Symbolfoto: Mario Thurnes

Diesen Sonntag steigt in Miami der 54. Super Bowl. Im finalen Spiel der Saison stehen die beiden Mannschaften, die eigentlich alle dort erwartet haben: die Kansas City Chiefs und die San Francisco 49ers. Die Saison hat schon jetzt einen Wachwechsel im American Football mit sich gebracht.

In den USA fällt der Super Bowl auf den 2. Februar. Murmeltiertag. Doch Andie MacDowell muss mittlerweile mit Bill Murray im Bett gewesen sein. Denn die Zeitschleife ist gerissen. Die New England Patriots, die ein Dauer-Abo auf den Bowl hatten, sind schon in der Wild-Card-Round, der ersten Runde der Playoffs ausgeschieden.

Nun wird spekuliert: Bedeutet das, dass Quarterback Tom Brady seine Karriere beendet? Der mit sechs Titeln bisher erfolgreichste Footballer lässt sich das offen. Auch Drew Brees, bei den New Orleans Saints legt sich noch nicht fest, ob er nächstes Jahr wieder Bälle verteilen will. Seine Karriere beendet hat definitiv Eli Manning von den New York Giants. Allesamt Quarterbacks, die in die Hall of Fame aufgenommen werden dürften, sobald die entsprechende Frist nach Karriereende abgelaufen ist.

Mahomes ist der Mann der nächsten Jahre

Sie waren aber schon in dieser regulären Spielzeit nicht mehr die, die das Geschehen bestimmt haben. Patrick Mahomes II von den Chiefs hat das Zepter übernommen. Er besticht durch einen starken Wurfarm und Treffgenauigkeit. Zudem ist der 24-Jährige ein beweglicher Quarterback, der Punkte erlaufen kann, wenn alle Passempfänger gedeckt sind. Am Sonntag kann er sich endgültig die Krone aufsetzen.

Sie würde einen klugen Kopf zieren. Und apropos Kopf. Sein Mini-Afro hat als Frisur längst Kultstatus erreicht – nicht nur unter den Chiefs-Fans. Als Person dürfte Mahomes – wenn keine Verletzung dazwischen kommt – die NFL in den nächsten Jahren dominieren. In der Divisional Round, der zweiten Runde der Playoffs, gelangen der bärenstarken Offensive der Chiefs sechs Touchdowns – allein im zweiten und dritten Viertel.

Zur ganzen Geschichte gehört aber auch, dass die Chiefs zu dem Zeitpunkt erst einmal mit 0:24 zurücklagen. Den Chiefs und ihrer furios starken Offensive sind im Laufe der Saison mehrere Aufholjagden geglückt. Doch hinter dieser Stärke verbirgt sich eine Schwäche: Die Chiefs neigen dazu, längere Punkteserien gegen sich zuzulassen.

Keine Negativserie erlaubt

Das darf ihnen im Super Bowl nicht passieren. Denn mit den 49ers treffen sie auf das kompletteste Team der NFL. In ihrer D-Line, der vordersten Verteidigungslinie stehen fünf ehemalige Erstrundenpicks. Also Spieler, die schon zu College-Zeiten als kommende Stars galten. In der Divisional Round demoralisierte diese Truppe die Minnesota Vikings und stand kurz vor Defensiv-Rekorden.

Zudem verfügen die 49ers über ein starkes Laufspiel. Das ist bei Führungen ein großer Vorteil. Denn Laufzüge kosten deutlich mehr Zeit als Passversuche. Wären die Chiefs in Rückstand, könnte das Team aus San Francisco so „die Uhr kontrollieren“.

Sollten sich die Chiefs zehn oder 14 Punkte Rückstand gönnen, könnte das im Bowl zu viel sein. Die 49ers galten schon im letzten Jahr als Favorit. Doch Verletzungspech versaute ihnen die Spielzeit. Das traf allen voran ihren Quarterback, Jimmy Garoppolo.

Bradys Ersatzmann lauert

Garoppolo war von 2014 bis 2017 der Backup von Tom Brady bei den Patriots. In seiner die Defensive ermüdenden Art erinnert er ein wenig an den Veteranen: Viel Laufspiel, viele Kurzpässe, vergleichsweise selten spektakuläre Würfe in die Tiefe. Und dann vor allem die Gründlichkeit und Zuverlässigkeit, die ihnen ihr strenger Lehrmeister Bill Belichick eingeimpft hat.

So könnte Garoppolo seinen ersten Ring im Super Bowl wie Brady einst erringen. Damals schwärmte der deutsche Kommentator von den St. Louis Rams: Kurt Warner beim Einlaufen, Kurt Warner beim Passen, Kurt Warner, wie er dem anderen da beim Passen zusieht. Der damalige Star-Quarterback war so heiß, wie heute Mahomes – doch am Ende trug ein anderer den Ring. Wenn sich das wiederholt, grüßt doch wieder ein Stück weit das Murmeltier.

Pro7 zeigt den Super Bowl samt ausgiebiger Vorberichterstattung. Kickoff ist nach deutscher Zeit in der Nacht zum Montag um 0.30 Uhr. Dieser Artikel ist zuerst auf der Seite der Ruhrbarone erschienen.