Foto: Melanie Weingart

Immer wieder wurden in den letzten Wochen Rehkitze die „gefunden“ wurden ins Ingelheimer Tierheim gebracht oder gar mit nach Hause genommen. Was erst einmal wie eine nett gemeinte Hilfe aussieht, ist in Realität jedoch eine Katastrophe.

„Sie wurden gefunden, lagen einfach so da in Wald, Feld oder den Weinbergen, sie sind auch gar nicht weggelaufen und die Mutter war auch nicht dabei….“

Was Melanie Weingart, Tierschutzbeauftrage des Ingelheimer Tierheims erlebt, löst bei ihr nur Kopfschütteln aus. In solchen Fällen sei eine Rückführung der Tiere leider nicht mehr möglich. Rehe sind Wildtiere!

Rehe sind Fluchttiere

Rehwild einfach mit nach Hause zu nehmen verstößt gegen das Tier- und Naturschutzgesetz und man macht sich gleichzeitig der Wilderei strafbar.

Rehe sind Fluchttiere. Die Überlebensstrategie des Nachwuchses besteht darin, sich zu verstecken um sich bei Gefahr quasi unsichtbar machen zu können. Dies ist auch ein Grund, für die typische Fellfärbung der Jungtiere. Auch das die Mutter nicht neben ihrem Kitz steht ist ganz normal, da sie sonst potentielle Fressfeinde auf ihren Nachwusch aufmerksam machen würde. Angangs kommt sie nur zum Säuge des Nachwuchses, solange bis es einer gemeinsamen Flucht bei Gefahr gewachsen ist.

Foto: Melanie Weingart

Alleine ein Anfassen des Kitzes durch den Menschen kann bereits dazu führen, dass die Ricke es nicht mehr annimmt, was einen tragischen Tod durch Verhungern mit sich bringt.

Melanie Weingart erklärt wie man sich richtig verhalten sollte.

Wenn man ein Rehkitz findet und den Eindruck hat, es benötigt Hilfe, lässt man es, ohne es zu berühren, wo es ist und informiert den zuständigen Jagdpächter.

Sollte dieser nicht bekannt sein, kann die örtliche Polizeidienststelle informiert werden.

In Rheinhessen gibt es klare Absprachen und gute Zusammenarbeit zwischen Jagdpächtern, Polizei, Tierschutz und Tierärzten.

Ganz selten gibt es Fälle, dass ein Kitz tatsächlich Hilfe braucht, wenn es verletzt oder die Mutter ausgefallen ist (in der Regel durch Hunde -die trotz Schon- und Setzzeit ohne Leine unterwegs waren).

Solche Kitze werden uns in der Regel direkt von Jägern selbst gebracht.

Kompetente und autorisierte Wildtierstationen

„In unserem Tierheim können wir diese Zwerge nicht aufziehen, sie würden viel zu zahm werden, was eine Rückführung/Auswilderung am Ende schwierig bis unmöglich macht”, so die Tierschutzbeauftragte.

Foto: Melanie Weingart

Es braucht fachkompetente und autorisiert Wildtierstationen die dieses leisten können. Um den nötigen und artgerechten Sozialkontakt gewährleisten zu können, sind in solchen Stationen weitere Rehe eingebunden.

Die Tierhelfer Ingelheim e.V. kümmern sich darum, das jedes gebrachte Kitz einen solchen Platz bekommt. Hierzu legen die Helfer oft weite Strecken zurück, damit die Kitze einen solchen Platz bekommen können.

Bambi-Effet widerstehen

Da diese Plätze sehr kostbar und auch rar sind, sollten sie auch nur den Tieren zur Verfügung stehen, die sie wirklich benötigen.

„Ich kann den ‚Bambi-Effekt‘ wirklich nachvollziehen. Kleine Rehkitze sind allerliebst und wecken bei uns Menschen alle Sinne hier zu kümmern, zu schützen, zu liebkosen“, so Melanie Weingart

Klar muss jedoch sein, dass man als vernünftiger Tierfreund jedoch seine persönlichen Bedürfnisse und Wünsche zugunsten von „Bambi“ zurückstellen sollte.

Ein Reh gehört in die Natur, weder auf eine Couch noch auf den Arm und auch nicht in den Vorgarten.