Super-Bowl-Nächte sind lang. Foto: Der Dicke

In dieser Serie kommt das andere Ende der Leine zu Wort: der Don. Ok, Don, alter Junge. Die Zeichen waren da. Erst die langen Football-Samstage, dann Alkohol eingekauft und letztlich ist Silvester jetzt einen Monat her, sodass klar war, irgendwann kommt er auf mich zu: der Super Bowl. Für mich ist das Spiel eine Strapaze – und bietet nur wenig Gutes.


Die Weltmeisterschaft in Brasilien. Ja, die war gut. Da fanden die Spiele zu vernünftigen Zeiten statt und wir haben einen legendären Deal kreiert: Nachdem Deutschland im Halbfinale das 1:0 gemacht hat, ist der Dicke in die Höhe gesprungen und hat derart laut geschrien, dass ich Angst bekommen habe. Richtig Angst. Da meinte der Dicke: „Du kriegst zum Trost für jedes deutsche Tor ein Leckerli.“

„Hey, super Deutschland / ich singe hey super Deutschland / hey super Deutschlaaand / ich singe hey super Deutschlaaand.“ Das 5:0 hat der Dicke verpasst. Da kam er gerade aus der Küche, um mir das Leckerli für das 4:0 zu holen. Irgendwie hatte ich den Eindruck, dass ich mehr Spaß an dem Halbfinale hatte als er. 7 zu 1. Ich möchte gar nicht wissen, wie es brasilianischen Hunden an dem Abend ergangen ist. Egal: S i e b e n Leckerlis.

Aber Football? Das ist mitten in der Nacht. Also zumindest der Super Bowl. Sonntags ist das ja gut und schön. Nach dem ersten Spiel gehen wir nochmal raus. Da ist es so gegen 22 Uhr, was für einen letzten Spaziergang echt ok ist. Danach kriege ich mein Gute-Nacht-Leckerli und es ist mir egal, wie lange der Dicke noch das zweite Spiel schaut.

Ich bin nicht konservativ, aber…

Ich bin nicht konservativ. Aber ich mag es, wenn alles so ist, wie es immer ist. Wir gehen raus, ich kriege mein Gute-Nacht-Leckerli und dann gehen wir schlafen. So hat es der liebe Gott gewollt, so hat es zu sein.

Wenn der Super Bowl läuft, bekomme ich mein Gute-Nacht-Leckerli. Ich will nicht ungerecht sein. Nicht mal mit dem Dicken. Aber dann beginnt nach dem Leckerli nicht die Nacht, sondern Fernsehen. Dabei bin ich müde.

Aber ich kann nicht aus meiner Haut. Wenn es draußen dunkel ist und der Dicke auf der Couch liegt, dann gehe ich ihn um Leckerlis an. So hat es der liebe Gott gewollt, so hat es zu sein. Allerdings hat er auch gemacht, dass ich dann müde werde – saumüde.

Manchmal kapituliere ich. Als Trump gewählt wurde, bin ich um 4 Uhr ins Schlafzimmer gegangen und habe mich dort in meine Schlafhöhle gelegt. Der Dicke trippelte nervös durch die Wohnung. Mit Leckerlis habe ich nicht mehr gerechnet. Also wollte ich meine Ruhe.

Wir brauchen ein Lieblingsteam

Der Dicke braucht ein Lieblingsteam. Dann rechnen sich diese TV-Nächte für mich: Die Champions League 2013 bedeuteten eine ganze Tüte Entenbrust. Der Super Bowl der Eagles fünf Salamistängchen. Und als die Patriots das Spiel noch gedreht haben, war die Beute auch nicht schlecht – aber ich musste teuer dafür bezahlen, weil der Dicke irgendwas von Radiogesichtern gesungen hat, die keine Ahnung von Football hätten. Wenn er singt, ist er mir besonders unheimlich.

Dieses Jahr hat er keinen Favoriten. Da dürfte mir wenigstens die Singerei erspart bleiben. Andererseits sitzt er dann wieder auf den Leckerlis. Aber ich habe einen Plan: Ich lege mich so, dass er meine OP-Narbe sieht. Seit dem Eingriff ist er herrlich spendabel, wenn es um Schnabulitis geht.

Das bringt mich darauf, dass ich noch sagen soll, dass das Ding an meinem Knie gutartig war und nicht gestreut hat. Ich weiß ja nicht, was das bedeutet. Aber der Dicke hat es unter Absingen schmutziger Lieder gefeiert – Leckerlis haben halt ihren Preis.

Der Dicke und ich, ich im Vordergrund. Selfie: Der Don

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