Gastartikel von Gisela Kirchstein – Mainz& | Auf dem Mainzer Messegelände gibt es nun ein neues Corona-Testzentrum, die Einrichtung unter Leitung der Mainzer Universitätsmedizin wurde am Freitag nach nur drei Wochen Vorbereitungszeit offiziell eingeweiht.


Termin für einen kostenlosen Coronatest ausmachen

In dem Testzentrum sollen asymptomatische Personen getestet werden, darunter auch größere Gruppen wie Kitas oder ganze Schulklassen sowie Reiserückkehrer, aber auch Personal aus dem Gesundheitswesen. Neu auch: Wer eine rote Warnmeldung in der Corona-Warn-App erhält, kann hier umgehend einen Termin für einen kostenlosen Coronatest ausmachen – und zwar online über eine hochmoderne App der Mainzer Unimedizin.

Das überraschend neu eingerichtete Testzentrum wurde binnen drei Wochen aus dem Boden gestampft und steht genau dort auf dem Mainzer Messegelände, wo sich im Sommer der Eingang zum Autokino befand. Die neue Testeinrichtung ist Teil einer neuen nationalen Impfstrategie des Bundes, die am 2. Dezember in Kraft trat, über die es aber in den vergangenen Tagen kaum Informationen gab. Mitte Oktober hatte das Robert-Koch-Institut die nationale Teststrategie überarbeitet, die neuen Testzentren sind nun die Folge davon. “Als das Land an uns herantrat mit der Bitte, ein Testzentrum aufzubauen, haben wir gerne ja gesagt”, sagte der Chef der Mainzer Uniklinik, Norbert Pfeiffer – auch wenn sich die Aufgabe als komplizierter herausgestellt habe, als gedacht.

Bekämpfung der Corona-Pandemie

“Die zweite Welle hat uns besonders heftig getroffen im Rhein-Main-Gebiet, wir sind sehr froh, dass wir Unterstützung durch die Mainzer Universitätsmedizin bekommen”, sagte der Chef des Gesundheitsamtes Mainz-Bingen, Dietmar Hoffmann: “Wir sehen dass wir im Moment an der Kapazitätsgrenze sind.” Durch die neue Testverordnung des Bundes hätten ein zunehmend großer Personenkreis einen Anspruch auf Testung, ein einzelnes Gesundheitsamt könne diese Massen an Tests nicht mehr alleine stemmen. Testen sei aber “ein ganz wichtiger Baustein” bei der Bekämpfung der Corona-Pandemie, auch wenn aus seiner Sicht “Hygiene, Abstand und Alltagsmasken genauso wichtig sind”, betonte Hoffmann.

In Mainz und dem Landkreis Mainz-Bingen sind die Zahlen zwar gesunken, das Infektionsgeschehen aber immer noch hoch – und weit von der 50er-Inzidenz entfernt, ab dem das Gesundheitsamt Infektionsketten gut nachverfolgen kann. Am Freitag meldete das Gesundheitsamt 90 neue Corona-Infektionen, davon 49 im Landkreis und 41 in der Stadt Mainz. In Mainz liegt die 7-Tages-Inzidenz damit weiter bei 162 Infektionen pro 100.000 Einwohner, im Kreis Mainz-Bingen sind es 110. Und erneut starben zwei Menschen im Landkreis und zwei Menschen im Mainzer Stadtgebiet an den Folgen einer Covid-19-Infektion.



Wir sind ein Baustein der neuen Teststrategie

In dem neuen Testzentrum sollen nun ausschließlich Personen getestet werden, die kein Symptome zeigen, aber einen Anlass haben, getestet zu werden. Das könnten Mitarbeiter des Gesundheitswesens sein, aber auch Lehrer, Schüler oder ganze Kindergärten, sagte der Leiter des neuen Zentrums, der auch Leiter des Ressorts Krankenversorgung an der Universitätsmedizin Mainz ist, Dr. André Michel. “Wir sind ein Baustein der neuen Teststrategie”, sagte Michel, die sehe ein niedrigschwelliges Testen vor – und das, obwohl erst vor wenigen Tagen der Präsident des Robert-Koch-Instituts eingeräumt hatte, man teste nun weniger, weil die Kapazitäten an den Laboren vielfach überlastet seien.

In der Folge werden nun Menschen mit leichten Krankheitssymptomen in Quarantäne geschickt, aber nicht mehr getestet, dagegen werden nun verstärkt Personen getestet, die in den vergangenen zehn Tagen direkten Kontakt zu einer nachweislich mit dem Coronavirus SARS-CoV-2 infizierten Person hatten. “Wenn jemand in einer Schule erkrankte, war bisher die Frage: wo testet man 30 Leute auf einmal”, sagte Pfeiffer, das werde jetzt mit dem neuen Testzentrum “deutlich einfacher.” Bis zum 15. Dezember werden zudem weiter Reiserückkehrer aus Risikogebieten getestet. Eine weitere wichtige Neuerung: Wer eine rote Warnmeldung in der Corona-Warn-App erhält, kann sich nun mit dieser Warnung direkt an das neue Testzentrum wenden, um dort einen Coronatest zu bekommen.

Bis zu 1.400 Impfungen könne man hier bei Bedarf leisten

“Wir sind eines der größten Testzentren und betreuen den größten Landkreis des Bundeslandes mit der Landeshauptstadt”, sagte Michel. Sieben Teststraßen mit je drei Kabinen stünden zur Verfügung, man habe sich erst einmal auf 500 Tests pro Tag eingestellt, sagte Michel, und betonte: “Wir können aber leicht hochskalieren auf 1000 Tests pro Tag.” Auch Impfungen mit dem neuen Corona-Impfstoff seien hier möglich, betonte Michel stolz – bis zu 1.400 Impfungen könne man hier bei Bedarf leisten. Das eigentliche Impfzentrum der Stadt Mainz wird derzeit in der ehemaligen Fachhochschule an der Bruchspitze in Mainz-Gonsenheim eingerichtet und soll bis zum 15. Dezember fertig sein.

Getestet werde mit den bewährten und hochsensiblen PCR-Tests, sagte Michael weiter: “Das ist der Goldstandard.” Die Auswertung der Tests geschieht in den hauseigenen Labors der Mainzer Uniklinik, das Ergebnis soll binnen eines Tages vorliegen. “Nur ein richtiger Test führe auch zu einem verlässlichen Ergebnis”, betonte Michel und kritisierte die neuen Schnelltests, die Erzieher und Lehrer in den Einrichtungen eigenständig durchführen sollen, als “eine blödsinnige Diskussion.” Um die Tests auch zuverlässig einsetzen zu können, brauche es Schulungen, sagte Michel, würden falsche Abstriche gemacht, drohten in großem Stil falsche Ergebnisse.

Auch den Warnhinweis aus der Corona-App kann man hier angeben

Ohne Termin bekommt man aber auch in dem neuen Testzentrum keinen Abstrich, die Anmeldung erfolgt aber hochmodern mit einem eigene Programmtool im Internet. Den Link dazu findet man gleich auf der Homepage der Mainzer Universitätsmedizin, ein Klick führt den Suchenden auf die Seite des neuen Testzentrums. Ein Link führt dann zu eigens entwickelten App “Terminvergabe”, die sich ebenfalls in dem Internetbrowser öffnet. Der Terminvergabe ist allerdings ein recht umfangreicher Fragebogen vorgeschaltet, der abfragt, ob die Person Symptome hat und wann und wie sie möglicherweise eine andere infizierte Person getroffen hat.

Auch den Warnhinweis aus der Corona-App kann man hier angeben, dann leitet die App zur Terminvergabe weiter – der Besucher kann dann selbst aus verschiedenen Terminblöcken einen geeigneten Zeitpunkt auswählen. “Sie bekommen im Moment sofort einen Termin, ein Test ist noch am gleichen Tag möglich”, sagte Michel – das gilt allerdings nur für Bewohner der Stadt Mainz oder des Landkreises Mainz-Bingen. Wer möchte, könne sich aber auch auf eigene Kosten testen lassen, etwa weil man vor Weihnachten Sicherheit haben möchte, das koste dann allerdings rund 100,- Euro, sagte Michel.

Wer den Anmeldeprozess erfolgreich durchlaufen hat, bekommt am Ende einen QR-Code auf das Handy oder den Computer, den man ausdrucken oder gleich auf dem Smartphone mitnehmen kann. Mit dem Code begibt man sich dann zum vereinbarten Termin zum Testzentrum, und wird dort an einem Empfang aufgenommen. Sechs Empfangsstationen stehen zur Verfügung, die Mitarbeiter scannen hier den Code – und haben alle Daten des Patienten gleich auf ihrem Bildschirm. Gleich dahinter führt der kurze Weg über einen Gang zu den Impfstraßen, in den engen Kabinen wird der Abstriche genommen – und schon  steht man am hinteren Ausgang des Zeltes und wieder auf dem Parkplatz.



Technisch unterstützte zudem der Malteser Hilfsdienst

Das Personal stellt derzeit die Bundeswehr, rund 30 Personen habe man hier im Einsatz, sagte Oberst Stefan Weber, Kommandeur des Landeskommandos Rheinland-Pfalz. Die 30 Soldaten und Soldatinnen seien Angehörige des Sanitätsregiments 2 der Koblenzer Falckenstein-Kaserne sowie des Informationstechnikbataillons 281 aus Gerolstein, sagte Weber weiter. “Wenn sich Deutschland in einer Pandemielage befindet und die Kräfte zur deren Bewältigung nicht ausreichen oder überdehnt sind, ist es nicht nur gesellschaftliche Verpflichtung, sondern eine Selbstverständlichkeit, dass die Bundeswehr unterstützt”, betonte Weber – schließlich sei man “die einzigen, die bei auftretenden Notlagen zusätzliche Kräfte zur Verfügung stellen können.”

Technisch unterstützte zudem der Malteser Hilfsdienst den Aufbau des Testzentrums, gemeinsam mit den Maltesern bilde man derzeit auch weiteres Personal für das Zentrum aus, sagte Michel gegenüber Mainz& weiter. Das Messegelände als nicht-innerstädtischer Standort biete den Vorteil, dass keine Belastungen für Anwohner durch verstärktes Verkehrsaufkommen entstünden, betonte Michel zudem, man könne denn auch bei Bedarf sehr schnell auf einen Drive-In-Betrieb umstellen. Mit dem Öffentlichen Nahverkehr ist das Zentrum mit den Buslinien 69 (Messe) und 67 (Messe Ost) zu erreichen, allerdings muss man vor den Haltestellen noch ein gutes Stück zu Fuß zum Zentrum zurücklegen.

Nach dem Test müssen sich die Testpersonen ohne Umwege direkt in häusliche Quarantäne begeben und dort ihr Testergebnis abwarten, betonen die Experten. Bei einem positiven Test werde man in jedem Fall angerufen, spätestens nach 48 Stunden, ab kommende Woche soll auch die Möglichkeit bestehen, das Testergebnis selbst online abzurufen oder über die Corona-Warn-App zu erfahren. Ein negatives Testergebnis werde postalisch zugesendet, heißt es weiter.

“Wir alle würden gerne bald wieder die Mainzer Lebensart genießen dürfen”, sagte Oberbürgermeister Michael Ebling (SPD). Jede Maßnahme, die helfe, die Coronapandemie einzudämmen, sei wichtig, dazu gehörten auch gezieltere Tests. Zusammen mit dem neuen Impfstoff, der kurz vor der Zulassung durch die Europäische Union steht, sei auch dies “einmal mehr ein Zeichen, dass sich die Dinge drehen”, betonte Ebling: “Es gibt verdamm gute hoffnungsvolle Zeichen, dass 2021 besser wird.”