Saarbrücken. Die Zahl psychischer Erkrankungen hat massiv zugenommen. Das ist das Ergebnis eines Reports, den die Krankenkasse DAK veröffentlicht hat. Das Saarland ist demnach besonders stark betroffen – in keinem anderen Bundesland fallen pro Kopf so viele Fehltage aufgrund psychischer Erkrankungen an.

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Auf 100 Versicherte sind im Saarland letztes Jahr 312 Fehltage wegen psychischer Erkrankungen gekommen. Damit führt das Land diese Tabelle an. Zu den wenigsten Fehltagen kam es in Bayern mit 193 Tagen auf 100 Versicherte.

Ein möglicher Grund für diesen Unterschied: Die öffentliche Verwaltung und das Gesundheitswesen führen den entsprechenden Branchenvergleich an. Da diese Branchen wiederum überdurchschnittlich stark im Saarland vertreten sind, sind die Einwohner auch besonders stark von psychischen Krankheiten betroffen.

Seit 1997 hat sich die Zahl der Fehltage, die von Depressionen oder Anpassungsstörungen verursacht werden, mehr als verdreifacht, teilt die DAK mit. Depression ist die häufigste Art psychischer Erkrankungen, bei Anpassungsstörungen sind die Steigerungsraten am höchsten. Insgesamt fehlte bundesweit 2018 jeder 18. Arbeitnehmer wegen einer psychischen Erkrankung im Job. Diese Zahl hat die DAK anhand ihrer Versichertendaten hochgerechnet.

Erkrankungen werden noch zu leicht genommen

Die DAK verfolgt das Thema langfristig und erstellt zu diesem Zweck den Psychoreport. Demnach sind Seelenleiden der häufigste Grund, warum sich Arbeitnehmer krankschreiben lassen. Der häufigste Grund sind Erkrankungen des Muskel- und Skelettsystems.

DAK-Vorstandschef Andreas Storm führt die zunehmenden Fallzahlen auch auf einen offeneren Umgang mit psychischen Erkrankungen zurück: Aus wissenschaftlicher Sicht seien diese seit Jahrzehnten in der Bevölkerung nahezu gleich verbreitet. „Vor allem beim Arzt-Patienten-Gespräch sind psychische Probleme heutzutage kein Tabu mehr“, so Storm. „Deshalb wird auch bei Krankschreibungen offener damit umgegangen.“

Allerdings sehe dies in Betrieben oft noch anders aus, würden psychische Erkrankungen zu leicht genommen. Deshalb fordert Storm: „Auch Arbeitgeber müssen psychische Belastungen und Probleme aus der Tabuzone holen und ihren Mitarbeitern Hilfe anbieten.“ 

Vor diesem Hintergrund ist auch der deutliche Unterschied zwischen den Zahlen bei Männern und Frauen zu sehen: Während bundesweit bei Männern auf 100 Versicherte nur 183 Fehltage kommen, sind es bei Frauen 298 Fehltage. Die Tendenz, das „starke Geschlecht“ spielen zu wollen, ist also offenkundig noch nicht ausgestorben.