Nachrichten Rheinhessen | Auf Einladung der Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner kommen vom 30. August bis 1. September die europäischen Agrarministerinnen und Agrarminister nach Koblenz. Dies führt zu Demonstrationen, an denen sich auch zahlreiche Landwirte aus Rheinhessen und der Pfalz beteiligen. Boost your City hat an diesem Montag mit Jan Ruzycki, einem Sprecher des Bündnisses Land schafft Verbindung Rheinhessen (LSV) gesprochen.

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Rund 100 Traktoren aus Rheinhessen und der Pfalz

Die Landwirte aus Rheinhessen und der Pfalz wollen sich mit rund 100 Traktoren an den der Aktion der Bauernverbände am Dienstag, den 1. September in Koblenz beteiligen. Die Landwirte werden sich um 4:00 Uhr morgens in Bingen treffen und dann nach Koblenz aufbrechen. Die Ankunft der Landwirte in Koblenz ist gegen 8:00 Uhr geplant. Die Abschlusskundgebung findet dann um 9:00 Uhr auf dem Vorderplatz der Rhein-Mosel-Halle in Koblenz statt. An dieser wollen die Landwirte teilnehmen.

„Wir haben die umweltschonendste Landwirtschaft“

„Uns stört momentan die Agrarpolitik. Die ist aus unserer Sicht zu sehr von Umweltgesichtspunkten getrieben, die wir aktuell nicht umsetzen können oder uns nicht konkurrenzfähig machen.“, erklärt Ruzycki: „Die Umwelt schützen zu wollen ist ja nicht falsch aber wir haben in Deutschland schon die beste und umweltschonendste Landwirtschaft weltweit. Das Problem ist, dass uns Auflagen gemacht werden und dann werden Produkte importiert aus Ländern, die diese Auflagen nicht annähernd erfüllen. Das Ungleichgewicht, das dadurch entsteht, gefährdet unsere Landwirtschaft stark und macht sie auch unattraktiv.“



„Uns wird immer wieder gesagt wir seien reich“

Den Bauern wird beispielsweise immer wieder vorgeworfen, es gehe ihnen ja finanziell gut, da sie so große und moderne Traktoren fahren. Ruzycki erklärt, dass das nichts mit Reichtum zu tun hat, sondern dass diese Traktoren aufgrund der Arbeitsschutzbedingungen schlichtweg notwendig sind. Dabei spielen Faktoren wie Lärmbelästigung, Sonneneinstrahlung und das Abhalten von Pflanzenschutzmitteln eine Rolle. Die Kabinen schützen die Arbeiter vor diesen Einflüssen. Diesen Arbeitsschutz haben andere Länder nicht, sodass die Landwirte dort zum Beispiel ohne Kabine fahren.

Bald könnte es keinen Anbau von Steinobst mehr in Deutschland geben

Ein weiteres Beispiel ist die Zulassung der Pflanzenschutzmitteln. „Wir haben hier in Deutschland sehr strenge Auflagen was Insektizide angeht. In anderen Ländern, besonders außerhalb der EU ist das nicht der Fall. Die dürfen wesentlich mehr Pflanzenschutzmittel sprühen. Das führt zu massiven Problemen vor allem beim Steinobstanbau, denn das lässt sich nur mit Insektiziden anbauen. Dadurch wird sich der Anbau mit der Zeit wohl nach Ungarn, China oder in die Türkei verlagern. Das im Ausland unter schlechten Bedingungen angebaute Steinobst wird dann nach Deutschland importiert.“, so Ruzycki.

Landwirte sind nicht verantwortlich für Umwelteinflüsse

Die Insektizide wurden hauptsächlich aufgrund der rückgängigen Insektenbestände verboten. Doch die Landwirte könnten den Rückgang der Insektenbestände so nicht bestätigen. „Nur weil jemand, der im 5. Obergeschoss in der Stadt lebt das Gefühl hat, es gibt weniger Bienen, ist das noch lange nicht der Fall.“, erklärt er. Auch sonst könne man keine Umwelteinflüsse durch die Landwirtschaft bestätigen.

„Die Umwelteinflüsse, die da sind, bestehen aufgrund von Siedlungsdruck und der Industrialisierung. Das hat aber nichts mit der Landwirtschaft zu tun. Wir wollen nicht, dass uns da die Schuld zugeschoben wird und sehen das nicht als gerechtfertigt an.“



„Man muss sich entscheiden“

Laut Ruzycki muss man sich hier in Deutschland entscheiden, was man will. „Wollen wir sichere unzuverlässige Lebensmittel in ausreichendem Maße anbauen oder wollen wir nur noch Landschaftsbau betreiben und alles andere importieren? Wenn das so ist, dann sollte man das klar formulieren, weil man dann die Landwirtschaft in Deutschland auch einstellen kann. Doch ich glaube, dass auch die Corona-Krise wieder gezeigt hat, wie wichtig und sicher die heimische Landwirtschaft und die Produkte sind.“

Die Bauern wollen die Landwirtschaft in Deutschland konkurrenzfähig machen. Doch dafür muss man besonders den Import anders regeln. „Entweder die importierte Ware muss die gleichen Standards erfüllen oder sie darf halt einfach nicht importiert werden.“, sagt er deutlich. Andere Möglichkeiten gebe es eigentlich nicht. Doch wenn die Produkte aus Drittstaaten die gleichen Standards erfüllen würden, wären sie vermutlich genauso teuer wie Lebensmittel aus Deutschland.

Landwirte wollen von den Subventionen weg

„Wir stehen auch dafür ein, dass wir in Zukunft keine Subventionen mehr brauchen. Wir würden gerne marktgängige Erlöse erzielen. Aber da in dem Weizenpreis auch so viele Umweltleistungen mit drin sind, ist das halt nicht machbar. Wir würden aber gerne irgendwie von den Subventionen weg kommen, vor allem von den flächenbezogenen Subventionen“, erklärt Ruzycki abschließend.

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