Profil. Foto: Der Dicke

In dieser Serie kommt das andere Ende der Leine zu Wort: der Don. Hunde aus dem Ausland seien öfters seelisch krank, meinte jüngst ein Experte in einem Interview. Schwätzbär. Wie es uns geht, das hängt von Euch ab.

 

Wenn wir draußen andere Dicke mit anderen Hunden treffen, kommen die auffällig oft aus dem Ausland. Der schnelle Schluss, der sich daraus ziehen lässt: Hunde aus dem Ausland sind in Mode.

Es gibt aber auch eine komplexere Erklärung: Menschen, die mit Hunden aus dem Ausland zusammenleben, vertrauen ihren Kumpels stärker. Andere klammern sich an die Leine, als wäre der Hund eine Rakete, die losgeht, wenn man sie nicht mit aller Kraft zurückhält. Die haben ihn vom Züchter, mit Zertifikat, meint der Dicke. Gut, der ist natürlich auch ein Schwätzbär. Aber mir gefällt die Theorie.

Vielleicht sind die Menschen, die mit Hunden aus dem Ausland zusammenleben, einfach kommunikativer. Der Dicke spricht andere Menschen an, wenn sie uns mit einem Hund entgegen kommen. Das soll unser Zusammentreffen entspannen. Was zu meiner eigenen Überraschung erstaunlich gut funktioniert. Wir Hunde kommen ins Geschnüffel, die Menschen ins Gespräch. So erfährt man dann zum Beispiel die Herkunft des Tieres.

Mit “Guten Tag” überfordert

“Guten Tag” oder “Hallo” ist das, was der Dicke meistens als Erstes sagt. Liegt nahe. Auch stellt es eine leichte Aufgabe, darauf zu antworten. Eigentlich. Sollte man meinen. Doch bei manchen frieren die Gesichtszüge ein – und der Gedanke auch: “Hähhh…. Waaaas… wihhhhlll dehhhhhr vooooon mir….”, arbeitet es im Kopf. Sehr langsam.

“Guten Tag wäre die richtige Antwort gewesen”, gibt der Dicke noch mit, bevor wir weitergehen. Dann kommt er mit seiner Zertifikatstheorie. Schwätzbär. Wie gesagt. Aber trotzdem gefällt mir die Theorie.

Als ich zum Dicken kam, hatte ich einige Macken. So drückt zumindest er es aus. Ich würde lieber von sympathischen Eigenheiten sprechen. Jedenfalls habe ich mich auffällig für Zäune interessiert. Ich wollte immer auf die andere Seite. Egal, ob es dort besser war oder nicht. Gebuddelt habe ich, nach einem Weg rund um den Zaun gesucht oder einer Loch.

Das hing damit zusammen, dass ich in einem wirklich engen Käfig eingesperrt war. Nicht mal zum Gassi durfte ich raus. Wie lange ich da drin war, weiß ich nicht. Zeitgefühl gehört nicht zu meinen Stärken. Aber es waren dreieinhalb Ewigkeiten.

Hundemenschen müssen besser recherchieren

Natürlich setzt einem das zu. Will das verdaut werden. Aber das heißt doch nicht, dass es einem Hund bei einem Züchter nicht so ergehen kann. Auch da gibt es welche, die so wenig wie möglich für das Geld machen wollen. Sie nennen es Geschäftssinn. Ich nenne es A… Ok, der Dicke meint, das dürften wir nicht schreiben. Ihr wisst aber, wofür ich Leute halte, die Tiere auf engsten Raum einpferchen, ohne sich um sie zu kümmern.

Züchter haben einen Vorteil: Hundemenschen mit Anstand können sich vorher ansehen, wie wir gelebt haben. Das ist bei den Tieren aus dem Ausland nur schwer möglich. Es sei denn, man fliegt selbst runter.

Der Dicke kannte den Verein, der mich gerettet hat, persönlich. Da war Vertrauen schon hergestellt. Aber es gab einen Indikator, auf den er sich hätte verlassen können: das Geld. Der Verein hat 300 Euro genommen. Zum einen um die Unkosten zu decken. Zum anderen ist es aber auch ein Test, ob der Dicke die Adoption wirklich ernst meint.

300 Euro Unkostenbeitrag

In den 300 Euro waren die Kosten für Chippen und Impfen enthalten. Vor allem aber die Flüge nach und aus Bosnien. Der Verein hat mit mir also keinen Gewinn gemacht. Im Gegenteil. Er war auf Spenden angewiesen. Die hat der Dicke dann auch – auf meinen Druck hin – gegeben. Freiwillig. So weit er noch einen freien Willen hat, seitdem ich bei ihm lebe.

Wer einen Hund aus dem Ausland übernimmt, muss sich also noch mehr drum kümmern, wie die Umstände des Tiers waren. Jetzt könnte ich an die Sorgfaltspflicht appellieren. Aber das lasse ich. Wer das hier liest, für den ist das selbstverständlich. Wer Sorgfalt für unnötig hält, ist wahrscheinlich zu b… OK. Ich darf auch nicht formulieren, warum sie diesen Text nicht lesen werden.

Am Ende sehen die Menschen, die sich um Hunde aus dem Ausland kümmern, auch eher das Positive. Zum einen können sich Angewohnheiten ändern. In dem Käfig habe ich auf einer alten Gummimatte geschlafen. Wenn ich mit dem Dicken dann im Biergarten war, habe ich, ohne zu murren, stundenlang auf dem Boden gelegen.

An die Couch habe ich mich schnell gewöhnt

Doch schnell hatte ich mich an die Couch gewöhnt. An Kissen, Decken und Pullis. Aus denen baue ich mir Burgen. Ich mag es kuschelig. Meine Bodenzeiten sind so lange her, dass sie nicht mehr wahr sind. Gehen wir jetzt in eine Kneipe, legt der Dicke mir seine Jacke hin, damit ich es so bequem habe – wie ich es mittlerweile gewohnt bin.

Zum anderen lernen wir bei dem, was wir im Ausland erlebt haben. Wir werden härter. Sind weniger stressanfällig. Wenn Musik im Fernsehen läuft, singt und tanzt der Dicke dazu. Das würde nun wirklich keiner aushalten, der nicht den Gedanken kennt: Im Käfig war es schlimmer, Don. Vermutlich.

Dort habe ich noch etwas gelernt: Reinlichkeit. Ich habe es gehasst, dass der Kot im Käfig rumgelegen hat. Also habe ich den Bobbes ans Gitter gehalten und nach draußen gekackt. Das habe ich in Deutschland auch noch gemacht. Anfangs. Denn was wir im Ausland erlebt haben, ist nicht in unsere Haut tätowiert. Wir können es ablegen, wenn Ihr uns gescheit behandelt.

Der Dicke und ich, ich im Vordergrund. Selfie: Der Don

Weitere Folgen der Serie findet Ihr hier.