Die Mainzerin Katharina Binz hat den Wahlkreis Mainz I gewonnen. Damit ist sie die erste Grüne, der es in Rheinland-Pfalz gelungen ist, ein Direktmandat zu ergattern. Für den bisherigen Abgeordneten Johannes Klomann (44) bedeutet es das vorläufige Ende seiner Landtagskarriere.

Binz und Klomann lieferten sich ein spannendes Rennen – Kopf an Kopf. Zu Beginn der Auszählung lag Klomann noch in der Innenstadt vorne. Doch als gut zweidrittel der Stimmbezirke ausgezählt waren, überholte ihn Binz. Aber es blieb bis zum Schluss knapp.

Am Ende hieß es 29,6 Prozent für Katharina Binz und 29,2 Prozent für Johannes Klomann. Real waren das nicht mal 200 Stimmen. Binz rückte 2017 für Eveline Lemke in den Landtag nach. Da sie mit einem guten Listenplatz ausgestattet war, wäre sie 2021 auch ohne das Direktmandat wieder in den Landtag gekommen.

Zittern für Klomann

Update, 145.3.2021, 8.55 Uhr:

Das gilt zuerst nicht für Johannes Klomann. Er ist für die nächsten fünf Jahre raus. Auf der Landesliste hatte der Vorsitzende der SPD Mainz den wenig aussichtsreichen Listenplatz 36. Der Landeswahlleiter hat mittlerweile die Liste der gewählten Abgeordneten veröffentlicht. Demnach ist Klomann nicht mehr im Landtag vertreten.

Ende Update

2014 war Klomann Ortsvorsteher der Mainzer Neustadt geworden. Dort folgte er auf seinen Bruder Nico. Der war wiederum 2009 der erste grüne Ortsvorsteher in Rheinland-Pfalz geworden. 2019 war dann Schluss für Johannes Klomann – er unterlag wieder einem Grünen, Christoph Hand.

Alle vier Stadtteile, die den Wahlkreis Mainz I bilden, werden von grünen Ortsvorsteher:innen geführt. Deswegen war Binz im BYC-Interview auch optimistisch, das Direktmandat erobern zu können.

Binz die Steherin

Binz ist 38 Jahre alt und stammt aus Zell an der Mosel. Ihr politischer Weg war von Umwegen geprägt. Nach der Wahl 2011 stand sie zwischenzeitlich als erste Nachrückerin auf der Landesliste, doch keiner schied mehr aus. Sie kandidierte um den Landesvorsitz, wurde aber im ersten Versuch abgelehnt.

Sie verlor gegen den Koblenzer Uwe Diederichs-Seidel. Die Partei meuterte. Binz bekam es ab. Zu viele Kompromisse waren aus Sicht der Basis in der Koalitionsbildung mit der SPD gemacht worden. Außerdem hatte die Partei drei von drei Ministerämtern mit Frauen besetzt. Wäre Binz gewählt worden, hätten auch der Partei drei Frauen vorgestanden – offenkundig war das den Männern zu viel.

Diederichs-Seidel galt 2013 als gescheitert. Jetzt wählte die Partei Binz. Doch das schlechte Ergebnis 2016 wurde in der Folge auch ihr angeheftet. Doch Binz ist eine Steherin, eine gute Organisatorin und eher leise. Große Töne hat sie sich im Vorfeld verkniffen. Obwohl ihr historischer Sieg in der Luft lag.