte. Dann mussten Deggendorfer Spieler dreimal in Folge in die Kühlbox. Über eine Minute duften die Löwen sogar mit Fünf-gegen-Drei spielen, wussten diesen Vorteil aber nicht zu nutzen. Kaum war der Gegner vollzählig, ging er sogar erneut in Führung. Begünstigt durch einen dicken Patzer von Andryukhov, der sich vom alten Haudegen Christoph Gawlik mit einem Bauerntrick (rund ums Tor) übertölpeln ließ (31.). Die Antwort der Löwen ließ glücklicherweise auf sich nur 55 Sekunden warten. Dan Spang wurde im Slot vorm Tor von Brett Breitkreuz angespielt und ließ Brenner keine Chance.

Innerhalb von 24 Sekunden lagen die Löwen vorn

Doch wie gewonnen, so zerronnen. Die Abwehr verhielt sich richtig dilettantisch und ermöglichte Gäste-Kapitän René Röthke das 2:3 (14.). Das schien der benötigte Weckruf zu sein. Eine Minute später lagen die Frankfurter dank eines Doppelschlags binnen 24 Sekunden erstmals in diesem Match vorne. Erst glich Matt Pistilli mit einer technisch sehenswerten Einzelaktion aus, dann war Mathieu Tousignant erfolgreich. Faber hatte nach einem blendenden Pass des letzten Torschützen im Powerplay die Vorentscheidung auf dem Schläger, traf den Puck aber nicht richtig.

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Trotz der erstmaligen Führung bekamen die Löwen-Spieler in der Pause ihren Fett ab. So dilettantisch darf man sich in der Defensive nicht verhalten, so leichtsinnig nicht mit den Chancen (16:6-Schüsse im zweiten Drittel) umgehen. Doch die Kabinenpredigt half nur wenig. Drei Minuten nach dem Wiederbeginn stand es wieder Unentschieden. Röthke wurde wie schon beim 2:3 zu viel Raum gelassen. Und auch die Chancenauswertung wurde nicht besser. Klarste Chancen wurden vergeben. Und dann ging ein Puck glücklich rein. Tousignant brachte die Scheibe vors Tor, wo von einem  Deggendorfer abgefälscht wurde (48.). Dann mussten David Skokan und Adam Mitchell beide raus: Deggendorf durfte mit

Zwei Mann mehr spielen. Maximilian Eisenmenger schoss die Scheibe unglücklich über die Bande, wofür die unsinnigste Regel im Eishockey griff: Zwei Minuten wegen Spielverzögerung. Dann musste dem Trio auf der Strafbank nach einem Foul auch noch Max Faber Gesellschaft leisten. Da auf dem Eis mindestens drei Feldspieler sein müssen, begannen die Strafzeiten erst zu laufen, nachdem die vorherigen aus waren. Die Löwen mussten dadurch über vier Minuten mit drei Mann gegen fünf Gegner auf dem Eis sein. In dieser Zeit kämpften alle buchstäblich wie die Löwen, haben keinen Gegentreffer zugelassen. Andryukhov wuchs in dieser Phase über sich hinaus. Doch das war immer noch nicht das Ende: 55 Sekunden vor Schluss musste Mitchell erneut auf die Strafbank. Deggendorf nahm den Torwart vom Eis, hatte also wieder zwei Feldspieler mehr auf dem Eis. Doch auch diese brenzlige Situation haben die aufopferungsvoll kämpfenden Löwen überstanden. Nun reicht ihnen zum ersten Platz nach der Hauptrunde in Crimmitschau ein Punkt.                    Quelle:Michael Loeffler

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