Bietet Hilfe bei der Erstellung der Autobiografie an: die Kreuznacherin Ilgin Seren Evisen. Foto: Corrine van den Broek (Design für Gründer)

Eine Autobiografie schreiben. Das muss kein Thema für Prominente bleiben. Es kann ein schönes Geschenk sein oder ein Erbe für die Familie. Die Kreuznacher Germanistin Ilgin Seren Evisen bietet Hilfe beim Erstellen an. Den Autoren helfe die Arbeit oft, zu sich selbst zu finden.

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Frau Evisen, Sie beraten Menschen, die ihre Biografie schreiben. Wie sind Sie auf die Idee gekommen?

Viele berühmte Menschen schreiben ihre Biografie oder lassen sie schreiben. Aber warum nur Prominente. Auch viele Durchschnittsmenschen haben spannende Geschichten zu erzählen. Davon abgesehen profitieren sie selber von dem Prozess des Schreibens.

Wie das?

Schreiben bedeutet immer auch Selbstreflexion und Selbstfindung. Vor allem wenn man über sich selbst schreibt. Vor dem Schreiben geht es darum, sich zu strukturieren und zu fokussieren: Welchen Teil meiner Geschichte will ich erzählen? Warum? Und für wen? Das bedeutet, sich mit sich selbst systematisch zu beschäftigen.

Welchen Teil steuern Sie zu dem Prozess bei?

Ich berate die Menschen darin, was es heißt, sich und die Geschichte zu strukturieren, die sie schreiben wollen. Das ist der Teil, der den meisten schwer fällt. Manche können wunderschön erzählen, wissen aber nicht, wo sie anfangen und wo sie aufhören sollen. Ich frage dann, für wen die Biografie gedacht ist, für die Kinder, die Enkel oder Freunde? Auch, welchen Lebensabschnitt sie darstellen wollen.

Welcher ist das?

Das hängt vom Kunden ab und davon, für wen sie schreiben. Manche wollen ihren Kindern und Enkeln eine Chronologie der Familie hinterlassen. Die wollen dann natürlich eine möglichst große Zeitspanne darstellen. Andere schreiben eher für sich. Sie wählen dann oft Abschnitte, die für sie besonders wichtig sind.

Die Auflage interessiert die wenigsten

Erreichen diese Geschichten einen Markt?

Nein. Das wollen auch nur die wenigsten. Kaum einer druckt die fertige Biografie in einer nennenswerten Auflage, obwohl das heute ja lange nicht mehr so teuer wie früher ist. Die meisten schreiben ihre Biografie für sich oder für die engere Familie. Als Geschenk. Oder als Hinterlassenschaft. Viele Kunden sind älter. Die Auflage interessiert die wenigsten. Den meisten ist es wichtig, dass ihre Geschichte überhaupt veröffentlicht wird.

Und alle schreiben selber?

Nein, es gibt auch welche, die wollen, dass ich ganze Texte für sie schreibe, denn Schreiben ist etwas, das nicht alle können. Ich lasse mir dann ihre Geschichte erzählen und schlage eine Formulierung vor.

Gehört die Recherche zu dem Service, den Sie anbieten?

Das habe ich noch nie gehabt. Die meisten schreiben auf Basis ihrer Erinnerung. Fotos oder Tagebücher verstärken das dann. Auch schreiben die meisten nur über ihren engeren Kontaktkreis. Kommen dann Personen vor, die nicht zu diesem Kreis gehören, werden sie nur angedeutet. Namen oder andere Details über ihre Biografien müssen daher nicht recherchiert werden.

Gibt es für diese Aufgabe, Menschen in ihrer Biografie zu unterstützen, eine Ausbildung oder wie sind Sie dazu gekommen?

Ich habe Germanistik studiert. Zudem habe ich in einem Biografie-Zentrum eine Fortbildung gemacht.

Derbe Schmähungen über Geistliche

Was kostet Ihre Beratung?

Ich betreibe diese Arbeit in einer Nebenselbstständigkeit. Als Basissatz nehme ich für die Stunde 30 Euro. Wenn es zu einer längeren Zusammenarbeit kommt, vereinbare ich mit den Kunden ein Preispaket.

Wie lange dauert das Schreiben einer Biografie?

Meistens länger als ein halbes Jahr. Die wenigsten empfinden Zeitdruck dabei. Sie wollen sich auch Zeit nehmen. Käme jetzt aber einer im September auf die Idee, die Biografie als Weihnachtsgeschenk nutzen zu wollen, würden wir das auch hinbekommen. Es ist ein schönes Geschenk. Weil es einen großen persönlichen Reichtum sammelt. Gerade da kann es spannend sein, wenn Einflüsse aus unterschiedlichen Kulturen zusammen kommen.

Haben Sie dafür ein Beispiel?

Ja. Meine Großmutter. Als Kind habe ich ihre Reime aufgeschrieben. Das waren Schmähungen über Geistliche. Derbe Formulierungen teilweise. Ich bin heute froh, diese konserviert zu haben.

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