Der Don mag keine Kläffer. Foto: Der Dicke

In dieser Serie kommt das andere Ende der Leine zu Wort: Der Don. “Wenn Du auch so wirst, bringe ich dich ins Tierheim.” Mal davon abgesehen, dass der Dicke diesen Witz schon einmal zu oft gemacht hat – und er meine Gefühle tief verletzt… Inhaltlich hat er recht: Kläffer sind unerträglich.

Ich jage Ratten, durchsuche Müll und lerne andere kennen, in denen ich ihnen am Hintern rieche. Kurzum: Ich bin ein Hund und ich verhalte mich auch gerne so. Zwar gehe ich Kompromisse ein, weil ich mit einem Menschen zusammen lebe und die Annehmlichkeiten dieses Zustands zu schätzen weiß. Aber ich will ein Hund bleiben.

Das ist leider nicht jedem Genossen vergönnt. In der Umgebung lebt zum Beispiel ein Kläffer. Das Problem ist er. Die Ursache sein Frauchen. Zum einen geht sie nur wenig mit ihm spazieren. Ich kenn das selber. Wenn der Dicke mal wieder Humpelfuß hat und ich nur zum Nötigsten vor die Tür komme, bin ich auch immer mies gelaunt.

Wenn der arme Kerl dann aber draußen mal einen Genossen trifft, nimmt sie ihn in Panik auf den Arm, schlenkert ihn durch die Gegend wie einen Cognacschwenker und stammelt hektisch vor sich hin. Hunde zu treffen, ist eine Krisensituation – eine Gefahr. Welch andere Lehre soll der arme Kerl aus dem Verhalten seiner Bezugsperson ziehen?

Krisensituation anderer Hund

Und diese Lehre zieht er reichlich. Dass er nicht vor die Tür darf, kompensiert er damit, am Fenster zu liegen. Wenn dann die Krisensituation “Anderer Hund kommt vorbei” aufzieht, plärrt er vom Leder. Auch nachts. Sein Frauchen reagiert dann so smart wie gewohnt und schreit, er solle still sein. Was gerade nachts den direkten Nachbarn einen schönen Kanon aus Gescrhei und Gekläffe bietet.

Andererseits muss man sein Frauchen verteidigen: In einer Stadt gibt es andere Hunde und die gehen spazieren. Täglich. Das ist ein Schluss, den mancher Erkenntnisapparat überfordert. Vor allem die Apparate, die nicht sonderlich gut ausgestattet sind.

Für draußen hat der Dicke die “Frauchen-Regel” aufgestellt. Sie lautet: “Dummes Frauchen gleich dummer Hund”. Wir halten uns daran, was mich dazu nötigt, an manchen vorbei gehen zu müssen, ohne auch nur am Hintern gerochen zu haben.

Die Frauchen-Regel

Aber – so ungerne ich es zugebe – der Dicke hat recht: Wenn ein Frauchen einen Hund an der Leine hält, wie ein Segel im Orkan. Wenn es mit der Antwort auf den Gruß “Guten Tag” so überfordert ist, wie ein Analphabet mit dem Deutsch-Abi. Kurz: Wenn es andere Hunde zu treffen, als Krisensituation wahrnimmt, dann ist auch meist der Hund mit dem Szenario überfordert.

Der Dicke meint, ich solle noch erwähnen, dass es auch Männer gibt, die sich so verhalten. Das sei zwar eine pflichtschuldige, inhaltsleere Floskel. Aber in Zeiten von Political Correctness gebe es welche, die würden zum Kläffer, wenn man es weglässt. Der Dicke halt.

Der Dicke und ich, ich im Vordergrund. Selfie: Der Don

Weitere Teile der Serie finden Sie hier.