Symbolfoto: Thorsten Lüttringhaus

„Wer mit dem Rücken zur Wand steht kann nur nach vorne“, unter diesem Motto hat „Land schafft Verbindung“ (LsV), eine bundesweite Organisation aus Landwirten, erneut zu einer Demonstration aufgerufen.

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Bundesweit werden am Freitag, 17. Januar 2020 Ackerbauern, Gemüsebauern, Obstbauern, Winzer und Viehzüchter auf die Straße gehen. Mit dieser Aktion möchte die Landwirtschaft auf ihre missliche Lage aufmerksam machen. Die Hauptdemonstration findet in Berlin statt. Am folgenden Tag trifft sich in Berlin nämlich der Agrar-Ausschuss des Bundesrates. Zudem steht die LsV-Demonstration als Gegenbewegung zur „Wir haben es satt!“-Demonstration, die ebenfalls am Folgetag stattfindet. LsV differenziert sich damit von der Bewegung „Wir haben es satt!“, denn deren Ansichten seien weit abseits von der Meinung der Bauern.

Traktorenkette durch Rheinhessen

In Rheinland-Pfalz sieht LsV ebenfalls eine Aktion vor. Geplant ist, die „längste Traktorenkette der Welt“ zu bilden. Angefangen in der Landeshauptstadt Mainz. Dort wird es gegen 16 Uhr ein Gespräch mit dem ZDF sowie eine öffentliche „Pressekonferenz auf dem Acker“ (Ort und Zeit wird noch bekannt gegeben) geben. Medienvertreter haben einen unbestritten großen Einfluss auf die öffentliche Wahrnehmung und agrarische Zusammenhänge. LsV sieht hier Verbesserungsmöglichkeiten und fordert eine faire Berichterstattung mit angemessener Recherche und Gegenrecherche.

Die Traktorenkette wird dann von Mainz über Wörrstadt nach Alzey und von dort aus Richtung Bockenheim (Pfalz) in beide Richtungen unterwegs sein. Zusätzliche Aktionen wie Mahnfeuer sind an verschiedenen Stationen in Planung. Gerne können Interessierte dort vorbeikommen, um sich mit den Landwirten vor Ort auszutauschen.

Ziele der Demonstration

Mit ihrer Demonstration kritisiert LsV, dass die Düngeverordnung nach nur zwei Jahren noch einmal verschärft werden soll. Bereits 2017 wurde eine neue Düngeverordnung erlassen, was nun daraufgesetzt werden soll ist weder faktenbasiert noch wissenschaftlich fundiert. Sie würde dem Boden an vielen Stellen mehr Schaden zufügen als Gutes tun, das Nitratproblem nicht lösen, aber den Anbau vieler Kulturen in Deutschland unmöglich machen. Dies würde zudem viele landwirtschaftliche Betriebe in Existenznöte bringen.

Grund für die erneute Verschärfung nach nur zwei Jahren ist, dass der EU veraltete und nicht repräsentative Nitratwertmessungen vorliegen. Deshalb kritisiert LsV ebenfalls den Aufbau der Nitratmessstellen, denn aufgrund fehlerhafter, nicht transparenter Werte Auflagen zu erlegen, welche die Landwirtschaft in Deutschland so enorm schwächen, habe nichts mit guter fachlicher Praxis zu tun. Deshalb ist die Traktoren-Strecke in Rheinhessen am 17. Januar auch nicht zufällig gewählt. Sie führt vorbei an verschiedenen Schutzgebieten. Diese Gebiete und ihre Bewirtschafter wären besonders hart von den neuen Düngeverordnung betroffen.

Billige Lebensmittel haben ihren Preis

Nicht nur die Düngeverordnung bringt die deutschen Landwirte in Aufruhr. Es geht auch darum, dass Lebensmittel nichts mehr wert sind. „Wer billig kauft, verkauft die Natur und die Landwirtschaft“, gibt LsV zu bedenken. Gesunde Lebensmittel, die unter höchsten Produktionsstandards und naturverträglich produziert werden, haben ihren Preis. Und das muss jeder Verbraucher lernen und vor allem: an der Ladenkasse umsetzten. Dazu rufen die Landwirte auf und fordern zudem ein Verbot von Werbung für billiges Fleisch, Obst, Gemüse und Milch sowie einheitliche Standards in der Lebensmittelproduktion in Europa. “Ein Europa – ein Standard“ fordert LsV. Genauso sehen sie das Mercosur-Abkommen, das den Import billiger Lebensmittel mit niedrigeren Produktionsstandards fördert als einen Angriff auf die deutsche Landwirtschaft.

Mit diesen und noch mehr Sorgen im Gepäck, machen sich Landwirte am Freitag auf den Weg. Die Landwirtschaft braucht eine faktenbasierte Sachpolitik, in der nicht ideologische Überzeugungen von NGOs zu politischen Entscheidungen führen. Deshalb stellen sie sich gegen eine solche Politik und gehen auf die Straße.

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