Will, dass ein Wumms durch Deutschland geht, Bundeskanzlerin Angela Merkel | Foto: CDU

Die Maßnahmen gegen das Corona-Virus werden immer noch von einer Mehrheit gestützt, ergibt das Politbarometer, das das ZDF veröffentlicht hat. Doch zum einen gehen die Zustimmungswerte insgesamt deutlich zurück. Und zum anderen gibt es mittlerweile weniger Menschen, denen die Maßnahmen nicht weit genug gehen, als es Menschen gibt, die sagen: Es wird übertrieben.

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In der Kurvendiskussion kennt man Wendepunkte. Von diesen aus führt die Kurve – vereinfacht ausgedrückt – in die andere Richtung. Diesen Wendepunkten gehen Flachpunkte voraus. Nach diesen verläuft die Kurve – ebenfalls vereinfacht ausgedrückt – zwar noch in die alte Richtung, aber mit einer deutlich schwächeren Neigung.

Die Zahlen des am Freitag veröffentlichten ZDF-Politbarometer weisen auf einen Flachpunkt hin. 66 Prozent sagen immer noch, dass die Maßnahmen „gerade richtig sind“. Zum Beginn der Krise waren es noch 75 Prozent. Damals sagten 20 Prozent, die Maßnahmen müssten härter ausfallen und nur 4 Prozent hielten sie für „übertrieben“. Dieses Verhältnis dreht sich gerade: 17 Prozent finden die Maßnahmen nun „übertrieben“ und 15 Prozent meinten, sie müssten härter ausfallen. An den 100 Prozent fehlen jeweils die, die keine Meinung zu dem Thema äußern wollten.

Es gibt eine parteipolitische Auffälligkeit im Politbarometer: 59 Prozent der AfD-Anhänger halten die Maßnahmen für „übertrieben“. Bei den anderen Parteien liegen die Werte zwischen 7 und 16 Prozent. Am Anfang der Krise bescheinigten 89 Prozent der Befragten der Bundesregierung eine gute Arbeit in der Krise. Den aktuellen Gegenwert dazu veröffentlicht das ZDF dieses mal nicht.

Lockerungen zahlen sich politisch nicht aus

In der Sonntagsfrage fallen Union und SPD jeweils um einen Prozentpunkt: auf 38 beziehungsweise 15 Prozent. Für die Union ist das allerdings immer noch ein deutlich besserer Wert als etwa im Februar. Die AfD klettert wieder um einen Prozentpunkt auf nun 10 Prozent, die Grünen bleiben bei 18 Prozent. Waren sie vor Corona auf Augenhöhe mit der Union, erreichen sie laut dem Politbarometer derzeit nicht mal die Hälfte von deren Wählerzahlen.

Geht es nach dem Politbarometer, lohnt sich ein Lockerungskurs aber politisch nicht. Das lässt sich aus den Einzelwerten ableiten, die Politiker erreichen. Der nordrhein-westfälische Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) ist seit April von 1,0 auf 0,6 gesunken, FDP-Chef Christian Lindner von plus 0,1 auf minus 0,3. An der Spitze des Vergleichs stehen Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU, 2,6) und der bayerische Ministerpräsident Markus Söder (CSU, 2,1), die sich für einen langsameren Weg bei den Öffnungen ausgesprochen haben.

Eine Mehrheit von 53 Prozent geht laut Politbarometer davon aus, dass Corona noch nicht überstanden ist und eine „Zweite Welle“ an Infizierungen droht. 43 Prozent glaubt das nicht. Umgekehrt ist das Verhältnis bei der Frage, wie stark sich die Einzelnen selbst gefährdet sehen: Da erwarten 54 Prozent für sich „keine großen Gefahren“ und 45 Prozent glauben, dass das Coronavirus sie persönlich gefährdet. Auch hier fehlen jeweils an den 100 Prozent diejenigen, die zu diesen Fragen keine Meinung äußerten.

Die Umfrage zum Politbarometer hat die Mannheimer Forschungsgruppe Wahlen im Auftrag des ZDF durchgeführt. Der Sender berichtet heute in seinen Formaten ausführlich über die Ergebnisse. Unter anderem im „heute journal“. Die Befragung von 1282 zufällig ausgewählten Wahlberechtigten fand laut ZDF vom 12. bis zum 14. Mai statt.

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