Symbolfoto: Mario Thurnes

Die NFL startet in der Nacht zum Freitag in die 55. Saison. Wegen Corona werden die Stadien nur teilweise gefüllt sein. Da der Virus in den USA massiv zugeschlagen hat, war lange unklar, ob die beste Football-Liga der Welt in diesem Herbst überhaupt stattfinden kann. Die deutschen Übertragungsrechte liegen wieder bei der Pro7-Sat1-Gruppe – diese wertet die NFL in diesem Jahr auf.

Etwas weniger als ein halbes Jahr ist es her, dass die Kansas City Chiefs in einem vollen Stadion in Miami den Super Bowl LIV gewannen. Quarterback-Star Patrick Mahomes beeindruckte wieder mit einer Aufholjagd – am Ende stand es 31 zu 20 gegen die San Francisco 49ers.

Nun eröffnet der Titelverteidiger am Donnerstag – Freitag, 2.10 Uhr nach deutscher Zeit – gegen die Houston Texans die Jagd auf den Super Bowl LV. Die Fans freuen sich auf das Duell zweier großer, junger Quarterbacks, wenn Mahomes auf Deshaun Watson trifft, der sich laut ESPN gerade für weitere vier Jahre an die Texans gebunden hat – gegen die Zahlung von 111 Millionen Dollar. Wenn’s blöd läuft. Klappt es besser, kann Watson bis zu 177,4 Millionen Dollar verdienen.

Doch ein komplett sorgenloses Vergnügen wird das Spiel kaum werden. Wegen der Corona-Krise dürfen die Chiefs nur gut ein Fünftel der Karten verkaufen. Und selbst auf diese ist der Run überschaubar. An diesem Montag gab es auf der Internetseite der Franchise noch Karten zu kaufen. Die verminderte Zuschauerzahl gilt auch für die darauf folgenden Heimspiele gegen die New England Patriots und gegen die Las Vegas Raiders.

Die USA gelten als weltweiter Spitzenreiter, was die absoluten Zahlen an Infektionen betrifft. Laut NTV sind es 6,3 Millionen gemeldete Fälle. In Indien und Brasilien sind es um die 4 Millionen gemeldete Fälle. Entsprechend müssen die Zuschauer Masken tragen. Auch für die beliebten Partys vor dem Spiel, die auf dem Parkplatz des Stadions stattfinden, gibt es strenge Regeln.

Teilweise Wechsel ins Hauptprogramm

In Deutschland wird das Spiel von RanNFL übertragen. Allerdings läuft die Premiere nicht auf dem Spartensender Pro7Maxx, sondern auf dem Hauptsender Pro7. Das gilt auch für die zweite Sonntagspartie der New Orleans Saints gegen die Tampa Bay Buccaneers, das nach deutscher Zeit gegen 22.30 Uhr beginnt. Davor sind auf Pro7Maxx die Patriots gegen die Miami Dolphins zu sehen, Beginn etwa 19 Uhr.

Es sind zwei Spiele, die beide für das Ende und den Beginn einer Ära stehen. Bei den Patriots tritt zum ersten Mal Cam Newton an – nach zwei Jahrzehnten mit Tom Brady. Sehr erfolgreichen Jahrzehnten mit sechs Super-Bowl-Ringen. Brady verkörperte dabei die Philosophie des Patriots-Trainers Bill Belichick: Disziplin bis zur Selbstaufgabe. Den Gegner mit kurzen Pässen und Laufspiel beherrschen und nur selten den Ball in die Tiefe werfen. Die Pocket nur bei Bombenalarm oder schlimmerem verlassen.

Newton ist in etwa der Gegenentwurf zu Brady. Mit dem Satz „Cam is a scoring machine“ wurde einst für ein Bezahl-TV-Angebot geworben. Er läuft selber, befreit sich aus schwierigen Situationen und reagiert viel stärker und flexibler als Brady auf das Geschehen nach dem Snap. Für Zuschauer bedeutet das die größere Party. Es wird aber spannend zu sehen sein, ob das der Ordnungsfanatiker Belichick auf Dauer zulässt.

Newton könnte auf Tua Tagovailoa treffen. Zu College-Zeiten galt „Tua“ als das größte Talent des Sports. Doch zwei schwere Verletzungen haben seinen Lauf jüngst gestoppt. Statt an erster Stelle wurde er erst als Fünfter unter den Talenten gedraftet. Eben von den Dolphins.

Brees gegen Brady

Deswegen ist es möglich, dass Coach Brian Flores zum Start auf den 37 Jahre alten Quarterback Ryan Fitzpatrick setzt. Im Training übernahm er meist die Rolle des Starting-Quarterbacks. Tua könnte dann einerseits seine Verletzungen auskurieren und andererseits an die andere Spielanlage herangeführt werden, die in der NFL im Vergleich zum College-Football herrscht.

Im anschließenden Spiel kann dann Brady bei den Bucs zeigen, ob er auch südlich von Neu England der „Größte aller Zeiten“ ist. Dabei trifft er ausgerechnet auf Drew Brees. Viele feiern den Quarterback der Saints als den eigentlich besten auf der Position im vergangenen Jahrzehnt. Doch den Super Bowl gewonnen hat er nur ein mal.

Deutsche in der NFL

Angesichts der Corona-Pandemie war auch ein möglicher Streik der Spieler ein Thema. Doch bis auf wenige Ausnahmen treten alle an. Zu viele. Sodass wie üblich in der Woche vor dem ersten Kick Off die Teams ihre Kader ausdünnen mussten.

Einige deutsche Spieler haben diese Welle überlebt. So bleibt Mark Nzeocha Linebacker bei den 49ers. Jakob Johnson ist als Fullback im Kader der Patriots und Equanimeous St. Brown hat es als Wide Receiver in den Kader der Green Bay Packers gepackt.

Zuletzt schwächelte die NFL bei den Zuschauerzahlen in den Stadien und vor dem Fernseher. Umso wichtiger für die Liga, sich Märkte außerhalb der USA zu erschließen. Gerade seit RanNFL Football überträgt, hat der Sport in Deutschland einen Boom erlebt.

Auslandsspiele in England oder Mexiko fallen aber in diesem Jahr dem Virus zum Opfer. Deshalb spielen die Starter aus fremden Ländern eine größere Rolle, um ausländische Märkte an die NFL zu binden. Das „Player Pathway Programm“ soll helfen, solchen Spielern eine Chance zu geben. Johnson zum Beispiel profitierte davon.


Pro7 zeigt den Saisonauftakt Kansas City Chiefs gegen Houston Texans in der Nacht zum Freitag, ab etwa 2.10 Uhr.