Corona bedingt ist der Don momentan eher alleine unterwegs. Foto: Der Dicke

An dieser Stelle kommt das andere Ende der Leine zu Wort: der Don. Nun ja. Es stimmt. Diese kleine Kolumne hier heißt „Der Dicke und der Don“. Aber ohne unsere Freunde wäre das alles nicht möglich.

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Mein Tiefpunkt ist siebeneinhalb Jahre her. Ich saß in Bijeljina. Eingesperrt auf engem Raum. Konnte nicht raus. Und die Jungs nebenan sprachen von Tötungen. Wobei ich nicht weiß, was sie damit meinten. Ich will es auch gar nicht wissen. Auf jeden Fall kamen Freunde und holten mich da raus.

An früher kann ich mich nicht erinnern. Aber spätestens seit dem Tag bin ich zutraulich. Ich gehe auf jeden optimistisch zu, weil ich erst einmal denke, er will mir was Gutes tun. Denn so habe ich es immer erfahren.

Ich meine. Ich kannte zum Beispiel Heike noch nicht. Wir hatten uns zumindest nie einander vorgestellt. Da kam sie schon raus und hatte ein Leberwurstbrot dabei – für mich und Luke. Anfangs. Später kam sie sogar mit einem Brötchen für jeden von uns beiden. Wer würde da keine Freundschaft schließen wollen?

Ich werde auf der Straße angesprochen

Es sind so viele in meinem Leben, die meinen kargen Ernährungsplan verbessert haben: Meine Nachbarn, die Eltern des Dicken, Norbert und sogar welche, da kenne ich nicht einmal den Namen. Zwar bin ich zutraulich. Aber es irritiert mich doch, wenn mich auf der Straße jemand anspricht mit: „Und du bist also der Don.“ Obwohl ich den noch nie gerochen habe…

„Freunde erkennt man in der Not.“ Sagt der Dicke. Und ist folglich falsch. Ich würde es so ausdrücken: „In der Not erkennt man Freunde.“ Das kommt nicht vom Dicken und ist daher was ganz anderes. Und richtig.

Auf jeden Fall kommen Freunde in der Not. So wie der Hundetraum. Die sind mit mir Gassi gegangen, als der Dicke mich nicht mehr mit zur Arbeit nehmen durfte. Als das wieder ging, hatte ich meine Freunde nur noch ab und an gesehen. Auf Spaziergängen am Rhein oder im Hartenberg-Park.

Doch als der Dicke wieder mal seinen Aua-Fuß hatte und ich mir Sorgen machte, ob ich an dem Tag nochmal nennenswert vor die Tür kommen würde, waren sie plötzlich da. Ein Anruf habe genügt, hat der Dicke erzählt. Kurzfristig hätten sie es ermöglicht. Ich weiß nicht, was es bedeutet, einen Terminkalender zu führen. Das macht der Dicke für mich. Aber ich war doch heilfroh, sie zu sehen – und gescheit vor die Tür zu kommen. Mit seinem Humpelfuß ist der Dicke doch mehr Ballast als Freude.

Ich vermisse meine Freunde

Ich trau mich gar nicht, alle aufzuzählen, die mit mir Gassi gegangen sind. Denn ich hab ein wenig Angst, ich vergesse wen und das wäre mir unangenehm. Aber ich erinnere mich zum Beispiel an Jana, die ab und an vorbei kam und die drögen Tage im Abgeordnetenhaus angenehm unterbrach. Oder als Astrid kam, weil der Dicke zum ersten mal einen Humpelfuß hatte.

Andere Hunde können es nur schwer ertragen, wenn sie von ihren Menschen getrennt sind. Mir macht das nichts aus. Ich habe schon oft woanders geschlafen: Bei Sylvio, bei den Eltern des Dicken, bei Sabine und Rolf, bei Fenja und Andy oder bei Eva. Bevor ich zum Dicken gekommen bin, habe ich auch öfters das Zuhause gewechselt und musst damit klar kommen. Ist schon ok.

Doch ich mag mein Zuhause. Wenn ich länger weg war und dann heimkomme, prüfe ich immer zuerst alles. Ob der Napf noch da ist? Das Körbchen? Die Couch? Meine Leckerli-Depots hat der Dicke dann meistens geplündert. Der Sack. Aber wenigstens legt er dann einen frischen, gescheit großen Knochen hinein. Was mich ein wenig versöhnt.

Und so lange das unter uns bleibt: Ich vermisse ihn, wenn er weg ist. Wenn ich im Saarland bin, kommt er mich meistens samstags abholen. Einmal wurde es Sonntag. Und ich habe schon – das stimmt leider – einen Großteil des Samstages vor der Tür verbracht. Natürlich vor allem um die Gelegenheit zu bekommen, ihm zu sagen, was für ein Depp er ist.

Ich hasse Corona. Vieles ist ok. Wir gehen nach wie vor Gassi. Der Dicke ist daheim oder nimmt mich mit. Essen tun wir sogar mehr als vorher. Aber ich vermisse meine Freunde. Und ich hoffe, dass ich sie bald wieder sehe. Wenn dann Heike ein Leberwurstbrot für mich hätte, würde das ja auch nicht schaden.

Der Dicke und ich, ich im Vordergrund. Selfie: Der Don

Weitere Teile der Serie findet Ihr hier.

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