Nachrichten Mainz | Die Opferhilfeorganisation WEISSER RING hat im Jahr 2020 eine stark gestiegene Nachfrage bei der Onlineberatung registriert. Daher sucht der Verein im Großraum Mainz aktuell Menschen, die ehrenamtlich online den Opfern einer Straftat helfen möchten. Wer also bis zu 50 Kilometer um Mainz herum lebt und drei Stunden in der Woche Menschen helfen möchte, die Opfer einer Straftat geworden sind, kann sich ab sofort auf www.weisser-ring.de bewerben.


Welche Voraussetzungen sollte jemand mitbringen

Ob die im Vergleich zum Vorjahr um 50 Prozent gestiegenen Hilfsanfragen, die den WEISSEN RING 2020 erreichten, sich nur durch die Corona-Pandemie begründen lassen, weiß der ehrenamtliche Verein nicht genau. Während 2019 noch 2232 Hilfeanfragen bei der Onlineberatung des WEISSEN RINGS ankamen, waren das im Jahr 2020 über 3350. Sicher ist aber: Durch den gestiegenen Bedarf an Onlineberatungen braucht der Verein mehr Menschen, die ihm helfen, zu helfen.

Welche Voraussetzungen sollte jemand mitbringen, der als Opfer-Beraterin oder -Berater arbeiten möchte? Einen bestimmten Beruf oder eine bestimmte Ausbildung müssen Bewerber um ein Ehrenamt beim WEISSEN RING nicht vorweisen. Wichtige Eigenschaften für die Aufgaben am Opfer-Telefon oder in der Onlineberatung sind psychische Stabilität und Entscheidungsfreude, Einfühlsamkeit sowie die Fähigkeit, sich verständlich auszudrücken. Gearbeitet wird von zu Hause aus; ein eigener Computer mit Internetanschluss sowie IT-Grundkenntnisse müssen vorhanden sein. Alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter werden in einer Schulung professionell ausgebildet und auf ihre Aufgabe vorbereitet, im Anschluss finden regelmäßige Teamtreffen und Superversionen statt.

Michelle, ehrenamtliche Mitarbeiterin bei der Onlineberatung

„Manche Menschen, die uns schreiben, fragen, ob sie an der richtigen Stelle sind. Weil sie glauben, dass das, was sie erlebt haben, keiner hören möchte oder uns vielleicht auch nicht interessiert. Wir sind jedoch für jeden da, der Opfer einer Straftat geworden ist, und hören auch jedem zu. Es gibt keine Straftaten, die weniger schlimm sind als andere.“

Patrick, ehrenamtlicher Mitarbeiter bei der Onlineberatung

„Die Leute, die uns schreiben, die können erwarten, dass sie anonym bleiben, wenn sie das möchten. Die können natürlich auch gern ihren Vornamen nennen und all das, was sie nennen möchten. Es geht gar nicht darum, wie viel sie sagen. Für mich ist wichtig, dass sie sich melden und dass sie es einfach loswerden können.“



41 ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter

Die Themen, mit denen sich Hilfesuchende online an den Verein wenden, sind vielfältig, Schwerpunkte sind aber auszumachen. So machen rund ein Drittel der aktuell monatlich 300 Erstanfragen Sexualdelikte aus, weitere Schwerpunkte sind häusliche Gewalt, Körperverletzung und Stalking. Die Onlineberatung kann bundesweit und kostenlos in Anspruch genommen werden. Die aktuell 41 ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter unterstützen die Hilfesuchenden schriftlich und verstehen sich als Lotsen, die jedem Ratsuchenden die bestmögliche Hilfe für seine jeweilige Situation aufzeigen.

Bianca Biwer, Bundesgeschäftsführerin des WEISSEN RINGS

„Nach dem Schrecken einer Straftat kann und will nicht jeder sofort offen und persönlich mit anderen Menschen darüber sprechen. Manchen Betroffenen fällt es leichter, per Nachricht über das Erlebte zu reden, vielleicht auch anonym. Wir erreichen auf diesem Weg Menschen in Not, die sich sonst nie bei uns gemeldet hätten.“ Die Onlineberatung gibt es seit Sommer 2016, die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter beantworteten seither mehr als 9.600 Anfragen. Der Bedarf ist also da – und wird, da sind sich die Mitarbeiter des WEISSEN RINGS sicher, weiter steigen.

Bewerbungen sind ab sofort bis zum 21. Februar 2021 über das entsprechende Formular auf der Homepage des WEISSEN RINGS möglich: www.weisser-ring.de. Dort finden sich auch weitere Informationen. Rückfragen können schriftlich an die E-Mail-Adresse onlineberatung@weisser-ring.de geschickt werden.

Mehr über den WEISSEN RING

Der WEISSE RING wurde 1976 in Mainz gegründet als „Gemeinnütziger Verein zur Unterstützung von Kriminalitätsopfern und zur Verhütung von Straftaten e. V.“. Er ist Deutschlands größte Hilfsorganisation für Opfer von Kriminalität. Der Verein unterhält ein Netz von rund 2.900 ehrenamtlichen, professionell ausgebildeten Opferhelferinnen und ‑helfern in bundesweit rund 400 Außenstellen, beim Opfer-Telefon und in der Onlineberatung. Der WEISSE RING hat mehr als 100.000 Förderer und ist in 18 Landesverbände gegliedert. Er ist ein sachkundiger und anerkannter Ansprechpartner für Politik, Justiz, Verwaltung, Wissenschaft und Medien in allen Fragen der Opferhilfe. Der Verein finanziert seine Tätigkeit ausschließlich aus Mitgliedsbeiträgen, Spenden und testamentarischen Zuwendungen sowie von Gerichten und Staatsanwaltschaften verhängten Geldbußen. Der WEISSE RING erhält keinerlei staatliche Mittel.