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Nachrichten Bingen | Der Steinbruch in Trechtingshausen bietet ein beeindruckendes Bild. So beeindruckend wie der Steinbruch ist, so bedeutsam ist er auch für die Gemeinde Trechtingshausen, die eine Fläche von 8,22 Quadratkilometern und 1028 Einwohnern (Stand 31.12.2020) hat. Boost your City sprach bei einem Termin vor Ort mit Dr. Willem Douw, dem Betriebsleiter der Hartsteinwerke Sooneck GmbH, über die Geschichte des Steinbruchs.

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Die Geschichte des Steinbruchs

Bereits seit 1835 existiert der Steinbruch, wie Urkunden im Gemeindearchiv von Trechtingshausen belegen. Namesgeberin ist die nördlich liegende Burg Sooneck. Die von der Gemeinde gepachteten Areale wurden zunächst von verschiedenen Pächtern in kleineren Aufschlüssen betrieben. In der Zeit von 1941 bis 1945 ruhte der Betrieb. Anschließend wurde der Abbau durch die alten Pächter wieder aufgenommen.

Im Jahr 1956 fasste man die Abbauaktivitäten zusammen. Diese wurden dann durch das Unternehmen „Steinwerke bei Burg Sooneck“ geleitet. Das Unternehmen belieferte unter anderem den holländischen Kaufmann Wilhelmus de Beijer. Als die Steinwerke bei Burg Sooneck den Betrieb aufgeben wollten, boten sie Wilhelmus de Beijer an, den Steinbruch zu übernehmen. Dies geschah im Jahr 1963, seitdem er im Besitz der Familie de Beijer ist. Zudem ist der Steinbruch seit dem Jahr 2002 Teil des UNESCO-Welterbes Oberes Mittelrheintal.

Quelle: Dr. Willem Douw | Steinbruch Sooneck

Wie sich der Abbau verändert hat

Abgebaut wird dort ein Taunusquarzit. Es handelt sich dabei um ein Sedimentgestein, das vor rund 400 Millionen Jahren entstand und etwa genauso fest ist, wie ein Basalt. Im Laufe der Jahre hat sich der Abbau stark verändert. Damals wurde das Material noch durch Handarbeit mit einem Hammer abgebaut und zerkleinert. Mittels Schlitten wurde das Material dann bergabwärts zum Rhein gezogen und dort verladen. Nach dem Verladen wurde dann das Material mit den Schiffen in der Regel rheinabwärts abtransportiert.

Im Laufe der Zeit hat man Gleisen auf dem Hang zum Rhein verlegt, worüber die Steine dann zu den Schiffen transportiert wurden. Dafür wurde das sogenannte Bremsbergprinzip genutzt. Dabei fuhr eine Gondel, die auf Gleisen lief, den Berg hinauf und hinab. Ein Gegengewicht sorgte dafür, dass die Gondel entweder nach oben gezogen wurde oder herunter fahren konnte.

Die ersten Fahrzeuge

Seit dem Ende des zweiten Weltkriegs läuft ein Großteil der Arbeit über Maschinen und auch der Transport wird seitdem mit Lastwagen bewältigt. Bei den Ersten Lastwagen handelte es sich meist um Überbleibsel aus dem Krieg. Im Steinbruch wurde beispielsweise ein Dodge Ram für den Transport genutzt. Dieser wurde 1942 gefertigt und ging dann zunächst an das britische Militär. Nach dem Krieg wurde der Dodge Ram im Jahr 1957 zusammen mit vier weiteren Fahrzeugen zum Steinbruch in Trechtingshausen gebracht. Somit konnten die abgebauten Steine erstmals mit einem Fahrzeug transportiert werden. Mit dem Dodge Ram konnten man damals rund drei Tonnen transportieren, mit den heutigen Lastwagen sind rund 60 Tonnen möglich.

Der Dodge Ram im Steinbruch Trechtingshausen | Foto: Chiara Forg

Die Erasmusbrücke in Holland beinhaltet Steine aus Trechtingshausen

Ursprünglich wurden in dem Steinbruch Baumaterialien für regionale Bauvorhaben und den Hochwasserschutz entlang des Rheins sowie seiner Nebenflüsse abgebaut. Nach dem zweiten Weltkrieg ist der Steinbruch auch ein wichtiger Lieferant für die Küstenverteidigung von Holland geworden, berichtet Dr. Willem Douw.

Unter anderem wurde auch die bekannte Erasmusbrücke in Rotterdam (Holland) aus dem Material aus Trechtingshausen gebaut. Die Erasmusbrücke ist eine Schrägseilbrücke und führt über die Nieuwe Maas. Sie ist rund 802 Meter lang, 139 Meter hoch und 33,80 Meter breit.

Der Steinbruch heute

Der Steinbruch ist in der Zwischenzeit 25 Hektar groß rund 400 Meter tief. Insgesamt sind dort 34 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter beschäftigt. Das Gelände ist in verschiedene „Solen“ aufgeteilt, welche die Abschnitte der Terrassenförmigen Stufen beschreiben und eine Orientierung geben. Dieser stufige Aufbau ist typisch für einen Steinbruch und erleichtert den Abbau und den Transport von oberen Bereichen zu den unteren.

Alle 14 Tage wird gesprengt

Der dort abgebaute Taunusquarzit wird mit Hilfe von Sprengstoff vom Felsen gelöst. Dafür wird mit einem Bohrgerät ein Loch in das Gestein gebohrt. In dieses Loch werden dann 1-2 Tonnen Sprengstoff gefüllt und von Dr. Willem Douw, der ebenfalls Sprengmeister ist, gesprengt. Alle zwei Wochen immer mittags um 12:00 Uhr wird eine Sprengung durchgeführt, bei der sich rund 20.000 bis 30.000 Tonnen Gestein lösen.

Bei dem Sprengstoff handelt es sich um ein Gemisch aus Dünger und Dieselöl. Dies sei der gleiche Dünger wie bei der Explosion in Beirut (Libanon), erklärt Dr. Douw. Zum Vergleich gibt er ein Beispiel: 2,5 Kilo von diesem Sprengstoff reichen aus, um ein Haus in Schutt und Asche zu legen.

50.000 Tonnen monatlich

Monatlich werden rund 50.000 Tonnen des Taunusquarzit im Steinbruch Trechtingshausen abgebaut. Nach der Sprengung wird das Material mit Baggern in einen Lastwagen gefüllt. Mit den LKWs werden die Steine zu einem Kipptrichter transportiert und dort hinein geschüttet. Unter dem Kipptrichter befindet sich ein sogenannter Brecher. Dieser zerkleinert alle Steine, die zu groß sind, um sie zu verkaufen. Anschließend werden die Steine über Förderbänder zu vier Sieben transportiert. Dort werden die Steine gesiebt und nach Größe sortiert. Die Steine fallen dann, je nach Größe, auf unterschiedliche Haufen. Anschließend werden diese Steine verladen und entweder mit dem Schiff oder mit LKWs über die Bundesstraße B9 abtransportiert.

Steinbruch Trechtingshausen | Foto: Chiara Forg

Herstellung von Rheinsteinton

Beim Abbau entstehen natürlich nicht nur große Steine, sondern auch kleine Steine, die zunächst nicht verkauft werden können. Diese Steine werden beim Sieben aufgefangen und zu einer anderen Anlage transportiert. Auch in dieser Anlage gibt es zwei Brecher, welche die kleinen Steine noch weiter zerkleinern. Anschließend wird das Material erneut gesiebt.

Aus dem feinsten Sand, der dabei ausgesiebt wird, wird im Anschluss sogenannter Rheinsteinton hergestellt. Dafür wird der Sand in einer großen Anlage mit Wasser überschwemmt und aufgeweicht, bis der Ton daraus entsteht. Für 1.000 Tonnen des des Materials werden 400 Kubikmeter Wasser hinzugegeben, das teilweise aus dem Rhein hochgepumpt wird. Der hergestellte Ton kann dann verkauft und beispielsweise zu Ziegelsteinen gebrannt werden.

Ein wichtiger Faktor für Trechtingshausen

In der Zwischenzeit ist der Steinbruch in Trechtingshausen der Einzige, der direkt am Rhein liegt und auch eine eigene Möglichkeit hat, Schiffe zu beladen. Als erhebliche Einnahmequelle für den kommunalen Haushalt und als Arbeitgeber für viele Anwohner ist er außerdem ein wichtiger, wirtschaftlicher Faktor für den Ort. Der Steinbruch gehört mittlerweile deutschlandweit zu den ganz Großen, berichtet der Betriebsleiter, der hofft, dass dies noch möglichst lange so bleibt.

Serie über die Hartsteinwerke Sooneck GmbH:
Teil 1: Hartsteinwerke Sooneck: Die Geschichte vom Steinbruch Trechtingshausen
Teil 2: Erweiterungen vom Steinbruch Trechtingshausen sind notwendig
Teil 3: Steinbruch Trechtingshausen soll Touristenattraktion werden

Teil 4: Steinbruch Trechtingshausen als Attraktion der Buga2029 geplant
Teil 5: Hartsteinwerke Sooneck: Steinbruch Trechtingshausen wird leiser und sauberer

Video vom Steinbruch in Trechtingshausen

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