Symbolfoto: Pixabay

Soll es künftig Vater und Mutter heißen oder nicht doch lieber: Elternteil eins und Elternteil zwei. Diese Frage diskutiert derzeit das Bundesfamilienministerium von Franziska Giffey (SPD). Das sei zwar schön und gut, merkt die CDU-Organisation „Lesben und Schwule in der Union“ Saar (LSU) an. Wichtiger sei aber, bi- und homosexuelle Paare endlich rechtlich gleich mit heterosexuellen zu behandeln.

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Doch. Das Bundesfamilienministerium bemüht sich um nicht-heterosexuelle Menschen. Erst jüngst hat Giffeys Haus die Seite Regenbogenportal.de ins Netz gestellt. Dort werden Fragen beantwortet wie: Welche Unterschiede gibt es bei der medizinischen Behandlung für Menschen, die bisexuell sind? Oder was müssen Intersexuelle angesichts der Corona-Pandemie beachten? Auch wichtig: Die Ministerin ist zu sehen, wie sie die Regenbogenflagge hisst.

Zudem hat das Ministerium angeschoben, ob es künftig – zum Beispiel an Schulen – Elternteil eins und Elternteil zwei heißen müsse, statt den diskriminierenden Begriffen Vater und Mutter. Anstatt solche Diskussionen zu führen, sagt der Vorsitzende der LSU Saar, Thomas W. Schmitt, „brauchen wir erst mal eine tatsächliche rechtliche Gleichbehandlung von biologischen Müttern und Vätern sowie einen praktikablen Rechtsrahmen für weitere Bezugspersonen“.

Thomas W. Schmitt. Foto: LSU Saar

Zum Beispiel lesbische Paare. Bekommt eine der beiden Partnerinnen ein Kind, gelte nur sie rechtlich gesehen als vollwertige Mutter, moniert Schmitt. Obwohl die Partnerinnen im sozialen Sinn Mütter seien oder – wenn es denn sein muss: Elternteil zwei. Wollen sie Eltern im rechtlichen Sinn werden, müssen sie den Weg der „Stiefkindadoption“ wählen.

Nun steht ein Adoptionshilfegesetz an. Doch das könne zu einer neuen Schlechterstellung von lesbischen Paaren führen, warnt Schmitt. Denn anders als bei heterosexuellen gäbe es dann für lesbische Paare eine Beratungspflicht. Darin sieht Schmitt neue Hürden.

Auch im Abstammungsrecht würden heterosexuelle Paare und andere ungleich behandelt. So wird ein Ehemann automatisch als Vater anerkannt – unabhängig von der Frage, ob er es biologisch tatsächlich ist. Eben dies gelte aber für lesbische Paare nicht.

Biologie kommt zurück ins Spiel

„Ausgerechnet dort, wo aber der gesellschaftspolitische Fortschritt darin bestand, schwule und lesbische Paare mit Heterobeziehungen gleichzustellen, kommt die Biologie zurück ins Spiel“, sagt Schmitt. Die aus dieser Situation entstehenden Konflikte seien kein seltenes Problem in Regenbogenfamilien. Aber auch in klassischen Familien würden bei Sorgerechtsstreitigkeiten nach Scheidungen tendenziell meistens die Mütter bevorzugt. Daraus ergebe sich eine „Ohnmacht der Väter“.

„Diese Zustände gehen mittlerweile an der Lebensrealität vieler gelebter Familien-Modelle vorbei“, sagt Schmitt. Der Landesvorstand der LSU spreche sich daher dafür aus, die Rolle der biologischen Väter zu stärken. Sie dürften rechtlich nicht im Abseits stehen.

Helfen könnten Fortbildungen für Familienrichter. Zudem fordert die LSU die Länder auf, das Thema Familienrecht zum Pflichtstoff für juristische Staatsexamina zu machen. Denn diese Entscheidungen würden das künftige Schicksal von Kindern maßgeblich beeinflussen.