Kein Egozocker. Mit anderen Hunden zusammen fühlt der Don sich wohler. Foto: Der Dicke

An dieser Stelle spricht das andere Ende der Leine: der Don. Mein Abstieg zur Hölle führte die Treppe hinauf. Eva begleitete mich dabei. Das ist heute sieben Jahre her, so lange lebe ich nun schon beim Dicken und was soll ich sagen: Wir reden immer noch aneinander vorbei.

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Der Dicke hat neulich über Luke und mich philosophiert. Luke sei ein Hirtehund, das Rudel bedeutet ihm daher mehr. Mir sei als Jagdhund anderes wichtiger. Mal abgesehen davon, dass man nicht über jemanden redet, während er dabei ist, hat der Dicke dieses mal nicht ganz unrecht. Doch hat er es – wie üblich – unglücklich formuliert.

Mir ist das Rudel nicht weniger wichtig, sondern nur auf eine andere Weise. Wir jagen zwar im Rudel. Trotzdem willst du der sein, der mit der Beute im Mund zurückkommt. Zudem macht so eine Treibjagd deutlich mehr Spaß, wenn du vorne weg läufst. Daher weiß ich einerseits den Wert des Rudels zu schätzen und schaue andererseits trotzdem danach, wie es mir dabei geht.

Der Dicke formuliert daraus ab und an einen Vorwurf: Ich sei ein Egozocker. Sein Lieblingsbeispiel ist dabei ein Spaziergang im Sturm. Wir waren nur noch 200 Meter von zuhause entfernt, aber der Regen peitschte von allen Seiten. Eine Kammer für Mülltonnen stand offen und leer. Ich habe mich untergestellt, der Dicke passte da nicht rein und stand draußen. Ich schaue nur nach mir selbst, lautete sein Fazit, das er seitdem immer wieder gezogen hat.

Ich schaue nach mir selbst

Ich finde das unfair. Nach sich selbst zu sehen, ist das Prinzip der Jagd. Auch das der gemeinsamen Jagd. Klar, kann ich das Wildschwein mir in den Hals beißen lassen und denken: In der Zeit können die anderen den Sieg klarmachen. Wenn aber alle so gepolt sind, bedeutet das am Ende viele tote Hunde und ein siegreiches Wildschwein.

Nun kann ich mir die Reaktion des Dicken schon vorstellen: Du gehst nicht auf die Jagd, schon gar nicht nach Wildschweinen, Du könntest nach sieben Jahren auch mal in anderen Kategorien denken. Aber wir werden in der Schule geprägt. Das macht so viele ältere Menschen mürrisch, weil irgendwann manches nicht mehr gilt, was sie einst mühsam gelernt haben – aber für sie trotzdem wichtig und richtig bleibt.

Daher werde ich die Welt immer aus der Sicht eines Jagdhundes sehen. Auch wenn ich schon seit Jahren nichts mehr gerissen habe und der Dicke mich mittlerweile laufen lassen kann, weil ich anderen Tieren nicht mehr nachsteige. Was ich mal gelernt habe, bestimmt mich noch immer.

Der Dicke wusste es

Wobei der Dicke wusste, auf was er sich einlässt. Denn er hat sich mal bewusst für einen Jagdhund entschieden, weil wir vieles mitbringen, was für ihn wichtig war und ist: Ich gehe mit ins Büro und er lebt in einem Mietshaus. Hütehunde neigen viel eher dazu, zu bellen und anderen Krach zu verursachen, weil sie meinen, das Rudel beschützen zu müssen.

Das würde ein Jagdhund niemals tun. Wir sind still. Würden wir in den Zeiten zwischen den Jagden Krach machen, müssten wir damit rechnen, dass nichts mehr zu jagen da ist, wenn wir loslegen. Deshalb sind wir im Ruhezustand konsequenter.

Das heißt nicht, dass ich mein Rudel nicht verteidige. Als wir mal im Dunkeln Gassi gegangen sind, schlug aus dem Unterholz ein Ast gegen das Schienbein des Dicken. Wir haben beide für einen Moment gedacht, er wird von einem Tier angegriffen. Selbstverständlich bin ich sofort den Angreifer angesprungen. War dann zwar ein wenig peinlich, dass es nur ein Ast war. Aber es sollte reichen, dass der Dicke mal das Gelaber vom Egozocker einstellt.

Der Dicke und ich, ich im Vordergrund. Selfie: Der Don

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