Symbolfoto: Pixabay Sabine van Erp

Homburg. Trickbetrüger suchen sich oft Senioren als Opfer aus. Ein Grund, warum sie anfällig sind: ihre Einsamkeit. Deswegen unser Tipp zum Sonntag: Ruft doch mal zuhause an! Auch wenn nicht Muttertag ist – oder gerade deswegen.

Aktuell warnt die Polizei vor “Schockanrufen”. Bekannt ist auch der “Enkeltrick”. Es sind unterschiedliche Varianten der gleichen Masche: Ein vermeintlicher Enkel oder ein angeblicher Polizist oder eine andere vorgebliche Autoritätsperson rufen an. Jemand dem Opfer nahestehendes sei in Trouble geraten. Das könne nur mit Geld gelöst werden. Es sei dringend. Die Senioren sollten zahlen.

Obwohl Medien immer wieder über diese Masche berichten, fallen viele darauf rein. Dafür gibt es unterschiedliche Gründe: Im Alter lassen Gedächtnis und Reaktionsfähigkeit in der Regel nach. Auch Stressfähigkeit. Und die Betrüger sind in ihrem schlechten Werk gut. Sie wissen, wie man Druck aufbaut.

Doch auch die Einsamkeit ist ein Grund, warum Senioren dem Treiben nachschauen. So absurd es klingen mag für einen Menschen, der mitten im Leben steht: Nicht gebraucht zu werden, kann zermürben. Nicht gehört zu werden, frustrieren. Und deswegen sind viele bereit, Geld zu geben oder auf Kaffeefahrten viel zu teuer einzukaufen, obwohl vielleicht eine Stimme im Hinterkopf sagt, dass da gerade etwas schief läuft.

Auch an den alten Nachbarn denken

Banken warnen Senioren. Sie erkundigen sich, ob alles in Ordnung ist, wenn jemand auf einen Schlag viel Geld abholt. Aber eigentlich ist es die Aufgabe der Familie, Senioren als Ansprechpartner bereit zu stehen. So miteinander zu leben, dass sie von sich aus anrufen und nachfragen, wenn sie in die Situation eines Schockanrufs kommen.

Sonntag. Ruhe. Vielleicht einfach mal zuhause anrufen. Oder wenn möglich hinfahren. Vielleicht nur ein oder zwei Stunden mit den Angehörigen verbringen. Das kann ein Höhepunkt in einer Welt sein, die nicht mehr von vielen Alltagsterminen geprägt ist. Ein Höhepunkt, der lange nachwirkt.

Und da wir in Zeiten leben, in denen sich Familienstrukturen ändern beziehungsweise längst geändert haben: Vielleicht auch mal an den alten Nachbarn denken. Auch wenn er schrullig sein mag. Oder gerade weil er schrullig ist: Denn genau das erhöht sein Risiko, einsam zu sein.