Für die einen Ausdruck der Zukunft, anderen ein Dorn im Auge - Windräder. Foto: Mario Thurnes
Für die einen Ausdruck der Zukunft, anderen ein Dorn im Auge - Windräder. Foto: Mario Thurnes

Noch kein einziges Windrad ist in diesem Jahr im Saarland fertig gebaut worden. Das hat die “Fachagentur Windenergie an Land” mitgeteilt. Dabei wäre Geld für Investitionen da. Doch Klageverfahren und fehlende Genehmigungen würden den Ausbau ausbremsen.

Deutschland ist in Sachen Strom zweigeteilt. Wobei hier die Grenze ausnahmsweise nicht den Westen und den Osten trennen, sondern den Süden und den Norden. Vereinfacht ausgedrückt: Oberhalb des Mains gibt es den Strom, unterhalb würde er von der stark ausgeprägten Industrie gebraucht.

Was Norden und Süden verbindet: In beiden Regionen ist der Bau von Windrädern gleichmäßig eingebrochen. Das Verhältnis bleibt seit Jahren in etwa konstant. Auf zwei Windräder, die im Süden gebaut werden, kommen acht im Norden. Und das obwohl die Bundesnetzagentur unterhalb der Main-Linie den Bau von Kraftwerken regelmäßig als “systemrelevant” einstuft.

Auch im Saarland gelten Neubauten als “systemrelevant”. Trotzdem ist hierzulande der Bau von Windrädern auf Null zurückgegangen. Das ist sonst nur in den Stadtstaaten passiert: also Hamburg, Bremen und Berlin. Am meisten gebaut wurde in Niedersachsen (36 Anlagen), Nordrhein-Westfalen (21 Anlagen) und Brandenburg (19 Anlagen).

Ein Achtel der Leistung von 2017

“Die ersten neun Monate des Jahres 2019 sind die zubauschwächsten für die Windenergie seit 20 Jahren”, teilt die Fachagentur mit. Zwischen Januar und September seien 148 Anlagen ans Netz gegangen, die zusammen auf eine Leistung von 507 Megawatt kommen. Zum Vergleich: 2017 waren es 4169,5 Megawatt in den ersten drei Quartalen.

Die Agentur hat das Marktstammdatenregister ausgewertet. In dem Register sind all die Turbinen erfasst, für die eine Genehmigung notwendig wird – also Anlagen mit einer Leistung von mindestens 750 Kilowatt.

Die Fachagentur sieht zwei wesentliche Gründe für den Rückgang: Zum einen würden sich die Genehmigungsverfahren in die Länge ziehen. Zum anderen würden viele Bauprojekte durch Klageverfahren behindert. Eine Marktanalyse habe ergeben, dass Projekte mit einer Gesamtleistung von 700 Megawatt so derzeit nicht zustande kämen. Die Verfahren dauerten im Schnitt zwei Jahre.