Saline in Bad Kreuznach
Foto: Stadt Bad Kreuznach

Dr. Michael Vesper: Ab dem kommenden Montag, 25.März, wird die Soleberieselung der neun Gradierwerke und in den Kurparks wieder in Betrieb genommen. Auch der Solezerstäuber im Bad Kreuznacher Kurpark wird wieder salzhaltigen Nebel versprühen. Das teilt die städtische Gesundheit und Tourismus für Bad Kreuznach GmbH mit. Zu einer Verzögerung kann es nur beim großen Gradierwerk im Kurpark Bad Münster am Stein kommen, da hier die Reparatur der elektrischen Steuerung erforderlich ist.

Über die neun Meter hohen Schwarzdornwände der Gradierwerke rieselt Heilwasser aus den Thermalquellen von Bad Kreuznach und Bad Münster am Stein. Durch Verdunstung gelangen auch Salzpartikel in die Umgebungsluft – und daher werden die Gradierwerke seit 200 Jahren als Freiluftinhalatorien genutzt. Wie bei einer Meeresbrise ist der Aufenthalt an den Gradierwerken erfrischend und wohltuend vor allem für die Atemwege. Der Effekt wird je intensiver, je länger die Gradierung andauert, da sich der Salzgehalt bei trockenwarmem Wetter auf bis zu 20 % steigert.

Die 20.000 Quadratmeter Berieselungsfläche machen die Gradierwerke zu natürlichen Klimaanlagen, was sich besonders in der Sommerhitze bemerkbar macht.

Ursprünglich dienten die erstmals 1730 – in beiden Orten fast gleichzeitig – errichteten Salinen ausschließlich der Herstellung des damals sehr kostbaren Salzes.

Die Unterhaltung der größten überhaupt noch erhaltenen Gradierwerkanlage ist für die Stadt eine Mammutaufgabe. Derzeit wird bei einem jener Gradierwerke, die in den 70er Jahren mit Betonwannen ausgestattet wurden, die marode, wegbröckelnde Stahlbetonkonstruktion mit einer neuen Holzwanne auf 200 Metern Länge überbaut – und somit die traditionelle Bauweise wiederhergestellt. Die verbleibenden Betonelemente werden mit einer Holzverschalung versehen. Kostenpunkt: Eine Million Euro. Zwei weitere Gradierwerke sind in den nächsten Jahren auf die gleiche Weise zu sanieren. Auch Holz kann gerade in den ersten Wochen undicht sein, quillt dann aber unter Nässe auf und schließt die Lücken. Vor allem aber: sind hier mal Schäden zu beseitigen, geht das stellenweise – und es muss nicht die gesamte Konstruktion in Angriff genommen werden.

Neben dem Umbau der Soletröge ist der Austausch brüchiger Dornen eine Daueraufgabe für die GuT. Bei 2,6 Kilometern Länge müssen jedes Jahr mehre Hunderttausend Euro in die Sanierung der Dornwände gesteckt werden.

Die Schwarzdornbündel werden von November bis März in Polen geschnitten und gebündelt.

Der Stadtrat hat in diesem Jahr hierfür überplanmäßig 250.000 Euro bewilligt. Die Sanierungsplanung der GuT sieht vor, dass in den nächsten zehn Jahren allein in die Erneuerung der Dornen und der sie tragenden Lattenkonstruktion fünf Millionen Euro zu investieren wären.

Viel zu tun für die fünf Arbeiter im Bereich der Saline und die technische Betriebsleitung durch die Stadtwerke! Sie müssen in diesem Jahr gleichzeitig die Inbetriebnahme vorbereiten und die Salinenanlagen – Wasserräder, Triebwerkgräben, Gradierwerke, Pumpen – für den Saisonbetrieb vorbereiten. Während der Saison, die bis Anfang November andauert, warten die Gradierer die Anlagen dann im 7-Tage-Betrieb. Sie müssen insbesondere müssen ständig die Solerinnen und der Abläufe von der Krone zur Dornenwand reinigen, um Verstopfungen zu beseitigen. Wegen der Frostgefahr und des geringen natürlichen Salzgehaltes der Quellen müssen die Gradierwerke im Winter trockengelegt werden.