Jagen darf der Don nahezu nie. Foto: Der Dicke

An dieser Stelle kommt das andere Ende der Leine zu Wort: Der Don. Meine Jagderfolge werden immer seltener. Ich kann mich kaum noch erinnern, wann ich zum letzten mal eine Ratte gestellt habe. Da erhält Lob einen ganz anderen Wert – selbst wenn es vom Dicken kommt.


Ich bin toll. Das weiß ich. Daher muss es mir eigentlich niemand sagen. Aber hin und wieder hör ich es gerne. Zumal es mir das Gefühl vermittelt, das mir von allen am wichtigsten ist: Nämlich, dass alles in Ordnung ist.

Als ich zum Dicken gekommen bin, war nichts in Ordnung. Ein halbes Jahr lang bin ich von einem neuen Rudel zum nächsten gekommen und dachte am Ende, dass ich nirgendwo bleiben dürfte. Deswegen habe ich den Dicken auch nicht ernst genommen. Als Perspektive. Als Autoritätsperson tue ich das heut noch nicht.

Dazu kam, dass der Dicke am Anfang nur genörgelt hat: „Nein!“ „Aus!“ „Don!“ und „Doooohhhhnnn!“ waren das einzige, was ich zu hören bekommen hab‘. Nichts, was Spaß macht, durfte ich. Außer Tauben verscheuchen. Das fand der Dicke überraschenderweise auch gut.

Mein erstes Lob tat gut

Noch nach Wochen beim Dicken bin ich mit eingeklemmter Rute durch die Gegend gelaufen. Plötzlich. Aus heiterem Himmel meinte der Dicke: „Guter Junge. Bist’n guter Hund.“ Ich weiß bis heute nicht, warum er das gesagt hat. Aber zum ersten mal ist meine Rute aus dem Hintern gekommen und ich fing an, mich beim Dicken zuhause zu fühlen.

Dazu gehört auch, dass ich eine gewisse Zeit am Tag brauche, in der ich beim Dicken liegen will. Das schafft Vertrautheit. Zwar interessiert mich der Sport nicht. Aber ich mag Football, weil das so eine Gelegenheit ist, bei der wir zusammen fernschauen und ich neben dem Dicken liege.

Früher habe ich gerne auf seinem Schoss gelegen. Da hatten wir noch einen Sessel. Aber leider ist der zerstört worden. Als ich alleine war, ist ein fremder Hund in die Wohnung gestürmt und hat ihn in Stücke gerissen. Ich habe ihm einen harten Fight geliefert und ihn aus der Wohnung vertrieben. Für den Sessel kam ich aber zu spät – ehrlich, so war’s. Auch wenn der Dicke mir die Geschichte bis heute nicht glaubt.

Im Gegenteil. Fürchterlich geschimpft hat er mit mir. Ich habe mich dabei in seine abgelegte Jacke gekuschelt, um diese Schmach zu ertragen. Geplärrt hat der Dicke weiter. Bis meine Augen seine getroffen haben. Da ist er auf der Toilette verschwunden. Was grundsätzlich nicht schlecht ist, wenn er sich aufregt – denn dort beruhigt er sich wieder.

Fehlende Erfolge als Jagdhund

Ich bin ein Jagdhund. Das liebste Kompliment ist mir natürlich, wenn ich gelobt werde, weil ich Beute gemacht habe. Nur passiert das selten. Wenn wir unterwegs sind, will der Dicke regelrecht gar nicht, dass ich jage, denk ich mir manchmal. Und dass ich es tun soll, sagt er nur selten.

Ein einziges Mal. Um genau zu sein. Beim Schorsch lief auf der Terrasse eine Ratte rum und ging allen auf den Sack. Da fielen die magischen Worte: „Don, fass!“ Und was soll ich sagen und ohne angeben zu wollen: Zwei Minuten später hatte ich sie.

Als ich reingekommen bin, haben die Jungs Spalier gestanden. Und geklatscht. Der Schorsch ist in die Küche und hat mir noch eine Wurst geholt. Gut, eigentlich hätte ich die Ratte gerne behalten. Aber man kann nicht alles haben. Dennoch zehre ich von diesem Erfolg immer noch.

Für einen Jagdhund ist das Leben in der Wohnung nur ein Ersatz. Doch das mit dem Jagen ist problematisch. Ich vertrage das Schießen nicht. Meiner Meinung nach wäre es eh sportlicher, auf Waffen zu verzichten und das Ganze über das gute alte Hetzen zu erledigen. Aber der Dicke meint, die Meinung sei nicht mehrheitsfähig. Und da ich ihm nicht widersprechen kann, bin ich an der Stelle ruhig.

Also richte ich mir das Ersatzleben so gut ein, wie es geht. Essen ist zu wenig da, aber es reicht, um nicht ganz vom Fleisch zu fallen. Gassi gehen wir auch leidlich. Und wenn der Dicke dann ab und zu sagt: „Guter Junge. Bist’n guter Hund“, dann ist das Paket eigentlich geschnürt.

Der Dicke und ich, ich im Vordergrund. Selfie: Der Don

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