Der Don am Mainzer Hauptbahnhof. Foto: Der Dicke

In dieser Serie kommt das andere Ende der Leine zu Wort: Der Don. Ich bin den Dicken losgeworden. Für eine Woche. Ich mache Urlaub. Auf dem Land. Und ich vermisse den Dicken auch überhaupt nicht. Echt jetzt.

Jetzt, da diese Zeilen entstehen, läuft Football. Das bedeutet für mich: auf der Couch liegen und warten. Auf Leckerlis. Auf Gassi. Und hatte ich Leckerlis schon? Wenn’s ganz blöd läuft, werfen die Falschen einen Touchdown und dann wird der Dicke auf eine Weise laut, die mich schon ab und an ein wenig beunruhigt.

Das macht aber nix. Denn ich bin auf dem Land. Liege auf der Couch und lasse den Abend langsam auslaufen. Ich musste auch keine langweilige Landtagswahl mit anschauen. Stattdessen durfte ich mit in den Garten.

Foto: Der Dicke

Dort gibt es Katzen, Hühner und neuerdings auch einen Hasen. Den durfte ich exklusiv begrüßen, als er zu den Eltern des Dicken gekommen ist. Das Land ist toll. Und wenn mich meine Nase nicht im Stich lässt, laufen hier auf der Wiese sonst Rehe und Füchse rum. Das Land ist toll und den Dicken vermisse ich überhaupt nicht.

Ich bin in einer bosnischen Stadt nahe der serbischen Grenze groß geworden. Und ich lebe in Mainz. Ich bin ein Stadthund. Obwohl ich ursprünglich mal ein Jagdhund werden sollte. Und immer noch ein veritabler Jäger bin. Deswegen fühle ich mich wohl auf dem Land. Aber wartet mal einen Augenblick, könnt’ sein, dass das der Dicke ist an der Tür.

Ich warte nicht auf den Dicken

Falscher Alarm. Das war nicht der Dicke. Also nicht, dass mir jetzt der Eindruck aufkommt, ich würde auf den Dicken warten. Echt nicht. Ich bin das gewöhnt woanders zu schlafen. Bei seinen Eltern. Bei Fenia und Andy. Bei Sylvio. Oder Eva. Ich habe schon oft auswärts geschlafen.

Ich habe als junger Hund viel mitgemacht. Meine Jugend endete in einer Auffangstation. Nur dank sehr netter Leute endete dort nicht auch mein Leben. Seit der Zeit bin ich genügsam. Und offen. Ich gehe vertrauensselig auf Menschen zu. Auch wenn es mich ein wenig irritiert, wie viele mich mit Namen kennen, seitdem diese kleine Serie erscheint.

Als ich aus Bosnien nach Deutschland kam, musste ich mehrfach umziehen. Ich hatte mehrere Pflegeeltern. Dazwischen adoptierte mich jemand, gab mich aber wieder zurück. Dann kam der Dicke. Es hat vier Wochen gedauert, bis ich mich bei ihm zuhause gefühlt habe. Dafür war ein Rückfall notwendig.

Ich war mit dem Dicken über Ostern bei seinen Eltern. Mal davon abgesehen, dass ich mit dem dämlichen Kater Krach bekommen habe, dachte ich, dass ich umziehen muss. Schon wieder. Das hat mich ziemlich konfus gemacht und ich habe es den Dicken an dem Wochenende auch spüren lassen. A propos Dicker: Ist der gerade gekommen?

Zuhause ist, wo mein Körbchen ist

Nein. Das war er nicht. Zurück zu Ostern: Als wir mit der Bahn nach Mainz gefahren sind, war ich immer noch schlecht gelaunt. Und mürrisch. Bis wir an der Haustür standen. Da ging mir die Rute aus dem Hintern und ich habe mich gefreut, daheim zu sein. Ich bin durch die Wohnung gelaufen und alles, was mir wichtig ist, war noch da: Mein Napf, wenn auch leer. Mein Körbchen. Und die Couch.

An dem Abend bin ich zum Dicken auf die Couch. Ich habe mich auf seine Brust gelegt, ihn angeschaut und habe über Zuhausesein nachgedacht. Darüber bin ich eingeschlafen. Ab dem nächsten Tag hat mir das Leben mehr Spaß gemacht.

Ich bin gerne bei anderen. Vor allem bin ich abends gerne beim Schorsch. Und ich übernachte auch gerne auswärts. Aber danach will ich nach Hause. Doch jetzt komm’ ich ins Quatschen. Dabei müsste ich mal an die Tür schauen gehen, ob er kommt. Auch wenn ich den Dicken nicht vermisse.

Der Dicke und ich, ich im Vordergrund. Selfie: Der Don

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