"Hand in Hand" ist der Name des inklusiven Kindergartens auf dem Hartenberg. Hand in Hand ist auch das Motto. Eigentlich. Denn in Zeiten des Corona-Virus geht genau das nicht. Foto: Mario Thurnes

Der Regelbetrieb in den meisten Kindergärten hat vor einer Woche begonnen. Die Auflagen verlangen den Erziehern und Kindern einiges ab – auch den Eltern. Und doch: Es geht.

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Mainz. An der Vordertür der Kita „Hand in Hand“ hängt ein Schild: Neben dem Bild eines Hasen ist ein Schriftzug zu sehen: „Team Hase“. Kinder, die zu diesem Team gehören, nutzen diese Tür. Andere betreten das Gebäude über den Hof. Dort hängt ein Schild „Team Eichhörnchen“.

Es sind Hilfen für die Kinder. Einen Gruppennamen könnten sie sich nur schwer merken. Dass sie zum Team Hasen gehören, leuchte ihnen ein, berichtet Simone Klein. Sie ist eine der beiden Leiterinnen der Kita „Hand in Hand“. Die Einteilungen sind notwendig geworden, damit die Kinder zusammen in die Kita gehen können – und doch getrennt bleiben.

Dafür hat das Team die Kita streng strukturiert: „Die Arbeit steckte im Detail“, sagt Klein. Die Wege mussten so angelegt werden, dass die Kinder unterschiedlicher Gruppen sich nicht begegnen. Das Gleiche galt für Toiletten, Waschbecken oder Kleiderhaken.

Cliquen sollen nicht zerrissen werden

Auch die Einteilung der Gruppen bedeutete jede Menge Arbeit: Freundschaften sollten nicht zerrissen werden. Zudem mussten die Verantwortlichen die Betreuung bedenken: Welches Kind hat welches Defizit? Wie müssen die Erzieherinnen damit umgehen? „Das bedeute natürlich eine Menge Einfühlungs-Arbeit“, sagt Klein.

Dabei hatte „Hand in Hand“ jetzt – bei der Wiedereröffnung – einen Startvorteil. Die Kita war im Notbetrieb auch während der Hochphase der ersten Welle geöffnet. Im Notbetrieb. Denn der Name „Hand in Hand“ steht auch dafür, dass auf dem Hartenberg Kinder mit und ohne geistige Einschränkungen gemeinsam eine Kita besuchen.

Für die rund 20 Kinder mit geistigen Einschränkungen gab es den Notbetrieb. „Das hat uns natürlich ermöglicht, ein Hygienekonzept einzuführen und zu erproben“, sagt David Dietz, Geschäftsführer des Kita-Betreibers Lebenshilfe. Jetzt sind 40 von 46 Kindern zurück. Alle die wollten, hätten ein Betreuungsangebot erhalten. Die Gründe, keines zu wollen seien unterschiedlich: Angst vor Infizierungen, Zugehörigkeit zur gefährdeten Gruppe oder schlicht veränderte Lebensumstände nach der ersten Welle der Pandemie.

Es herrscht immer noch Pandemie

Also alles wieder normal? Nein. Es herrscht immer noch Pandemie. Und für die Kinder bedeutet das nach wie vor Stress. So befinden sich auf dem Gelände der Alten Patrone zwei Kindergärten. „Es gibt eine unsichtbare Linie“, sagt Klein. Jeder bleibe auf seiner Seite des Platzes. Zwar müsse den Kindern einiges erklärt werden: Etwa warum die Erzieherinnen Masken tragen. „Aber das deckt sich mit ihrer Lebenswahrnehmung.“ Auch im Supermarkt müssten sie Abstand halten oder würden Menschen Masken getragen – also sei das halt auch so in der Kita. Um den Effekt aber zu mindern, zeigten sich die Erzieherinnen mit Abstand ohne Maske, sodass sich die Kinder danach dran gewöhnen können.

„Der Bedarf nach Absprache ist ebenfalls enorm gestiegen“, sagt Dietz. Das Team müsse oft mit den Eltern telefonieren: Sei es, um die neue Situation zu erklären, Betreuungsbedarf anders zu regeln oder um auf die veränderten Öffnungszeiten einzugehen. Denn die sind kürzer als vor der Pandemie: „Wir müssen mehr Arbeit mit dem gleichen Personal leisten. Das geht nur mit reduzierten Öffnungszeiten“, sagt Dietz. Infiziert habe sich keiner der Mitarbeiter, aber das hätte passieren können. Und auf den ein oder anderen Praktikanten hätte man während der Kontaktsperre auch verzichten müssen.

Und „Hand in Hand“ gehe es noch besser als anderen Kitas: Da ein größerer Betreiber hinter dem Haus stehe, gebe es mehr Möglichkeiten zum Ausgleich. Auf Kurzarbeit hätte die Lebenshilfe daher verzichten können. Doch es sei auch klar: Kommen eine zweite oder dritte Welle, wird das nicht ohne weitere Einschnitte ablaufen.

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