Das Statistische Bundesamt hat einen ersten Kassensturz für 2020 vorgelegt. Demnach hat die öffentliche Hand das größte Defizit seit der Deutschen Wiedervereinigung erwirtschaftet: 189,2 Milliarden Euro haben Bund, Länder, Gemeinden und die Sozialversicherung mehr ausgegeben, als sie eingenommen haben.


Die Ausgaben sind demnach um 12,1 Prozent auf rund 1680 Milliarden Euro gestiegen. Das lässt sich vor allem durch die Corona-Hilfen erklären, teilt das Statistische Bundesamt mit: 17,8 Milliarden Euro Wirtschaftshilfen und 13 Milliarden für den Gesundheitsfonds der Krankenkassen. Zusammen macht das aber nur etwa ein Fünftel des Anstiegs aus.

Die Einnahmen des Staates sind 2020 um 3,5 Prozent auf 1490 Milliarden Euro zurückgegangen. Erklären lässt sich der Rückgang vor allem dadurch, dass der Staat weniger Steuern und Gebühren eingenommen hat.

Historisches Defizit

Wobei das die Gesamtbilanz der öffentlichen Hand darstellt. Die Rechnung unterm Strich also. In einzelnen Haushalten sind die Einnahmen nicht so stark zurückgegangen – etwa weil der Bund Geld an die Länder gezahlt hat.

Das Ergebnis für 2020 ist historisch: Seit 2013 hat der Staat kein Jahresdefizit mehr eingefahren. Seit es ein geeintes Deutschland gibt, war das Defizit noch nie so hoch. Zum größten Teil gleicht der Staat dieses Defizit aus, indem der Bund neue Schulden macht. 2019 hatte die öffentliche Hand noch einen Überschuss von 45,2 Milliarden Euro erwirtschaftet.

Loch in der Sozialversicherung

In dieser Gesamtrechnung sind auch die Daten der Sozialversicherung enthalten. Also Krankenkasse, Rentenversicherung oder Arbeitslosenversicherung. Die Sozialversicherung alleine machte 2020 ein Defizit von 27,9 Milliarden Euro. 2019 waren es noch 8,1 Milliarden Euro Überschuss. Dabei hat der Bund auch sie noch mit Zuweisungen gestützt und die Beitragseinnahmen gingen ebenfalls um 8,2 Milliarden Euro hoch. Es waren die um 10,1 Prozent höheren Ausgaben, die das Loch gerissen haben.