Symbole im Kampf gegen Hate Speech gibt es einige. Foto: Pixabay / Alexas_Fotos

Saarbrücken. Das saarländische Familienministerium und die Landesmedienanstalt laden für diesen Freitag zu einer Fachtagung ein. Es geht unter anderem um die Frage, wie sich Medienkompetenz und Jugendmedienschutz im Netzzeitalter verbessern lassen. Dazu werden auch „Best Practice Beispiele“ besprochen. Also Fälle, in denen die Ziele besonders gut erreicht wurden. Unter diesen Beispielen ist eines, das bestenfalls als Flop Resonanz erzeugt hat.

Rauchen gefährdet die Gesundheit. Ja, Rauchen tötet. Und trotzdem greifen Jugendliche immer noch zur Zigarette. Weil das für Erwachsene – besonders für Pädagogen – nur schwer zu ertragen ist, kommt es zu diesen seltsamen Veranstaltungen in Schulen: In Vorträgen wird dann den Kindern beigebracht, wie gefährlich Rauchen ist. Und weil Erwachsene gehört haben, dass junge Menschen heutzutage rappen, werden die Vorträge auch gerappt – damit sie bei der Zielgruppe ankommen.

Zu ähnlichen Ergebnissen ist im Mai 2017 der Verein „MedienNetzwerk SaarLorLux“ gekommen und hat das „#DoppelEinhorn“ zur Welt gebracht. Das # steht übrigens für Hashtag, diese werden vor allem auf Twitter genutzt und dort sind junge Menschen heutzutage, haben Erwachsene gehört. Allein das Bundes-Familienministerium hat das Projekt mit rund 50 000 Euro gefördert.

Das Doppel-Einhorn kämpft im Netz für Meinungsfreiheit und gegen Hass. Für beide Ziele stehen die beiden Hörner, erklären die Verantwortlichen auf der Internetseite des Doppel-Einhorns. Mit dieser Botschaft wurden Schulen besucht und Vorträge gehalten. Doch seine Botschaften verbreitet das Doppel-Einhorn auch in den sozialen Netzwerken. Denn dort ist der Hass zuhause, haben Erwachsene gehört.

“Gibt kein Grundrecht auf Scheißelabern”

Zum einen äußert sich das Doppel-Einhorn von sich aus. Es sendet Botschaften wie: „Es heißt Grundrecht auf #Meinungsfreiheit und nicht Grundrecht auf #Scheißelabern“, „Freie Meinungsäußerung ist eines der vornehmsten Doppeleinhornrechte überhaupt“ oder „Woher ich komme? Aus einem virtuellen Land voller #Meinungsglitzer gegen #HateSpeech.“

Die Macher rufen aber auch zur Denunziation auf. So heißt es auf der Internetseite des Doppel-Einhorns: „Solltest du einen Hasskommentar im Netz lesen, kannst du den Hashtag „DoppelEinhorn unter dem Kommentar einfügen und das Fabelwesen wird sich einmischen und dir helfen. Denn wenn Menschen im Netz diskriminiert oder beleidigt werden und dadurch ihre persönliche Ehre verletzt wird, ist es wichtig solchen Äußerungen aktiv das Doppelhorn zu zeigen.“

Nun möchten die Macher das Doppel-Einhorn auf der Tagung als Erfolg präsentieren. Wie sieht der aber aus? Wer auf Twitter nach dem Hashtag sucht, findet nur schwer Diskussionen, in denen Jugendliche nach dem Doppel-Einhorn um Hilfe gerufen haben. Stattdessen stößt der Nutzer auf viel Häme. Etwa wegen des Aussehens der Strichfigur: „… wie Donald Trump als Fötus“ schreibt eine Nutzerin.

Aber es gibt auch grundsätzliche Abneigung gegen das Projekt. Die Kosten seien verschwendetes Geld, lautet die Kritik. Auch stehe das Doppel-Einhorn für die Hilflosigkeit der Politik im Kampf gegen Hass im Netz.

Gerade mal 422 Nutzer

Richtig viele interessieren sich aber ohnehin nicht für das Doppel-Einhorn. Der Account hatte an diesem Dienstag 422 Follower. Um Influencer zu werden, reicht das nicht. Und wer sich die Liste der Follower anschaut, wird kaum auf Accounts stoßen, die so wirken, als ob dahinter junge Menschen sitzen.

Stattdessen folgen Lehrer, Politiker aber auch Gegner dem Doppel-Einhorn. Und unter den 422 Followern sind einige offizielle Accounts: Das VHS-Ehrenamtsportal oder die Piratenpartei. Die Polizei Osnabrück, die Saarland Medien GmbH, die Vielfalt-Medienthek oder die Fraktion der Grünen im Saarbrücker Stadtrat.

Auch Media-Residents folgt dem Doppel-Einhorn. Ein Projekt des Bundesjugendministeriums. Also wird das eine Projekt gefördert, damit es einem anderen Projekt folgt, das wiederum gefördert wird, um dem ersten Projekt zu folgen. Wer das für eine Verschwendung von Steuern hält, dem sei die alte Weisheit des Börsengurus André Kostolany mit auf den Weg gegeben: „Das Geld ist nicht weg, es hat nur jemand anderes.“

Immerhin gibt es den Rap, der für die Werte des Doppel-Einhorns einsteht. Und junge Menschen hören ja Rap, haben Erwachsene gehört.