Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner. Foto: BMEL/ Photothek/ Janine Schmitz

Die Königlich Schwedische Akademie hat bekannt gegeben, dass der Nobelpreis für Chemie in diesem Jahr an Emanuelle Charpentier und Jennifer Doudnageht. Die beiden erhalten die Auszeichnung für die Methode „Crispr/Cas9“ – besser bekannt als „Genschere“. Landwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU) gratuliert den beiden Gewinnerinnen und spricht damit ein innenpolitisch heikles Thema an.

-Werbung-

Die DNA ist der Träger der Erbinformationen. Bei Menschen, Tieren und Pflanzen. Die DNA ist in zwei Strängen aufgebaut. Mit „Crispr/Cas9“ ist es Charpentier und Doudna gelungen, diese beiden Stränge punktgenau aufzuschneiden. Daher kommt die einfachere Bezeichnung für das Verfahren: „Genschere“.

Mit der neuen Genschere sei es möglich, den Code des Lebens innerhalb weniger Wochen zu verändern, begründet das Komitee die Vergabe des Nobelpreises an Charpentier und Doudna. Die beiden hätten damit Möglichkeiten eröffnet, Krebs oder vererbbare Krankheiten zu heilen. Auch Pflanzen könnten so optimiert – etwa widerstandsfähiger gemacht werden.

So ist es Forschern bereits gelungen, die Genschere zu nutzen, um Pflanzen gegen Schimmel und Trockenheit unempfindlich zu machen. An diesem Punkt setzt die Bundesministerin für Landwirtschaft an, Julia Klöckner: „Die klassische Pflanzenzucht hat schon immer das Erbgut von Nutzpflanzen angepasst. Mit der Genschere kann aber zielgenauer, schneller geforscht werden.“ Klöckner setze deshalb Hoffnungen in solche neuen Züchtungsmethoden.

Genschere ist umstritten

Doch unumstritten ist die Methode nicht. Sie öffnet Möglichkeiten, die Gegner der Gentechnologie als Missbrauch bezeichnen: So kann die Genschere nicht nur auf Körperzellen angewandt werden, sondern auch auf Spermien und Eizellen. Damit kann vor allem verhindert werden, dass Erbkrankheiten weitergegeben werden. In China waren laut Berichten Versuche erfolgreich, mit denen Babys immun gegen den Aidsvirus HIV gemacht wurden.

Dies legen Kritiker als Eingriff in die Persönlichkeitsrechte ein. Der Mensch überschreite seine Kompetenzen. In Deutschland wird diese Kritik vor allem von Seiten der Grünen getragen. Das Vorsitzendenduo Robert Habeck und Annelena Baerbock hatte zwar zum Amtsantritt angeregt, in der Partei ergebnisoffen über Gentechnik zu diskutieren und die bisherige Blockadehaltung aufzugeben.

Doch Habeck und Baerbock ernteten dafür heftige Kritik – und fuhren dann das Thema Gentechnologie klammheimlich wieder runter. Der baden-württembergische Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) hat erst in diesem Juli ein Forschungsprogramm zur Editierung der Genome gestoppt – trotz heftigem Widerspruch aus Reihen der Wissenschaft.

Reizthema zwischen CDU und Grünen

Vor diesem Hintergrund ist Klöckners Gratulation politisch durchaus brisant. Nach den politischen Umfragen zeichnet sich im nächsten Herbst eine Koalition aus CDU, CSU und Grünen im Bundestag ab. Die Gentechnologie könnte eine der Streitfragen werden.

Klöckner gibt sich denn auch entsprechend vorsichtig. In ihrer Mitteilung betont sie die „Bedeutung“, welche die Genschere „auch für die Landwirtschaft und die weltweite Ernähungssicherung“ habe. Sie sagt: „Wir wollen weniger Pflanzenschutzmittel einsetzen, aber dennoch stabile Ernten. Hierbei kann die Genschere helfen.“ Doch die Möglichkeiten, die Genschere an der menschlichen DNA einzusetzen, lässt Klöckner als Thema aus.

Statt dessen appelliert die Ministerin: „Wenn wir Pflanzen wollen und brauchen, die resistent sind gegen Wetterkapriolen und Klimawandel, die weniger Pflanzenschutzmittel benötigen, dann sollten wir verantwortungsvoll über eine differenzierte Zulassung solcher Verfahren für die Pflanzenzucht diskutieren.“ Der Nobelpreis sei dazu „ein weiterer Anstoß“.

-Werbung-