Die Zehnfingerabdrucksammlung des Hessischen Landeskriminalamts umfasste Hunderttausende Blätter.

35 Frauen und Männer machten den Anfang: Sie legten wenige Monate nach Ende des Zweiten Weltkriegs den Grundstein für das Hessische Landeskriminalamt – heute eine Landesbehörde mit über 950 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern und zentrale Dienststelle der Kriminalpolizei des Landes.

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Anlässlich des Jubiläums wurde eine 120 Seiten umfassende HLKA-Chronik verfasst, die ab sofort für alle Interessierten zum Download zur Verfügung steht.

Für die Chronik des Hessischen Landeskriminalamts wurde in eigener Sache „ermittelt“ – in alten Unterlagen, Zeitungsarchiven, Fotobänden, Jahresberichten und mehr.

„Das HLKA übernimmt seit einem Dreivierteljahrhundert eine herausragende Verantwortung für unser demokratisches Gemeinwesen und für die Rechte sowie die Freiheiten, die in unserer Verfassung konstituiert sind. Seine Mitarbeiter leisteten heute mehr denn je einen herausragenden Beitrag für die Sicherheit Hessens. Für das erfolgreiche Engagement und den Einsatz für unser Land danke ich allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des HLKA sehr herzlich. Die heute vorgestellte Chronik gibt einen bislang einmaligen Einblick in die Geschichte der Behörde. Ich wünsche unterhaltsame und informative Stunden mit diesem Werk“, so Peter Beuth, Hessischer Minister des Innern und für Sport.

120 Seiten starke Chronik

Sabine Thurau, Präsidentin des Hessischen Landeskriminalamts, sagt: „Wir freuen uns, in diesem Jahr unser 75-jähriges Bestehen feiern zu können und sind sehr stolz auf das Erreichte. Die heute vorgestellte Chronik nimmt die Leserinnen und Leser mit auf eine Zeitreise durch die Historie des Amtes und die jüngere Kriminalgeschichte Hessens.“

Heute arbeiten im Hessischen Landeskriminalamt auf dem Schiersteiner Berg in Wiesbaden knapp 1000 Menschen.

Das 120 Seiten starke Werk ist eine der Aktionen rund um das 75-jährige Jubiläum, die ein engagiertes Organisationsteam des Hessischen Landeskriminalamts geplant und vorbereitet hatten: Neben einem Festakt im Biebricher Schloss mit geladenen Gästen sollten Bürgerinnen und Bürger an mehreren Wochenenden bei geführten Krimi-Touren durch das Amt die Möglichkeit haben, einen fiktiven Mordfall zu klären und dabei die Behörde, ihre Aufgaben- und ihr Leistungsspektrum kennenzulernen. Zudem war eine behördeninterne Feier geplant. Dann kam die COVID-19-Pandemie und damit auch Veranstaltungsverbote und Abstandsregelungen.

Sabine Thurau, Präsidentin des Hessischen Landeskriminalamts, sagt: „Natürlich ist es sehr schade, dass wir das 75-jährige Bestehen unserer Behörde nicht wie geplant feiern können. Wir blicken jedoch nach vorne und hoffen, die Veranstaltungen nachholen zu können, sobald dies bedenkenlos möglich ist.“

In der Zwischenzeit wird mit der Chronik an das Jubiläum des Hessischen Landeskriminalamts erinnert. Für die Chronik wurde in eigener Sache ermittelt: in alten Unterlagen, Fotobänden und Jahresberichten, in Zeitungen, Bibliotheken und Archiven. Zeitzeugen und heutige Mitarbeiter kommen zu Wort. Organisation und Aufgaben des Hessischen Landeskriminalamts veränderten sich in den vergangenen 75 Jahren stetig, immer angepasst an die Kriminalitätsentwicklung und den technischen und wissenschaftlichen Kenntnisstand – wesentliche Einschnitte und Neuerungen werden in der Chronik kurzweilig skizziert. Aber es wird auch an spektakuläre Kriminalfälle erinnert, an deren Aufklärung das Hessische Landeskriminalamt maßgeblich mitgewirkt hat.

Turbulente Zeit zur Gründung

1945 waren die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Hessischen Landeskriminalamts in einem Altbau in der Wiesbadener Rheinstraße 22 untergebracht.

Die Gründung des Hessischen Landeskriminalamts – deutschlandweit das erste Amt seiner Art – fiel in eine turbulente Zeit: Der Polizeiapparat musste nach Ende des Zweiten Weltkriegs neu organisiert werden, den amerikanischen Besatzern war es wichtig, eine Machtkonzentration zu vermeiden. Gleich mehrfach wurde das junge Amt in den ersten Jahren umbenannt – hieß zunächst „Zentralstelle zur Bekämpfung von Kapitalverbrechen“, kurz darauf dann „Landeskriminalpolizeiamt“ und nur wenig später „Landeskriminalbüro“. Erst 1956 erhielt die Behörde ihren heutigen Namen. 1965 trat das Hessische Gesetz über die öffentliche Sicherheit und Ordnung in Kraft und schuf einen bis heute geltenden Rechtsrahmen: Das Hessische Landeskriminalamt ist demnach die „zentrale Dienststelle der Kriminalpolizei des Landes“ und bearbeitet Strafsachen, wenn es der Innenminister allgemein oder im Einzelfall anordnet, die zuständige Polizeidienstelle darum ersucht oder wenn es dies wegen der Bedeutung der Tat für erforderlich hält.

Hatten die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Hessischen Landeskriminalamts anfangs vielfach mit Nachkriegskriminalität – etwa Fälschungen von Lebensmittelmarken – und mit dem Sammeln von polizeilich relevanten Informationen zu tun, sind sie heute in den Bereichen Schwere und Organisierte Kriminalität, Polizeilicher Staatsschutz und Cybercrime-Ermittlungen tätig. Die Behörde unterstützt zudem die hessischen Polizeipräsidien bei Ermittlungen und Einsätzen, im Kriminalwissenschaftlichen und -technischen Institut arbeiten Vollzugsbeamtinnen und -beamte mit Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern Hand in Hand. Die Behörde ist Dienstleister und Servicestelle der hessischen Polizei, Informations- und Kommunikationszentrale, Impulsgeber und mehr. Sie arbeitet in enger Kooperation mit dem Bundeskriminalamt und den Landeskriminalämtern der Bundesländer zusammen, ist international vernetzt. All das ist Thema in der lesefreundlich aufbereiteten Chronik, die mit zeitgeschichtlichen Bildern garniert ist.

„Braune Wurzeln“ ehemaliger Mitarbeiter

Einblick in das chemische Labor des Hessischen Landeskriminalamts. Bereits 1951 wurde der erste Chemiker eingestellt.

Doch nicht nur die Sternstunden des Hessischen Landeskriminalamts finden in der Chronik Erwähnung. Im Rahmen der Recherche tauchte unter anderem die Frage nach möglichen „braunen Wurzeln“ ehemaliger Mitarbeiter auf. „Wir lassen diesen Aspekt nicht unangesprochen, möchten dem Thema allerdings breitere Aufmerksamkeit schenken, als es im Rahmen der Chronik möglich ist“, sagt Präsidentin Sabine Thurau. Es sei entschieden worden, den Komplex extern aufarbeiten zu lassen. „Wir wollen Licht in diesen Teil der Geschichte unserer Behörde bringen“, betont die Präsidentin des Hessischen Landeskriminalamts.

Die Chronik steht Interessierten ab sofort auf mehreren Wegen zur Verfügung. Interessierte wenden Sie sich hierzu per E-Mail an 75jahre.hlka@polizei.hessen.de.

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