Die Teilnehmer des Camps: V.o.l.: Markus Reinecke, Elena Miras, Toni Trips, Daniela Büchner und Marco Cerullo V.u.l.: Günther Krause, Sonja Kirchberger, Prince Damien, Raúl Richter, Anastasia Avilova und Sven Ottke. Foto: TVNOW/ Arya Shirazi

Die 14. Staffel von „Ich bin ein Star – Holt mich hier raus!“ startet an diesem Freitag (21.15 Uhr) auf RTL. Eine der erfolgreichsten und routiniertesten Zugmaschinen des Kölner Senders. Die Aufregung im Vorfeld gehört dazu.

Kann angesichts dieser Naturkatastrophe das Dschungelcamp stattfinden? Die Frage wurde schon 2011 gestellt. Damals herrschte in Australien eine große Flut. Die Aufregung der jüngsten Tage, ob das Camp angesichts der Buschbrände ausfallen solle, ist also nicht neu. Irgendwann wird der Sender in der Aachener Straße ein Denkmal für den „Unbekannten Politiker“ errichten. Denn deren herausgeblasenen Forderungen haben die PR-Maschinerie der Show schon mehrfach befeuert.

RTL wird das Dschungelcamp durchziehen. Zu viel Geld hängt an der Show. Außerdem ist sie ein wichtiges Zugpferd: 5,37 Millionen Zuschauer haben die letzte Staffel nach Senderangaben im Schnitt gesehen. In der werberelevanten Gruppe der 14- bis 59-Jährigen war es fast jeder Dritte. RTL braucht diesen Schwung, auch um die Formate zu pushen, die bis Ostern das Programm bestimmen werden.

Auf Brände und Trockenheit hat RTL bereits reagiert. Offenes Feuer wird es nicht geben. Zudem versteht der Sender es, solch schwierigen Bedingungen zum eigenen Vorteil zu nutzen: Weil der Bachlauf ausgedörrt ist, wird es eine Waschstelle geben. Also ein weiterer Platz im Camp, an dem es zwischen den Bewohnern zu Konflikten kommen wird.

Diese Konflikte sind das Blut der Show. Erst wenn sich die Bewohner zoffen, wird es richtig unterhaltsam – und klettern die Quoten nach oben. So wie 2011. Als Sarah Dingens das Camp so kirre machte, dass fast alle Bewohner mit dem eigenen Auszug drohten. Die Zuspitzung dieses Konflikts wollten über 10 Millionen Menschen sehen. Dienstags. Nach 22 Uhr.

Sie müssen sich zoffen

In den vergangenen Jahren hat RTL auch lahme Staffeln erlebt. Kaum ein Teilnehmer weiß nicht, worauf er sich einlässt. So entwickeln sie Strategien, um eben nicht in dem krawalligen Licht zu erscheinen, in dem der Sender sie in Szene setzen will. Gelingt ihnen das, leidet der Zuschauer. Denn kaum etwas ist so langweilig, wie ein hinterklassiger Promi, der seine PR-Profilierung abspult.

Wobei RTL zwei mächtige Hebel besitzt, um das zu verhindern: Zum einen der Hunger. Je geringer und eintöniger die Verpflegung ausfällt, desto dünner werden die Nervenstränge. Der andere Hebel sind die Kippen. Dürfen die Teilnehmer nicht rauchen, flippen einzelne aus.

In diesem Jahr soll der Teamchef über den Vorrat wachen. Wer wann eine anstecken darf, soll noch strenger als bisher limitiert werden. Da wird manch Süchtiger vor eine harte Probe gestellt.

Ohnehin ist genau das die Stärke des Formats. Den Allerwenigsten gelingt es im Dschungel, das vorbereitete Image durchzuhalten. Dann wird aus dem superharten Fußballer ein Weichei, das jammernd vorzeitig aufgibt. Der Erotikstar sieht plötzlich aus wie Julchen vom Kiosk – und verhält sich auch so. Und der Motivationsguru döst nur noch in der Hängematte.

Das Format gibt viel Zeit

Kaum ein TV-Format gibt seinen Teilnehmern so viel Zeit, den Charakter zu entwickeln. Manche profitieren davon. Etwa Costa Cordalis, der vom Schlagersänger zum Camp-Chuck-Norris mutierte. Melanie Müller, unter deren dicken Schminkschichten sich ein sympathischer Mensch entblätterte. Oder Menderes, der vom Casting-Loser zum Dschungelkönig aufstieg.

Als Argument wird gerne vorgetragen, dass keine echten Stars ins Camp gehen. Wer das betont, hat das Format nicht verstanden. Switch hat mal in einem Sketch Dieter Bohlen, Günther Jauch und die damals aktuelle ESC-Siegerin Lena als fiktive Figuren ins Camp einziehen lassen. Sie hätten im Lager die Contenance gewahrt – und wären somit langweilig gewesen.

Negativ ausgedrückt: Das Brechen der Würde ist Teil des Formats Dschungelcamp. Das lässt nur mit sich machen, wer Geld oder Aufmerksamkeit so dringend braucht, dass er bereit ist, Ärger und Ekelkrams runterzuschlucken.

Vom Image bleibt nichts übrig

Positiv ausgedrückt: Am Ende bleibt nicht der Star, wie er gerne sein will. Sondern der Mensch, wie er tatsächlich ist. Und dann ist Michaela Schaffrath nicht mehr der ehemalige Pornostar, sondern die nette Krankenschwester, die sich am Lagerfeuer rührend um den finanziell gebeutelten Ex-Torwart Eike Immel kümmert.

Wer geht dieses Jahr ins Camp? Ein ehemaliger Bundesminister, eine ehemalige Blockbuster-Schauspielerin und ganz viele Wesen aus der Halbwelt der Castingshows. Wer sich davon profilieren wird? Kann jetzt kein Außenstehender sagen. Prominenz ist jedenfalls kein Kriterium. Zu den langweiligsten Auftritten aller Zeiten gehörte der von Ex-Weltmeister Thomas Häßler oder der von Erpresser „Dagobert“.

Den Unbekannten Politikern sei noch zum Trost gesagt: RTL wird dieses Jahr keine lebenden Tiere als Speise anbieten. Wer das aber für einen Sieg der Moral hält, darf sich daran zwar freuen, liegt aber falsch. Zum einen generiert der Verzicht eine der Meldungen, die RTL im Vorfeld der Show braucht. Und zum anderen ist es nach 13 Staffeln einfach langweilig geworden, zu sehen, wie ein zitternder Teilnehmer einen zitternden Wurm in der Hand hält.

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