Ich sagte, ich will raus. Foto: Der Dicke

In dieser Serie kommt das andere Ende der Leine zu Wort: der Don. Zu den großen Lebenslügen des Dicken gehört, dass er sich für kreativ hält. Ich widerspreche ihm da nicht. Das tut das Leben. Und in einem Punkt stimmt’s ja: Ihm fällt viel ein, wenn es darum geht, nicht mit mir Gassi zu gehen.


Sabine kenn ich. Sie ist mit Michael verheiratet. Als sie das letzte mal in Mainz waren, haben sie mir was zu Essen mitgebracht. Wie sich das gehört. Dann gibt es noch Sabine, bei der ich mal übernachtet habe, als der Dicke unterwegs war. Die ist auch nett.

Daher verstehe ich nicht, von welcher Sabine der Dicke redet, wenn es darum geht, dass wir nicht rausgehen. Er meint, sie sei ein Sturm und es wäre zu unsicher im Wald. Selbst in der Park könnten wir nicht, weil da so viele Bäume sind. Davor war es meine Operation, dann seine Erkältung… „I’m not convinced“, um es mit Joschka Fischer zu sagen.

Klar, wenn es regnet, will ich auch nicht vor die Tür. Aber mittlerweile habe ich das Gefühl, dass wir gar nicht mehr rauskommen. Dabei wird es allmählich wärmer. Die Natur wird wach. Genau wie die Tiere, die im Winterschlaf waren. Deswegen will ich laufen. Und zwar mehr als im Winter.

Was heißt hier dunkel?

Der Dicke meint aber, es sei noch nicht so weit: Am Samstag könnten wir nach 17 Uhr nicht mehr den Brückenlauf machen, weil es gleich dunkel werde. Am Sonntag reicht es aus dem gleichen Grund nicht mehr für das obere Gonsbachtal. Und wer mir jetzt kommt mit, das stimme doch, dem sage ich: Wer dem Dicken recht gibt, hat hier nichts zu suchen.

Ok. Beruhig Dich, Don. Es könnt schlimmer sein. Direkt vor unserem Haus befindet sich ein kleiner Park. Dort treffen wir immer sehr viele Hunde. Denn in der Nachbarschaft leben viele Kumpels. Die treffen wir immer, wenn wir das Haus verlassen. Nur so wie wir ein wenig weiter laufen, Richtung Rhein oder großem Park, sehen wir die nicht mehr. So als ob die nie weiter als rund ums Haus laufen würden.

Da haben wir schon schöne Touren gemacht. Als ich zum Dicken gekommen bin, hatten wir noch kein Auto. Das kam dann erst dreieinhalb Hundeleben später dazu. Und ist ein absoluter Gewinn. Mit dem Auto fahren wir in den Wald, nach Rheinhessen, nach Biebrich oder ans Stadion.

Der Dicke hat es gekauft, weil er sich über einen Schaffner geärgert hat. Wir waren ins Saarland gefahren, damals, als der Mainzer Hauptbahnhof mehr gesperrt als geöffnet war. Eigentlich hatten wir mit einem voll besetzten Zug gerechnet. Doch die Leute hatten es in der Zeit offensichtlich aufgegeben, auf die Bahn umzusteigen.

Abhängig vom Schaffner

So hatten der Dicke und ich ein Abteil für uns. Ich lag am Boden und schlief, er las. Dann kam der Schaffner. Ich müsse einen Maulkorb tragen. Warum? Weil sich die anderen Fahrgäste gestört fühlten. Welche anderen Fahrgäste?. Jetzt reiche es ihm. Er sei der Schaffner und in seinem Ermessen läge es, ob ich gefährlich sei oder nicht und wenn der Dicke nicht Respekt vor ihm zeige, dann sei ich halt gefährlich.

Respekt, Alter. Da hat wohl einer von einer Karriere in Uniform und mit Gewehr in der Hand geträumt und von Macht. Fast wäre es dann auch so gekommen. Gefühlt? Na ja. Wer jetzt schreiben will, dass es auch nette Schaffner gibt, dem sei gesagt: Stimmt. Und es ist wirklich super wichtig und hoch intelligent, dass Ihr das erwähnt.

Es gibt sogar sehr nette Schaffner. Eine hatte immer Leckerlis dabei, wenn wir sie getroffen haben. Nur sich drauf verlassen müssen, dass es sich um die eine Ausnahme handelt, weil eigentlich Schaffner sehr, sehr nett sind und eben nur dieser eine…

Aber wir kommen vom Thema ab. Ich bin schlecht gelaunt. Wie gesagt: Ich bin sauer auf den Dicken. In letzter Zeit gibt es zu wenig Gassi. Wenn es hell wird, dauert es länger, bis wir aufstehen. Das liege an der Sommerzeit. Aber das interessiert mich nicht. Wenn es hell wird, will raus. Falls Ihr ihm jetzt schreiben wollt, dass er das Pensum erhöhen soll, dann wäre das wirklich wichtig und intelligent.

Der Dicke und ich, ich im Vordergrund. Selfie: Der Don

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