“Die psychische Gesundheit junger Menschen in der Corona-Pandemie muss stärker in den Fokus rücken!” Das hat die Landeskammer der Psychotherapeuten in Rheinland-Pfalz gefordert. Die Forderung ist ein Ergebnis einer Online-Veranstaltung der Kammer, an der unter anderem die Vertreter rheinland-pfälzischer Schüler teilnahmen.


Die Pandemie legt Schwächen offen. Zum Beispiel die Digitalisierung an den Schulen. Pressemitteilungen dazu gab und gibt es viele. Deren Tenor lautete, dass die Schulen auf dem Weg in neue Galaxien seien. Der reale Hintergrund waren oft genug veraltete Rechner, die in Keller-Räumen für IT-Arbeitsgemeinschaften eingerichtet wurden.

Ein Konzept, wie Unterricht auch digital gehalten werden kann, gab es zu Beginn der Pandemie nicht. Und auch ein Jahr später berichten Schüler Unterschiedliches aus ihrem neuen Alltag: Viele Lehrer nutzen das Netz, um Aufgaben zu verteilen und Erledigtes einzusammeln. Gegenüber BYC-News berichten Eltern aber auch Abenteuerliches: etwa von Lehrern, die digitale Unterrichtsstunden einberufen, um mal quatschen zu können. Wenn es ein stringentes Konzept zum Digitalunterricht gibt, wird es zumindest nicht im Alltag gelebt.

Leistungsdruck auf Schüler hoch

Das wirkt sich auf die Schüler aus: Der Leistungsdruck sei unvermindert hoch. Gleichzeitig erhalten sie zu wenig Feedback. Das berichtet die Landeskammer der Psychotherapeuten aus dem Inhalt der Gespräche, die sie online mit der Deutschen Gesellschaft für Psychologie und den Vertretern der Schüler geführt hat.

Diese unbefriedigende Situation trifft auf Umstände, die durch die Pandemie auch und gerade für junge Menschen schwer ist: “Das lange Andauern der Einschränkungen und die weiterhin unsichere Perspektive verstärken die psychischen Belastungen”, teilt die Kammer mit. Der zweite Lockdown sei dadurch schwerer zu ertragen als der erste.

Krankheiten nehmen zu

Die Psychotherapeuten bekommen das in ihrer Arbeit zu spüren: Zwänge, Depressionen und andere psychische Erkrankungen nähmen in den Praxen zu. Patienten, die ihre Therapie eigentlich schon erfolgreich beendet hatten, würden nun Rückfälle erleiden. Der Lockdown erschwere zudem die Arbeit: “Wichtige therapeutische Interventionen” seien zurzeit “nicht oder nur eingeschränkt möglich”.

Wie bei der Digitalisierung in Schulen gilt auch für die Psychotherapie: Die Pandemie legt Schwächen offen. Die Praxen hätten schon vorher kaum freie Plätze zu vergeben gehabt, teilt die Kammer mit.

Forschung fördern

Die Kammer-Präsidentin Sabine Maur fordert nun: Den Kindern und Jugendlichen müsse der Zugang zur Therapie erleichtert werden. Dazu gehöre, dass die Kostenerstattung geregelt würde. Auch müsse es mehr Angebote durch Schulsozialarbeit und Schulpsychologische Dienste geben. Das gilt auch für Angebote der Jugendhilfe in den Familien oder der gemeindenahen Freizeitangeboten.

Die Kammer spricht mittlerweile von “LongCovid”. Das bedeutet: Was Kanzlerin und Ministerpräsidentenkonferenz als kurzfristigen “Wellenbrecher” eingeführt haben, ist in einen Dauerzustand übergangen. Nun müsse die Forschung gefördert werden, sagt Maur, um zu untersuchen, welche Folgen LongCovid auf die “psychischen und neuropsychologischen Symptome und Folgen bei Kindern und Jugendlichen” hat.