Die Jagd bestimmt mich fremd. Foto: Mario Thurnes
Viel wird über Haustiere gesagt und geschrieben. Hier kommt eines selber zu Wort: der Don: Ich bin süchtig. Das ist aber nicht so lustig, wie es sich anhört. Denn meine Sucht bestimmt mich fremd, auch wenn ich das Ergebnis manchmal selber gar nicht will. Meine Sucht nennt sich Jagdtrieb.

Der Dicke und ich, wir schauen uns in die Augen: „Dooohhhnnn, hierher! Nein! Bleib!“, warnt er nachdrücklich. Und ich möchte auf ihn hören. Eigentlich. Aber da ruft noch jemand anderes nach mir. Der Wald. Keine 500 Meter entfernt. Mit all seinen Gerüchen und seinen Möglichkeiten: zu jagen.
Der Dicke ruft nach mir, kämpft – und verliert. Ich drehe mich um und renne in den Wald. Die Tür hat offen gestanden. Nur kurz. Jetzt bin ich weg. Was da passiert, kann ich kaum beschreiben. Gerüche jagen durch meinen Kopf, der Gedanke an Blut, Beißen und Laufen, jagen. Laufen, laufen, einfach laufen – bis das Ziel erreicht ist. Oder weg.
Enten im Visier? Geduldig bis zur Selbstaufgabe. Foto: Mario Thurnes

Dann lässt der Rausch nach. Es folgt der Kater. Ich möchte nach Hause. Ich suche den Heimweg. Es ist – das muss ich zugeben – der Dicke, der mich findet. Die Stimmung ist mies. Der Dicke ist sauer. Weil ich weggelaufen bin. Vor allem aber, weil ich ihn angeschaut habe, bevor ich weggelaufen bin – und mich dann gegen ihn entschieden habe.

Doch habe ich mich entschieden? Oder doch nicht etwas in mir, das ich nicht beherrsche? Ich jage nicht, weil ich Hunger habe. Auch wenn ich manchmal anders lamentiere – aus taktischen Gründen. Grundsätzlich gibt es beim Dicken genug zu essen. Es ist die Jagd, wegen der ich jage.

Jagen ist stärker als Donner

Der Dicke und ich, wir gehen nicht gerne spazieren, wenn es regnet. Wenn es gewittert oder Feuerwerkskörper gezündet werden, dann gehe ich sogar von mir aus zurück. Egal was der Dicke dann will. Ich will nach Hause und wir gehen dann auch nach Hause. Wir rennen. Fast. Der Dicke kann nicht mehr so lange laufen.
Aber egal wie verängstigt ich bin vom Gedonnere, und auch egal, wie sehr es schüttet: Wenn sich da was im Gebüsch bewegt, bleibe ich stehen und gehe in Hab-Acht. Der Jagdtrieb ist stärker, als der Wunsch, der mich gerade noch bestimmt hat – der Wunsch nach Hause zu gehen. Der Trieb ist stärker als ich.
Es wird mit der Zeit besser. Ich lasse mich mittlerweile abrufen, wenn Eichhörnchen oder andere Hunde im Garten sind. Ich will nicht von zu Hause weg. Die Zeit in Bosnien habe ich nicht vergessen: Eingesperrt auf einen Quadratmeter, kein Auslauf, nicht einmal zum Kacken und auf einer alten Automatte schlafen. Bei allem Lamento. Im Vergleich dazu ist es beim Dicken ganz passabel.
Doch der Trieb bestimmt mich. Immer noch. Das ist auch nicht lustig. Sorry. Beim nächsten dann wieder.
Der Dicke und ich, ich im Vordergrund. Selfie: Der Don

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