Quelle: Stadt Bingen

Nachrichten Bingen | Es ist ein Umzug der besonderen Art, der stattfinden muss, um mit dem Bau der Park & Ride-Anlage in Bingerbrück zu beginnen. Die Rodungs- und Räumungsarbeiten an der ehemaligen Ladestraße der Deutschen Bahn, in der Verlängerung der Straße Am Rupertsberg sind bereits abgeschlossen. Jetzt müssen die dort lebenden und streng geschützten Mauereidechsen umgesiedelt werden und zu ihrem neuen Domizil gebracht werden, damit der Bau beginnen kann.

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Dabei besteht keine Gefahr für die Reptilien

Spezielle Fangeinrichtungen ermöglichen es dem Experten-Team um Diplom-Biologe Thomas Merz die Eidechsen einzufangen. Das Vorgehen ist für die Tiere völlig gefahrlos, denn die Spezialisten für Reptilien wissen genau, wie sie arbeiten müssen. Geduld, Fingerspitzengefühl, ein geschultes Auge und die notwendigen Fachkenntnisse sind Voraussetzungen, um gemäß den gesetzlichen Vorgaben artgerecht handeln zu können. Mit einer speziellen Schlinge werden die Eidechsen gefangen. Durch ihre Schuppenhaut können sich die Tiere dabei nicht strangulieren. Bis Ostern konnten bereits 148 Eidechsen und eine unerwartet gefundene junge Schlingnatter umgesiedelt werden.

Quelle: viriditas – Dipl.-Biol. Thomas Merz

Ein neues Quartier für die Eidechsen

Die Mauereidechse lebt, wie es bereits ihr Name sagt, in Mauerritzen und Felsspalten. Daher finden sie in den Weinbergen des Mittelrheins ihren perfekten Lebensraum. Aber auch in den schotterreichen Gleisanlagen und Böschungen von Bahnanlagen sind die gut 20 Zentimeter langen, braun marmorierten Reptilien häufig zu finden.

Das neue Quartier der licht- und wärmebedürftigen Reptilien, die bevorzugt Insekten, Asseln und Spinnentiere fressen, ist am Rande der brachliegenden Bahngleise, nördlich des Parks am Mäuseturm. Dort wurden zwei Flächen entsprechend hergerichtet und mit einem Reptilienzaun abgegrenzt um zu verhindern, dass die umgesiedelten Tiere wieder an ihren ursprünglichen Lebensraum zurückkehren und sich so Gefahren aussetzen. Auch wird sich mindestens drei Jahre lang eine Überwachung der Umweltfachbegleitung an die Umsiedlung der Eidechsen anschließen.

Die Umsiedlung muss vor Beginn der Eiablage gegen Ende Mai beziehungsweise Anfang Juni erfolgt sein. Danach werden bis Ende August die alte Güterhalle und zwei Außenunterstände abgerissen. Anschließend kann mit der Herstellung der Verkehrsflächen begonnen werden.

Park & Ride-Anlage soll 2,5 Millionen Euro kosten

Die Vergaben für die Folgegewerke sind bereits in der Vorbereitung. Die Gesamtkosten werden auf rund 2,5 Millionen Euro geschätzt, wovon ein Förderzuschuss des Landes Rheinland-Pfalz zur Verbesserung der kommunalen Verkehrsverhältnisse in Höhe von knapp 2 Millionen Euro gewährt wird. Wenn alles nach Plan läuft, könnte die P&R-Anlage mit einer Größe von rund 5.500 Quadratmeter und knapp 200 Parkplätzen Ende 2021 oder Anfang 2022 freigegeben werden. Die Parkplätze sollen vorrangig für Bahn-Pendler zur Verfügung stehen und die angespannte Parksituation im Stadtteil Bingerbrück entschärfen.

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