Wenn es um Aktien geht, ist Deutschland gespalten. Nach einer Umfrage des Deutschen Instituts für Altersvorsorge betrachten 43 Prozent der Deutschen die Aktie als zu unsicher. Das hat Folgen. Allein im ersten Quartal 2018 haben Sparer hierzulande 7,1 Milliarden Euro an möglichem Vermögen verloren, weil sie ihr Geld in schlecht verzinste Anlagen investiert haben, hat eine Studie der Beratungsgesellschaft Barkow ergeben. Anders als es ihr Ruf vermuten lässt, ist mit der Aktie eine planvolle Altersvorsorge möglich. Es braucht dafür Geduld, Strategie und verfügbaren finanziellen Spielraum.


Aus Fehlern in der Aktienanlage gelernt

Über Börsencrashs gibt es wilde Geschichten. Besonders legendär ist der Zusammenbruch von 1929: Menschen ließen sich von einer Wahrsagerin beraten; nahmen Kredite auf, um zu investieren oder campierten in New York im Auto und warteten dort darauf, dass aus ihrer Investition ein Vermögen wird und sie als reiche Menschen in die Provinz zurückkehren können.

Doch das ist über 90 Jahre her. Seitdem hat sich das Wissen um Aktienmärkte gemehrt, so wie auch Wissenschaft oder Handwerk heute nicht mehr die selben sind, wie sie es in den 20er Jahren des vergangenen Jahrhunderts waren. Für die Verantwortlichen der Aktienmärkte bedeutet das, zu wissen, wie sich Panikreaktionen bei Kursbewegungen nach unten vermeiden lassen. Für die Anlieger bedeutet es, über die Möglichkeiten von Strategien zu verfügen.

Geduld

Nun gehören Kursschwankungen zur Natur der Aktie. Doch da greift die erste Anforderung für Investoren: Geduld. Verluste werden erst real, wenn eine Aktie verkauft wird. Wer langfristig an Aktien festhält, für den sind Schwankungen oft nur eine theoretische Größe. Untersuchungen haben ergeben, dass Inhaber mit einer Rendite von fünf Prozent rechnen können, wenn sie Ihre Anlagen länger liegen lassen.

Zur Rendite gehören auch Dividenden, die die Unternehmen kontinuierlich an ihre Aktionäre ausschütten. Bedeutet, dass Anleger am Gewinn des Unternehmens beteiligt werden. Zudem gibt es einen weiteren positiven Aspekt: Investoren sollten sich anschauen, in welche Unternehmen sie langfristig ihr Geld anlegen wollen. Schließlich wird, wer Aktien kauft, Miteigentümer eines Unternehmens.

Strategie

Zur Zeit des Neuen Marktes galt die Regel: Image und Vision zählt mehr als Substanz. Viele setzten ihr Geld daher auf ein Unternehmen, das sie nicht kannten. Doch so gehen Glücksspieler vor. Gleich zwei Fehler wurden hier begangen: Die Anleger schauten auf die Ankündigungen der Unternehmen, nicht auf seine Zahlen – und sie setzten alles auf eine Karte, statt das Geld zu streuen. Für private Anleger sind Fonds daher eine Möglichkeit, das Risiko bei der Aktienanlage zu streuen. In der Aktienanlage empfiehlt es sich, sich ein langfristiges Ziel zu setzen: Sinnvoll ist, für die Altersvorsorge ein Versorgungsniveau zu erreichen, das die Hälfte des letzten Nettoeinkommens vor Steuern beträgt. Um die Rentenlücke zu schließen, braucht ein Rentner, der mit dem Sparen 2015 begonnen hat und jährlich 3 Prozent seines Bruttoeinkommens zur Seite legt, eine jährliche Rendite von 4,3 Prozent. Wegen der höheren Lebenserwartung sind es bei Frauen 4,6 Prozent. So erreichen sie bei einem Renteneintritt im Jahr 2060 und einer weiteren Lebenserwartung von 21 Jahren das Sparziel.

Zieht man zum Vergleich langfristige Staatsanleihen westlicher Industriestaaten heran und geht von einer Rendite von zirka 1 Prozent aus, müsste eine Rentnerin einen Anteil von 9,8 Prozent, der Rentner immerhin 8,5 Prozent des Bruttoeinkommens sparen, um die Versorgungslücke zu schließen. „In der Pandemie können wir beobachten, dass mehr Menschen für die Altersvorsorge sparen möchten“, erklärt Thomas Bach, Pressesprecher der Sparkasse Mainz, das aktuelle Sparverhalten in Deutschland. „Es wird nicht nur mehr gespart, sondern auch anders als in den Vorjahren. Zwar sind Lebens- sowie Rentenversicherungen weiterhin beliebt; im Vergleich zu 2019 wurden beide jedoch weniger abgeschlossen. Laut einer Umfrage im Auftrag des Deutschen Sparkassen- und Giroverbandes legte dagegen der Absatz von Investmentfonds im selben Vergleichsjahr um drei Prozent zu. Klassische Anlageformen wie Tagesgeld- und Sparkonten seien für die Befragten eher ungeeignet“, so Bach weiter.

Historisch betrachtet pendelte die Sparquote deutscher Haushalte meist um ca. 10 Prozent. Folglich müssten fast die gesamten Ersparnisse in die Altersvorsorge gesteckt werden, um den Lebensstandard im Alter zu sichern. Dieses Szenario ist jedoch völlig unrealistisch. Aktien sind daher eine überlegenswerte Alternative, um die Einkommenslücke im Alter zu schließen.

Verfügbarer finanzieller Spielraum

Eine Situation sollte unbedingt verhindert werden: Durch finanzielle Not gezwungen werden, Aktien zu verkaufen, wenn der Markt ungünstig ist. Deswegen empfiehlt es sich, Geld anzulegen, das nicht für den täglichen Unterhalt benötigt wird.

Eine Möglichkeit sind die Vermögenswirksamen Leistungen. Unternehmen geben bis zu 40 Euro im Monat hinzu, um ihren Arbeitnehmern den Aufbau einer privaten Altersvorsorge zu ermöglichen. Diese Summe kann unter anderem in Aktienfonds investiert werden. Der Staat unterstützt diese Anlageform durch Gewährung der Arbeitnehmersparzulage.
Arbeitnehmer erhalten in diesem Jahr zusätzlichen Spielraum. Der Staat hat den Solidaritätsbeitrag abgeschafft. Nur noch Besserverdienende und einige Unternehmen müssen diesen bezahlen. Der so frei gewordene Spielraum könnte für die Altersvorsorge genutzt werden.

Welche Anlageform ist also die richtige? Das muss letztlich jeder für sich entscheiden. Aber nicht allein. Bach: „Im persönlichen sowie umfassenden Beratungsgespräch können unsere Spezialisten für jeden Kunden die passende und individuelle Form der Altersvorsorge ermitteln. Denn nur wer seine Möglichkeiten kennt, kann eine wohlüberlegte Entscheidung für seine Zukunft treffen.“

Eine persönliche Beratung gibt es vor Ort

Adresse:
Sparkasse Mainz
Bahnhofstraße 1
55116 Mainz
Tel: 06131 – 200 9 100
Hier gibt es weitere Informationen rund um die Altersvorsorge.