Symbolfoto Kommunikation: Pixabay

Und dann fallen die Worte, die so weh tun, wie eine Zahnarzt-Behandlung: „Ich habe Dir doch eine Direktnachricht geschickt. Wieso hast Du die nicht beantwortet?“ Nun, dafür gibt es einen einfachen Grund: Weil’s zu viel wird, allmählich – mit all den Nachrichten.

Einmal am Tag kam der Postbote. Das waren noch Zeiten. Denn danach hatte man immer noch Zeit, auf Bitten, Grüße oder Botschaften von anderen zu reagieren. Im Zweifelsfall war ein „Die Post hat’s verschlampt“ immer auch eine glaubwürdige Ausrede, das Ganze nochmal hinauszuzögern. Es waren die Zeiten der entspannten Kommunikation.

Das ist lange vorbei. Heute hat jeder einen eigenen Mailzugang. Privat und dienstlich. Dazu kommen noch die privaten Pseudonyme, die man angelegt hat – etwa um sich ungeniert auf einer Partnerbörse anmelden zu können. Und in der Firma muss man vielleicht nicht nur den privaten Account pflegen, sondern noch den des Vertriebs oder des Marketings.

Aber das ist längst nicht alles. Es gibt ja auch noch Skype und WhatsApp. Andere schwören auf die Direktnachrichten von Facebook oder Twitter. Sogar Instagram ermöglicht die – und Pinterest. Nicht zu vergessen: Selbst 2019 verschicken noch Leute übers Handy SMS.

Wo bleibt die Antwort?

So kommt der digitale Mensch schnell in den zweifelhaften Genuss, zehn oder zwölf Nachrichtenkanäle im Auge behalten zu müssen. Und zwar am besten stündlich. Es soll Chefs geben, die um 10.20 Uhr eine Mail an Mitarbeiter schicken, die von 10 bis 11.30 Uhr in einer Besprechung sitzen – und um 11 Uhr eine Mail nachreichen, warum die erste noch nicht beantwortet ist.

Das ist ein großes Thema für Gewerkschaften. Gegen solche Praxen sollten die Gewerkschaftsbosse laut protestieren. Für den Anfang wäre es aber schon mal hilfreich, wenn sie es mit ihren Mitarbeitern nicht selber so machen würden.

Doch auch Leute, die keine Gehaltschecks unterschreiben, üben Druck aus. Das verdanken wir der Haken-Funktion, über die manche Messenger verfügen – und die dem Absender verraten, dass die Botschaft angekommen ist. Und innerhalb von fünf Minuten beantwortet wird.

Nichts rechtfertigt eine Verzögerung

Denn jeder Versender von Nachrichten weiß: Klar, hat der andere ein Leben. Aber keines das Gründe liefert, die rechtfertigen würden, nicht unmittelbar auf mich zu reagieren.

Besonders lustig wird’s, wenn zwei Personen öfters miteinander im Kontakt sind und über verschiedene Wege kommunizieren: „Kannst Du mir per Mail, die SMS beantworten, die ich Dir geschickt habe? In fünft Minuten! Die Daten, die Du dazu brauchst, habe ich Dir neulich über Facebook, WhatsApp und Pinterest geschickt.“

Dann geht die Sucherei los. Und wehe dem, der dann nicht alle notwendigen Passwörter für Mails, Facebook, WhatsApp und so weiter parat hat.