Der Don im Rudel. Foto: Anja Schinnen
Viel wird über Haustiere gesagt und geschrieben. Hier kommt eines selber zu Wort: der Don: „Der Tag der toten Ente“ haben der Dicke und ich gesehen. Nun habe ich mir von dem Titel zwar etwas anderes versprochen. Aber davon abgesehen hat der Film mich dazu gebracht, über unser Rudel nachzudenken.

In einem Film, der nach einer Ente benannt ist, sollte diese mehr als einmal im Bild zu sehen sein. Und sie dann mit einem alten Brot erschlagen… Hallo, geht’s noch? Da springt man der Ente ins Wasser nach und holt sie sich dort. So geht Jagen.
Zwischen der Enttäuschung über fehlende Enten und unmögliches Jagdverhalten habe ich aber dem Boy aus „About a boy“ zugehört, wie der Film im Original heißt. Was im Übrigen ein besserer Titel ist. Weil der Junge deutlich häufiger im Bild ist als die Ente. Und dann hätte ich… – … aber das führt uns wieder vom eigentlichen Thema weg.
Jedenfalls hat der Junge gesagt, dass Zwei eine wackelige Konstellation bedeuten. Wenn einer ausfällt, ist der andere allein. Deswegen sollte man zu dritt, besser noch zu viert sein. Ich konnte dem Gedanken etwas abgewinnen. Auch wenn ich versuche, dass der Dicke mir nichts anmerkt, so sind mir eigentlich Zwei für ein Rudel auch zu wenig.

Ich hatte schon viele Rudel

Oh, ich hatte schon viele Rudel. Und ich rede nicht von den unglücklichen Tagen in Bosnien, die in einer Auffangstation geendet sind. Auch nicht von den schwierigen Monaten danach, bis ich den Weg zum Dicken gefunden habe. Beim Dicken habe ich mehrere Rudel erlebt. Co-Rudel.
Foto: Mario Thurnes

Vor allem in Krisenzeiten: Ich denke an Astrid, die mit mir Gassi gegangen ist, als der Dicke humpelte. Oder an mein Hierscheider Rudel, das mich aufnimmt, wenn der Dicke auf Reisen geht. Oder an Andy, Diana, Sylvio, Regina oder Eva, wenn der Dicke sonstwie ausgefallen ist.

Dann gab es auch viele Menschen, die ich unterhalten und deren Leben ich bereichert habe, während der Dicke auf der Arbeit als unabkömmlich galt. Das war oft schön. Weil bei denen mehr los war. Und ein Rudel, das mit mehreren Teilnehmern durch die Stadt zieht, wird ganz anders wahrgenommen. Ihr kennt mich nur als bescheiden, aber es macht mir auch Spaß, mal ein wenig bossy zu sein.
Lange Zeit mussten wir auf dem Weg zum Schorsch an einem anderen Hund vorbei. Eigentlich eine arme Sau, weil der kaum Spaziergang bekommen hat. Andererseits ein Arsch. So wie er mich verbellt hat, hat es mir nur wenig Spaß gemacht, an ihm vorbeizugehen.

Es hilft, Luke und Spike dabei zu haben

An Vatertag sind wir dann im Rudel an ihm vorbei: Luke, Spike und ich, dazu noch vier Menschen. Das hat mir gefallen. Jetzt müsste er angreifen, dachte ich mir. Und habe es ihm auch so laut ich nur konnte übers Gelände geplärrt. Leider hat er nicht angegriffen. Also als ich im Rudel war.
Das beständigste Rudel, das ich habe, sind denn auch die Jungs beim Schorsch. Mir geht es gar nicht, um das Essen, das ich dort kriege. Wobei das bitte jetzt keiner als Aufforderung verstanden haben soll, dass das in irgendeiner Form weniger wird. Ich bestehe mindestens auf der Ration an der Theke, dem, was Norbert mir mitbringt, was von den Tischen runterfällt und… ich schweife schon wieder ab. Da muss was dran sein an der kurzen Aufmerksamkeitsspanne von Hunden. Einmal zum Beispiel… – … ok, ich schweife ab.
Ich mag die Abende beim Schorsch. Auch nach dem Essen. Vor allem im Winter. Ich liege dann in meiner Ecke unter dem Automaten. Die anderen reden. Und ich döse. Ich mag es sehr, wenn ich vertraute, sympathische Stimmen höre, während ich vor mich hindenke.
Dabei liege ich auf der Jacke, die der Dicke mir als Decke hinlegt. Wir Zwei sind vielleicht für ein Rudel zu wenig. Aber zusammen mit den Co-Rudel geht es. Und eigentlich hätte es schlimmer kommen können.
Der Dicke und ich, ich im Vordergrund. Selfie: Der Don

1 KOMMENTAR

Comments are closed.