DGB-Chef Eugen Roth. Foto: DGB

Das Saarland ist massiv von Kurzarbeit betroffen. Die Gewerkschaften und die Arbeitskammer schlagen nun Alarm: Wenn das Kurzarbeitergeld nicht aufgestockt wird, droht dem Land ein Kaufkraftverlust, der weit über die Krise hinaus reicht.

9000 Betriebe haben im Saarland zum 13. April Kurzarbeit angemeldet. Das hat die Agentur für Arbeit mitgeteilt. Zum Vergleich: Im Januar waren es 57 Betriebe. Kinderlose erhalten bei Kurzarbeit 60 Prozent des Nettolohns – Elternteile 67 Prozent.

„Zehntausende Beschäftigte im Land erhalten Kurzarbeitergeld, nicht selten sind in Familien die Einkommen beider Elternteile betroffen“, sagt Eugen Roth, für das Saarland zuständiger Vorsitzender des Gewerkschaftsbundes DGB. Und er stellt sich eine Frage: „Wir sollen die Betroffenen damit über die Runde kommen?“

Appell an die Arbeitgeber

Roth, der auch für die SPD im Landtag sitzt, fordert eine Erhöhung des Kurzarbeitergeldes auf mindestens 80 Prozent: Er sieht dabei vor allem die Arbeitgeber in der Pflicht. Sie würden bei der Kurzarbeit vollständig von den Sozialabgaben befreit, diesen Vorteil sollten sie mit ihren Arbeitnehmern teilen. Aber: „Die Mehrheit der Arbeitgeber entzieht sich der Aufstockung des Kurzarbeitergeldes. Deshalb appellieren wir an die Politik, das Kurzarbeitergeld auf mindestens 80 Prozent des Nettolohns aufzustocken.“

Die Arbeitskammer des Saarlandes schließt sich dem DGB an. Grundsätzlich müsse der Arbeitgeber das Kurzarbeitergeld nicht aufstocken, es sei denn ein Tarifvertrag oder eine Betriebsvereinbarung enthalten entsprechende Regelungen hierzu. „In vielen Branchen und Betrieben gibt es aber keine tarifvertraglichen Zuschüsse zum Kurzarbeitergeld“, so Kammer-Vorstand Jörg Caspar.

Beschäftigte mit geringem Einkommen könnten bei einem Nettoeinkommensverlust von 40 Prozent nicht lange über die Runden kommen. Viele Kurzarbeiter würden schon jetzt Hartz IV beziehen. Dem Saarland drohe ein Verlust an Kaufkraft, der über die Corona-Krise hinaus anhalten werde: „Es wird Monate dauern, bis sich die Familien finanziell einigermaßen erholt haben. Das kann nicht der Plan sein, um die Wirtschaft nach der Krise wieder anzukurbeln“, so Caspar.