Über 50 Jahre stand Fips Asmussen auf Bühnen. Nicht immer die größten. Foto: Jonas Rogowski | Lizenz: CC BY-SA 3.0

Der Komiker Fips Asmussen ist im Alter von 82 Jahren gestorben. Nach übereinstimmenden Medienberichten ist er am Sonntag in einem Hamburger Krankenhaus einer Krebserkrankung erlegen. Er war über 50 Jahre im Geschäft.

1969. Das amerikanische Kino veröffentlicht Easy Rider. Das deutsche hält dagegen mit „Unser Doktor ist der Beste“ mit Roy Black. Man darf sich nichts vormachen. Bis 1933 war die deutsche Kunst auf Höhe des Zeitgeistes. Von den Verboten, Ausweisungen und Morden der Nazis hat sich das Niveau aber lange nicht erholt. 1969 jedenfalls noch nicht. Und während die Staaten über Woody Allen lachen, veröffentlicht Fips Asmussen in Deutschland die Langspielplatte „Lektion für Sexmuffel“.

An der Platte ist manches, was typisch für Asmussen ist: Er hängt sich an ein beliebtes Thema ran. In den späten 60ern ist der Aufklärer Oswalt Kolle ein großes Thema. Dann bevorzugt er Themen, über die alle reden. Und außerdem läuft er damit unter dem Radar der ganz großen Öffentlichkeit.

Der deutsche Humor jener Tage ist bräsig. Rudi Carrell schlüpft in Frauenkleider, um sich durch Filme wie „Tante Trude aus Buxtehude“ zu arbeiten. Hansi Kraus dreht Filme über den „Paukerschreck“ Pepe Nietnagel und Heinz Erhardt gibt Willi Winzig, den Beamten mit viel Herz.

Neu für seine Zeit

Fips Asmussen ist für die Zeit etwas Neues. Zumindest in Deutschland. Im Stile der amerikanischen Stand Up Comedians haut er seine Gags raus. Mit einem für damalige Verhältnisse ungewöhnlich hohen Tempo. Die Pointe lässt nie lange auf sich warten. Soweit die guten Seiten von Asmussen.

Die schlechten: Sein Humor ist banal. Songs heißen „Von Vegesack bis Titisee“. Und flach. Gags handeln von Beamten und gehen etwa so: „Im Postamt haben sie einen umgebettet. Der kam an einen anderen Schalter.“ Oder: „Kennt Ihr den Unterschied zwischen einem Beamten und einem Laubfrosch? Es gibt keinen. Beide sitzen auf ihrem Hintern und warten auf Mücken.“

Auch der Kommt-ein-Mann-zum-Arzt-Witz darf nicht fehlen:

„Herr Doktor, ich kann kein Blut sehen.“

„Warum nicht?“

„Ich bin blind.“

Ein harter Arbeiter

Asmussen arbeitet hart. Hält sich über 50 Jahre in einem Geschäft, das beinhart ist. Eine Zeit, in der viele gekommen sind und nicht wenige wieder vergessen wurden. Laut seinem Wikipedia-Eintrag verkaufte er sieben Millionen Tonträger und erhielt drei Goldene Schallplatten.

Der große Respekt bleibt ihm jedoch verwährt. Asmussen wird zum Synonym für schlechte Witze. Dass sein Stil noch über 30 Jahre später einen Mario Barth inspiriert, wird ignoriert. Selbst als Asmussens Tod bekannt wird, wird etwa auf Twitter noch Häme über ihn verbreitet. Andere veröffentlichen indes seine besten, schlechten Witze.

Wie sehr die fehlende Anerkennung ihn gewurmt hat, wird deutlich, als Oliver Kalkofe Asmussen parodiert. Seine Reaktionen sind das Gegenteil von souverän. Er kontert unter anderem mit Witzen über Kalkofe, die wirklich peinlich sind. Von Nachruhm entfernen ihn solche Aktionen nur noch mehr.

So bleibt er dann in der Geschichte des deutschen Humors der Zu-kurz-Gekommene. Einer, der in einer schwachen Phase noch einer der herausragenden war, was ihm aber in besseren Zeiten nicht honoriert wurde. Und ja: Angesichts der überschaubaren Körpergröße Asmussens ist Zu-kurz-Gekommener ein so flaches Wortspiel, dass es als Hommage ihm schon wieder gerecht wird.